Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Heft 2

Von den Auktionen

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fangreichste existierende Privatsammlung, nur
etwa die Bridgewater Gallery des Earl von
Ellesmere in London käme ihr in Zahl und
Qualität der Werke nahe. Selbst so superbe
Sammlungen wie die der Gräfin Cowper in
Panshanger, des Earl Spencer in Älthorp, des
Earl of Radnow in Longford, des Obersten
Holford in Dorchester House, des Sir Frederick
Cook in Richmond, der verschiedenen Roth-
schilds und der Ämerikaner, der Mrs. John
Gardner in Boston, des Mr. Johnson und des
Mr. Widener in Philadelphia und des Mr. Frick
in New York könnten nicht an die Lichtenstein
Galerie heranreichen. F.

VON DEN AUKTIONEN

BERLIN

Äm 26. Januar gelangt bei Rudolph Lepke
die Sammlung älterer Gemälde des Herrn Prof.
Dr. Wedewer, Wiesbaden zur Versteigerung.
Der Katalog verzeichnet meist niederländische
Bilder des XVII. Jahrhunderts, unter ihnen einige
recht interessante und insbesondere Kuriosa.
Merkwürdig gut ist die arkadische Utrechter
Schule vertreten, zumal in selteneren Meistern.
Die Nummern 13, 29, 50, 56, 63 gehören dieser
Richtung an. Von den früheren Bildern ver-
dienen ein dem Gerald David zugeschriebenes
Madonnentriptychon (Nr. 100), eine Dornen-
krönnung Christi in der Ärt des älteren Hol-
bein, eine „tirolina“ genannte, aber eher ober-
oder mittelrheinische „Verkündigung“ in Schon-
gauers Ärt besondere Erwähnung. Sehr fein
ist eine Elsheimer-artige Miniatur Nr. 164,
mit stimmungsvoller Landschaft. Weiter sind
im Katalog Namen wie Bol, Palamedesz,
R. de Vries, Ä. Storck, Eeckhout vertreten,
Von S. Hoogstraten, J. Wijnants, S. de
Vlieger, Mahn und J. v. Goyen besitzt die
Galerie bezeichnete Ärbeiten, derÄ. v. Beijeren
Nr. 139 ist monogrammiert.

Unter den wenigen spätitalienischen Bildern
hebe ich heraus Nr. 65, der h. Franz, dem
L. Tristan zugeschrieben, aber nach meiner An-
sicht ein charakteristisches Werk des Ludovico
Cardi, gen. Cigoli, von dem es ganz nahe
verwandte Darstellungen in Pal-Pitti und in
anderen florentiner Galerien gibt. Nr. 96, als
Ärt Tizians bezeichnet, ist ein Bild aus der
Richtung Guercinos von recht guter Qualität,

vielleicht von einem der Gennari. Auch die
Darstellung, der Tod der Dido, weist auf diese
spätere bolognesische Richtung.

Über die erzielten Preise berichten wir im
nächsten Hefte. H. V.

s

FRANKFURT a. M. ==^^-

In diesen Tagen findet durch die Münzen-
sammlung von Äd. Heß, Nachfolger, Frank-
furt a. M. die Versteigerung der zweiten Ab-
teilung der Sammlung Erbstein statt. Bei
dieser an 2000 Nummern umfassenden Ver-
steigerung handelt es sich in der Hauptsache
um die Medaillen der Kaiser, Könige, Päpste
und geistlichen Fürsten. Über die Bedeutung
ist an dieser Stelle nichts mehr zu sagen. Den
Sammlern wird noch der Erfolg im Gedächtnis
sein, den die Versteigerung des ersten Teils im
Mai 1908 erzielt hat, über deren Resultate wir
in den Monatsheften für Kunstwissenschaft,
Heft 6, ausführlicher berichteten. Der umfang-
reiche und mit Lichtdrucken ausgestattete Ka-
talog, der über die zweite Abteilung Aufschluß
gibt, ist nach topographischen Gesichtspunkten
gearbeitet. Auf die Ergebnisse der Auktion
kommen wir in der nächsten Nummer zurück.

Durch die gleiche Firma gelangt am 1. Februar
und den folgenden Tagen die Münzen- und
Medaillensammlung des verstorbenen General-
direktors Julius Nolte unter den Hammer.
Die Sammlung ist, soweit man nach den etwa
1800 Nummern des ebenfalls mit Lichtdrucken
ausgestatteten Kataloges schließen kann, unter
historischen Gesichtspunkten entstanden, indem
es sich in der Hauptsache um Münzen der
Brandenburgisch-PreußischenKönige undFürsten
handelt. Ein Anhang bringt eine Reihe inter-
essanter Stücke auf berühmte Personen wie
Bismarck, Blücher, Hardenberg, Goethe, Schiller,
Humboldt usw. Auch diese Versteigerung dürfte
weiteres Interesse beanspruchen.

S

MÜNCHEN =- —

Am 16. u. 17. Februar a. c. findet in München
in der Galerie Helbing eine Auktion von
Antiquitäten, Holzskulpturen, Möbeln und Ein-
richtungsgegenständen, Kostümen, sowie Öl-
gemälden moderner Meister aus dem Nachlasse
des verstorbenen Kunstmalers Alfons Spring,
München und aus dem Besitze des Herrn Prof.
Dr. Gg. Scherer, München usw. statt. Be-
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