Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

Page: 174
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1909/0188
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
174

Der Cicerone

Heft 5

folgenden Vorschlag zu machen, der vielleicht
geeignet ist, in diesem oder jenem Falle den
vorgebrachten MiBständen abzuhelfen:

Es mögen in den Monatsheften für Kunst-
wissenschaft periodisch möglichst viele Namen
und Adressen aller derjenigen Photographen
Deutschlands veröffentlicht werden, die für
Kunsthistoriker brauchbare Photographien ver-
kaufen oder derartige Aufnahmen zu machen
imstande sind. Bei jedem einzelnen Namen
wäre zu vermerken, ob der betreffende Photo-
graph schon solche Aufnahmen gemacht und
ob er einen Katalog von ihnen zusammen-
gestellt hat. Interessieren dürfte auch die An-
gabe, ob er etwa schon bei der Inventarisation
der Kunstwerke seiner Stadt (Provinz) tätig ge-
wesen ist. Es wäre zu empfehlen, die Zu-
sammstellung der Namen dieser Firmen nicht
durch Inserate, sondern im redaktionellen Teile
zu veröffentlichen und wohl auch kurze Be-
merkungen über Qualität und Preise der schon
gelieferten Photographien, beizufügen. Eine
mehrmalige Aufforderung der Redaktion vor-
liegender Zeitschrift (in dieser oder einer anderen
geeigneten Zeitschrift oder Zeitung) an die
deutschen Photographen ihre Firma nebst den
oben berührten Zusätzen anzumelden, dürfte
wohl genügen, eine stattliche Liste zusammen-
stellen zu können.

II.

Kürzer kann ich mich bei meinem zweiten,
mir aber kaum weniger erheblich scheinenden
Vorschlag fassen. Er soll dem Forscher, der
eine kunsthistorische Reise vorhat, helfen sein
Reiseprogramm erfolgreich durchzuführen und
soll ihn vor Enttäuschungen und unliebsamen
Überraschungen bewahren. Ich muß hier einige
solche Mißstände aufzählen, die trotz genau-
esten Studiums der Reisehandbücher nicht vor-
hergesehen werden können. Die dem Publikum
freistehende Besichtigung der Kunstwerke (Samm-
lungen usw.), derentwegen kunsthistorische Rei-
sen unternommen werden, ist nämlich keines-
wegs immer gewährleistet, sondern ist vielen,
nirgends genügend bekannt gemachten
Änderungen unterworfen. Museen, Biblio-
theken, Kirchen, Schlösser, Privatsammlungen usw.
werden oft zur Hauptreisezeit aus mannigfach-
sten Gründen geschlossen, ohne daß dies vorher
auch nur in der lokalen Presse angekündigt
worden wäre. Da werden lang andauernde
Reparaturen und Umbauten unternommen, die
Sammlungen werden umgeordnet oder in einen
Neubau überführt. Einzelne Bilder oder Skulp-
turen, wegen deren gerade eine Reise unter-
nommen wurde, werden repariert oder sind
nach Ausstellungen verschickt. Da sind Kirchen

oder Schlösser jahrelang geschlossen, Samm-
lungen die früher zugänglich waren, sind jetzt
unzugänglich oder gänzlich aufgelöst. Da ist
irgend ein einzelnes Kunstwerk (z. B. Altarbild),
das früher in einer abgelegenen, schwer erreich-
baren Dorfkirche aufgesteilt war und in der
Litteratur als noch dort befindlich angeführt
wird, das aber längst in das Museum einer
Residenz gewandert oder gar ins Ausland ver-
kauft ist. Da ist endlich ein übereifriger Mu-
seumsdirektor, der die Mitwelt in jedem Halb-
jahr mit einer neuen Besuchsordnung beglückt,
welche den Reisenden zwingt, noch einen Tag
länger in dem betreffenden Ort zu bleiben, um
das Museum besichtigen zu können.

Diese und ungezählte ähnliche Übelstände,
diese unvorherzusehenden Beschränkungen der
Öffentlichkeit der Kunstwerke vereiteln oft die
auf das sorgfältigste präparierte kunsthistorische
Exkursion. Mein anderer Vorschlag geht also
dahin: es mögen in unserer Zeitschrift öfter,
als es bisher geschehen ist, diese vorstehend
berührten Beschränkungen oder Veränderungen
der öffentlichen Sichtbarkart von Kunstwerken
in Deutschland bekannt gemacht werden. Bei
der Mannigfaltigkeit der Materie läßt sich ein
bestimmter Plan nicht aufstellen, ich glaube aber,
daß, wenn auch nur wenige aus einer solchen
Nachricht Nutzen ziehen sollten, meine in dieser
Beziehung gegebenen Anregungen nicht vergeb-
lich gewesen sein dürften. p>r p Kutter.

VERMISCHTES

München. Die unter der Aufsicht von Pro-
fessor A. Jank ausgeführten Entwürfe für die
Ausschmückung des bayerischen Ärmeemuseums
wurden kürzlich von dem Prinzregenten von
Bayern einer genauen Besichtigung unterzogen.
Der Regent sprach Jank nicht nur seine vollste
Anerkennung aus, sondern überreichte demsel-
ben persönlich den St. Michaelsorden III. Klasse.
Die Verleihung dieser hohen Ordensauszeich-
nung an den noch in jungen Jahren stehenden
Künstler erregt hier allgemein freudiges Auf-
sehen, das besonders in den Kreisen sich gel-
tend macht, welche die eigenartige Behandlung
Janks im deutschen Reichstage (wobei gerade
ein bayrischer Abgeordneter eine wenig rühm-
liche Rolle spielte) als eine Mißachtung künst-
lerischer Selbständigkeit empfinden. Die Initia-
tive des Prinzregenten wird auch außerhalb
Bayerns allgemein zustimmende Anerkennung
finden.
loading ...