Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Der Cicerone

Heft 6

schiedenen Zeiten stammen, die ältesten aus
der Wende des XIV. Jahrhunderts (vor 1317),
die jüngsten aus der Zeit um 1450.

Eine Arbeit von ganz besonderem Reiz ist
die baugeschichtliche Skizze von Baumeister
Salomon Schiatter in St. Gallen „Unsere
Heimstätten wie sie waren und wurden“, die
der historische Verein des Kantons St. Gallen
als Neujahrsblatt 1909 herausgegeben hat. Mit
vier Farbendrucktafeln und 29 Textillustrationen
nach Originalzeichnungen des Verfassers aus-

gestaltet, erscheint das Buch, eine umfassende
Schilderung des St. Gallischen, des Appenzeller
und Thurgauer Hauses, als wichtige Vorberei-
tung für eine abschließende Darstellung des
Schweizerischen Hauses, vorbildlich für ähnliche
Untersuchungen. Das liebevolle Verständnis
für heimische Art, das den Verfasser ganz
besonders zu seiner Arbeit befähigte, hat der
Abhandlung eine anmutige Frische gegeben,
die sie auch weiteren Kreisen empfiehlt.

RUNDSCHAU

SAMMLUNGEN

EINE NEUERWERBUNG
DES BERLINER KUNST-
GEWERBEMUSEUMS

Zu dem umbrischen Sakramentsschrein, den
wir im vorigen Hefte als neuen Ankauf des
Kunstgewerbemuseums verzeichnen durften, be-
merken wir an Hand der nebenstehenden Ab-
bildung, daß der farbige Eindruck folgendermaßen
zu denken ist: Das Ganze vergoldet bis auf die
Fleischteile der Figuren, nur die Hintergründe
der Nischen blau gedeckt, ebenso der Grund
der beiden Schmalseiten, gegen den sich wieder
in Gold die Leidenswerkzeuge und die Symbole
der Auferstehung abheben. Der Gedanke an
die Instrumente der Passion bildet auch die
Grundlage der Ornamentik, die die Basen der
Pilaster und deren Intervalle bedeckt.

Durch die perspektivische Vertiefung der
Mitte wird das Auge auf diese hingeführt, —
ein florentinisches Motiv, dem die leuchtertragen-
den Engel vor den Nischen sekundieren.

Die ganze Anordnung hat weder in den be-
kannten Ziboriengehäusen in S. Domenico zu
Siena oder in Volterra und S. Gimignano noch
in dem Typus des in die Wand eingelassenen
Tabernakels ein Vorbild. Am nächsten steht
dem (aus Perugia stammenden) Sakraments-
schrein ein Marmortabernakel der Kirche S.
Maria in Monte Luce; überhaupt scheint es, daß
Hostienschränkchen aus Holz besonders in Um-
brien üblich waren.

Eine andere Erwerbung des Kunstgewerbe-
museums ist ein Silberpokal nach Entwür-

fen Schinkels, den Hermann Schmitz am
gleichen Orte wie v. Falke den Sakraments-
schrein (Amtl. Berichte Heft 6) bespricht. Eigen-
tümlich berührt an dieser Arbeit die Verbindung
der kirchlichen Kelchform mit dem antikisieren-
den Bacchantentanz.

Im Kaiser Friedrich - Museum hat als
Leihgabe von Mr. G. F. Williams in Norristown
(U. S. A.) ein großer persischer Knüpfteppich
vorübergehende Aufstellung gefunden, der nach
Fr. Sarre ins XVI. Jahrhundert zu versetzen
ist und der Safidenzeit angehört.

Das Alte Museum erwarb einen vorzüg-
lichen Marmorkopf von ausgeprägt nordischem
Typus aus dem 3. Jahrh. n. Chr., der wegen der
Übereinstimmung mit Münzen des Maximinus
(235—238) nach Winnefeld für ein Porträt
dieses Kaisers gelten darf.

Ein zweites Bildnis Maximins besitzen wir
in einem Bronzekopf des Münchener Antiqua-
riums. H, V.

8

DIE SAMMLUNG MOSLE

Ausstellung japanischer Kunstwerke im Kö-
nig/. Kunstgewerbemuseum zu Berlin. Nach
der etwas wahllos zusammengerafften Samm-
lung chinesischer Gemälde, die Frau Wegener
vor einigen Wochen hier in den Räumen der
Akademie zur Ausstellung brachte, zeigt jetzt
Herr Mosle im Kunstgewerbemuseum eine mit
großer Vorsicht und Sorgfalt zusammenge-
stellte Sammlung japanischer Kunstwerke, die
während eines mehr als zwanzigjährigen Auf-
enthaltes im Lande selbst entstanden ist. Die
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