Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

Page: 137
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1909/0151
License: Free access  - all rights reserved Use / Order

0.5
1 cm
facsimile
Heft 4

Denkmalpflege s Institute und Vereine

137

liehen des Bildes ein. Hier wird betont, daß
der Maler dem Manierismus verfiel, daß er bei
der Änwendung der farbigen Töne den Ge-
schmack seiner Zeit nicht verleugnen kann.
Endlich wird die Frage nach dem Urheber der
Fälschung aufgeworfen, die durch eine Betrach-
tung des Kölner Milieus im Beginn des XIX.
Jahrhunderts in den nächstfolgenden Nummern
der Zeitschrift weiter behandelt werden soll.

Äus dem Äufsatz von Prof. Firmenich-
Ridiarz über den Clarenaltar heben wir ledig-
lich das kunstwissenschaftliche Resultat durch
Zuweisung des Ältars an einen bestimmten
Meister hervor. Nachdem Firmenich-Richarz
in außerordentlich eingehender Weise die auf-
gedeckten Teile des Ältars (die durch beigege-
bene Abbildungen gezeigt werden) beschrieben
hat äußert er sich folgendermaßen: „Für die
kunsthistorische Einordnung und die Benennung
des Clarenaltares ist es von unleugbarem Wert,
daß die an den Außenseiten aufgedeckten
Heiligengestalten mit den Prophetenköpfen aus
dem Hansasaal eine so vollkommene stilistische
Übereinstimmung in allen Einzelheiten verbin-
det, daß sie nur von derselben Hand in an-
nähernder Folge herrühren können.“ Als Meister
beider Werke sieht Firmenich-Richarz den
sog. Meister Wilhelm an, den er zu einer
historischen Person erhebt. Die durchaus glaub-
würdige Begründung dieser Zuweisung durch
stilkritische Gesichtspunkte wird zunächst also
dahin führen, daß die bisherige Annahme, der
Meister des Clarenaltars sei identisch mit dem
Meister der Münchner Veronika, aufgegeben
werden darf. U.

s

ROM -

Der Glockenturm der Dominikanerkirche in
Grottaferrata befindet sich in einem bedroh-
lichen Zustand der Baufälligkeit. Ein Architekt der
staatlichen Denkmälerverwaltung, der vor wenigen
Tagen den Zustand des Turmes untersuchte, hat
die Gefahr des Zusammensturzes als so dringend
erkannt, daß er besondere Vorsichtsmaßregeln
anordnete. Äußer den Fresken des Domenichino
enthalten Kirche und Kloster noch mancherlei
wertvolle Kunstwerke aus verschiedenen Zeiten,
auch byzantinische Fresken des 13. Jahrhunderts,
die erst 1900 wieder ans Licht gekommen sind,
Mosaiken, ein marmornes Taufbecken, ein holz-
geschnitztes Portal und ein kleines Museum von
Kirchengeräten. Alle diese Kulturdenkmäler er-
scheinen durch den drohenden Einsturz des
Campanile mehr oder minder gefährdet, der

selbst als Bauwerk des 12. Jahrhunderts der
sorgfältigen Erhaltung wert ist. Man hofft da-
her zuversichtlich, daß endlich, nachdem die Un-
sicherheit des Turmes seit Jahren bekannt ge-
wesen, das italienische Unterrichtsministerium
die zur Rettung erforderlichen Arbeiten unver-
züglich vornehmen lassen wird.

Offiziellen Nachrichten zufolge hat bei der
jüngsten Erdbebenkatastrophe das Museum
von Reggio Calabria verhältnismäßig nicht
viel gelitten. Von den zehn Sälen des Museums
ist nur der fünfte mit den alten Stadtansichten
und den Bildnissen der verstorbenen Museums-
direktoren und der sechste mit den Terrakotten
aus Unteritalien ernstlich beschädigt worden.

L. P.

INSTITUTE und VEREINE

DRESDEN

Königl. Sächsischer Altertums-
verein. Der Berliner Jahrhundertausstellung
1906 war es Vorbehalten, einen sächsischen
Maler des XIX. Jahrhunderts, den Porträtmaler
Ferdinand v. Rayski sozusagen neu zu ent-
decken. Auch dem XVIII. Jahrhundert gehört
eine ganze Anzahl sächsischer Maler und Bild-
hauer an, die selbst innerhalb der Kunst-
wissenschaft so gut wie vergessen sind. Es
war eine verdienstvolle Aufgabe, die sich der
in Dresden lebende Landrichter Dr. Stübel
stellte, als er in der Sitzung des Königl. Sächsi-
schen Ältertumsvereins vom 1. Februar die Er-
innerung an den Dresdner Hof- und Prospekten-
maler Alexander Thiele (1682—1752) zu
beleben suchte. Muß dieser Künstler auch nicht,
wie Rayski, für Kunst und Kultur gewisser-
maßen neu entdeckt werden, so ist doch die
Erinnerung an ihn und die Beschäftigung mit
seinem Wirken im Laufe der Zeit so stark ver-
blaßt, daß eine Auffrischung der Kenntnisse
über ihn der Kunstwissenschaft recht nützlich
ist. Thiele wurde am 26. März 1682 zu Erfurt
geboren; den wichtigsten Einfluß auf ihn als
Künstler übte der Regensburger Landschafts-
maler Ägricola. Nach Dresden kam er um das
Jahr 1715, zunächst noch als Schüler, und zwar
des Hofmalers Adam de Manyoki, der ihn, der
bis dahin nur als Zeichner und Gouachemaler
loading ...