Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Heft 3

Denkmalpflege

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Die Kirchgemeinde Rapperswil, zu der
St. Dionys gehört, läßt zurzeit im Einverständnis
mit der Schweizerischen Gesellschaft für Erhal-
tung historischer Kunstdenkmäler Vorschläge
zur Erhaltung des Bauwerks und seiner Kunst-
schätze ausarbeiten.

* *

*

St. Gallen. Das ehemalige Gerichts-
gebäude in Burgau. Äm 22. Dezember 1908
beschloß die St. Gallische Vereinigung für Hei-
matschutz, die durch ein Vorkaufsrecht gewähr-
leistete Erhaltung und Wiederherstellung des
ehemaligen Gerichtsgebäudes in Burgau östlich
von Flawil. Das Haus, in dem bis zum Ende
der Herrschaft der Äbte von St. Gallen Recht
gesprochen wurde, ist ein hervorragend schönes
und charakteristisches Denkmal ostschweizerischer
Bauweise. Än die nach der Dorfstraße schauende
Rückseite eines 1632 im Blockbau errichteten
bäuerlichen Wohnhauses wurde 1639 auf mäch-
tigen eichenen Pfosten und Unterzügen das
eigentliche Gerichtshaus angebaut in sorgfältigem,
in der ursprünglichen Bemalung selten gut er-
haltenem Riegelwerk. Die Hälfte der durch die
Wiederherstellung entstehenden Kosten wird
der Bund übernehmen.

Ärbeiten von Friedrich Herlin in
St. Gallen. Zwei im Kunstmuseum zu St. Gallen
aufbewahrte Ältarflügel, eine Geburt Christi
(Nr. 137) und eine Anbetung der heiligen drei
Könige (Nr. 136), sind im jüngsten Hefte des
„Anzeiger für schweizerische Altertumskunde“
(Neue Folge, Bd. X, S. 131) von Elisabeth
G. Bolze einer gut illustrierten Beschreibung
und stilkritischen Beurteilung unterzogen worden.
Die Untersuchungen und vergleichenden Betrach-
tungen veranlassen die Verfasserin beide Ge-
mälde dem schwäbischen Meister Friedrich Herlin
zuzuschreiben. * *

*

Graubünden. Ein spätgotischer Flügelaltar,
aus der, dem XV. Jahrhundert entstammenden
zur Barockzeit erweiterten und durch ihre Wand-
malereien interessanten Pfarrkirche zu Älmens
in Graubünden ist für 21 000 Fr. an das Suer-
mondt-Museum in Aachen verkauft worden.

* *

*

Tessin. Ein historisches Museum in
Bellinzona. Der Verein „Pro Bellinzona“ be-
schloß, von der Regierung des Kantons Tessin
die Einrichtung eines historischen Museums im
Kastell Montebello (Schloß Schwyz) oberhalb
Bellinzona zu verlangen.

Die Restaurationsarbeiten an den
Kirchen San Lorenzo und S. Maria degli
Ängioli in Lugano. Die für die Kunst-

geschichte bedeutungsvolle Kathedrale San Lo-
renzo, eine romanische, im XV. Jahrhundert
umgebaute Kirche, die 1517 (Rahn, Repert. für
Kunstw. III, S. 399 u. f.) von einem unbekannten
Künstler, vielleicht dem Schöpfer des Retabulums
von Vico Morcote, mit der berühmten Marmor-
fassade, einer vereinfachten Wiederholung der
Fassade der Certosa von Pavia, geschmückt
wurde, war im höchsten Grade restaurations-
bedürftig, als man Dank der Initiative des
Bischofs Peri Morosini 1907 mit der Wieder-
herstellung begann. Heute sind die Ärbeiten,
die auf 130000 Fr. veranschlagt, vom Bunde
mit 25000 Fr. subven ioniert werden und unter
der Leitung der Architekten Guidini und
Älaraini stehen, soweit gediehen, daß man
hofft sie bis 1910 beendigen zu können. Die
schwierige Erneuerung des morschen Dach-
stuhles wurde 1908 zu Ende geführt; gegen-
wärtig ist man mit der Innendekoration be-
schäftigt. Die alten spätgotischen Fresko-
gemälde des Langhauses blieben unberührt;
dagegen haben Maler Barzaghi-Cattaneo aus
Lugano die Herstellung der nötigen neuen
Fresken und Maler Rusca aus Mailand die
ornamentale Ausschmückung der Kapellen über-
nommen.

Die ehemalige Franziskaner - Klosterkirche
S. Maria degli Angioli, deren Grundsteinlegung
am 17. Februar 1499 stattfand, birgt bekanntlich
mehrereFreskogemälde von Bernardino Luini,
in der Ostkapelle des Langhauses die spitz-
bogige Lünette mit der „Madonna von Lugano“,
an der Südseite des. Schiffs, das heute in drei
Teile zerlegte „Abendmahl“ und auf der West-
wand über dem Chorbogen das Passionsbild,
das Luini 1529 begann und wofür er 1533 die
Restzahlung erhielt. Die Wiederherstellungs-
arbeiten an dieser Kirche, die von Architekt Za-
nini geleitet wurden, haben ihren Hauptzweck,
die Sicherung der Luinischen Kreuzigung erreicht.
Den gefahrdrohenden Rißbildungen, die einer-
seits durch die vom nahen See herrührende
Feuchtigkeit der Mauern hervorgerufen wurden
und sich anderseits daraus erklären, daß das an
die Südwand der Kirche unmittelbar angebaute
„Hotel du Parc“ mit seinem gewaltigen Drude
die Fassade des alten Baues, um 17 cm südwärts
neigte, konnte erfolgreich entgegen getreten
werden; weitere Risse und Senkungen sind nicht
mehr vorgekommen.

Das Hauptschiff der Kirche besitzt eine typische
Decke mit offenem Sparrenwerk; sobald weitere
Geldmittel zur Verfügung stehen, soll auch
hier die Renovierung des Dachstuhls in An-
griff genommen werden. C. H. B.

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