Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Personalien

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ebenso in dem asketischen, greisenhaften Aus-
druck seiner Köpfe, zumal der Greise, endlich
in dem Hange zur Mystik.

Herr Roosval aus Upsala machte als Gast
einige vorläufige Mitteilungen über einen zu
rekonstruierenden „allerersten“ Etat von Rem-
brandts Radierung „Tod Mariae“. Der Vor-
tragende hat die Absicht seinen Versuch dem-
nächst in ausführlicher Form zu publizieren.

H. V.

PERSONALIEN

BERLIN

Dem wissenschaftlichen Hilfsarbeiter Dr. Otto
Sdiulze-Kolbitz ist die kommissarische Ver-
waltung der zweiten Direktorialassistentenstelle
bei der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbe-
museums vom 1. Januar d. J. ab übertragen
worden. H. V.

Dr. Ernst Heidrich hat sich an der Uni-
versität Berlin habilitiert. Er wird seine Lehr-
tätigkeit im Sommer-Semester mit Vorlesungen
über Niederländische Malerei im XV. und
XVI. Jahrhundert beginnen.

s

FREIBURG (BADEN) ========-

Erfreulicherweise ist es den Bemühungen der
Fakultät und der Regierung gelungen, Professor
Vöge, der schon einen weiteren Ruf nach Basel
angenommen hatte, zum Bleiben in Freiburg zu
bestimmen.

S

MÜNCHEN — -

Dr. phil. Hugo Kehrer aus Heidelberg hat
sich für das Fach der Kunstgeschichte an der
Universität München mit einer Probevorlesung
über „Rubens Aufenthalt in Italien“ habilitiert.
Seine Habilitationsschrift ist betitelt „Die heiligen
drei Könige in Literatur und Kunst“. W. W.

3

ROM —

August Mau f. Das Deutsche archäologische
Institut hat knapp vor der 80. Wiederkehr sei-
nes Gründungstages einen schweren Verlust er-

litten: am 6. März ist August Mau nach kurzem
Krankenlager im 69. Lebensjahre verschieden.
Ein stilles, aber an bleibenden wissenschaftlichen
Resultaten reiches Leben hat dadurch seinen Ab-
schluß gefunden. Mau wurde am 15. Oktober
1840 in Kiel geboren, studierte 1859 bis 1863
in Kiel und Bonn, promovierte, hauptsächlich
durch O. Ribbeck angeregt, in klassischer Philo-
logie in Kiel und wurde 1863 Gymnasiallehrer
in Glückstadt. Eine schwere Äffektion der Lun-
gen nötigte ihn, diese Stellung aufzugeben und
nach dem Süden zu gehen. 1872 traf er, von
den Ärzten fast aufgegeben, in Rom ein, atta-
chierte sich bald dem Archäologischen Institute
und wurde 1873 als Assistent des Instituts nach
Unteritalien gesandt, wo er mit Feuereifer dem
Studium Pompejis sich widmete. Auf diesem
Gebiete wurde er bald die erste unbestrittene
Autorität der Welt. Im Bulletino dell’ Istituto
von 1873 hat er seine erste pompejanische
Arbeit publiziert, der er dann 1879 „Pompe-
janische Beiträge“, 1882 die „Geschichte der de-
korativen Wandmalerei“, die von ihm besorgte
und umgearbeitete 4. Auflage von Overbecks
„Pompeji“ und 1891 (zusammen mit Julius Lessing)
das Buch „Wand- und Deckenschmuck eines rö-
mischen Hauses aus der Zeit des Äugustus“
folgen ließ. Was er in diesen Werken über die
zeitliche Folge der vier Stile festsetzte, gehört
zu den sicher bleibenden Ergebnissen archäo-
logischer Forsdiung, die ihren vollen Wert auch
für das hellinistische Griechenland und die Inseln
behalten. Die Summe seiner Studien zog er in
dem trefflichen handlichen Führer durch Pompeji,
der 1903 in 4. Auflage erschienen ist, und in
dem größeren, zuerst englisch, dann deutsch er-
schienenen zusammenfassenden Werke „Pompeji
in Leben und Kunst“.

Am 9. März fand die Totenfeier im schwarz
verhängten Bibliotheksaale des archäologischen
Institutes statt. Der Sarg war aufgebahrt zwi-
schen den Büsten von Brunn und Henzen. Nach
der Einsegnung ergriff Professor Studniczka,
der provisorische Leiter des Institutes, das Wort
zur Leichenrede. Er würdigte in vortrefflicher
Weise den Verblichenen als Gelehrten und Men-
schen, indem er hervorhob, was Mau der Wissen-
schaft und speziell Pompeji gewesen ist, was
er dem Institute war, wie sein Hinscheiden eine
nicht auszufüllende Lücke hinterläßt und welch
edler, vornehmer, bescheidener Charakter Mau
gewesen ist. Studniczka legte dann im Namen
des römischen Institutes dem schlichten Manne
einen schlichten Kranz aus Lorbeer auf den
Sarg. Das Auditorium war von der einfachen,
doch ungemein würdevollen Feier sichtlich er-
griffen. L. P.
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