Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Der Cicerone

Heft 8

ungewöhnlichen Gegenstand darstellende Stiche: der eine1), vom Boccaccio-Stecher, ist
bereits von Lehrs als Kopie nach jenem Originale des Hausbuchmeisters erwiesen; der
andere2) — von einem tüchtigen anonymen niederländischen Stecher, von dessen Hand
keine zweite Arbeit bekannt — weist ebenfalls gewisse, wenn auch allgemeinere Über-
einstimmungen mit jenen beiden auf, so daß ein Zusammenhang unabweislich erscheint.
Einen zwingenden Grund, diesem letzteren, wie Lehrs es tut, die Priorität vor dem

Meister des Hausbuches

Stiche des Hausbuchmeisters zuzu-
sprechen, sehe ich nicht, sondern
bin der Ansicht, daß dieser anonyme
Meister, dessen künstlerische Be-
deutung ich unmöglich höher an-
schlagen kann, wie die des Haus-
buchmeisters, die allgemeinen in
der Aufgabe bedingten Überein-
stimmungen ebensogut von jenem
übernommen haben kann, wie um-
gekehrt. Doch sei dem, wie ihm wolle. Um das Vorhandensein dieser drei Repliken zu
erklären, gibt es nach Lehrs zwei Möglichkeiten. Entweder habe Mansion für die Illustration
seiner Boccaccio-Ausgabe eine Konkurrenz ausgeschrieben, deren Ergebnisse die drei
Fassungen darstellen; Mansion habe den schwächsten, aber vielleicht billigsten der drei
Konkurrenten, den Boccaccio-Stecher, mit der Anfertigung der weiteren acht Illustrationen
zum Prolog und den übrigen Büchern des Werkes beauftragt. Dieser habe dann (?)
für die Illustration des ersten Buches die Konkurrenzarbeit des Hausbuchmeisters einfach
kopiert. Oder aber es habe eine ältere Boccaccio-Ausgabe mit Illustrationen des

Rogier van der Weyden (?)

’) P. II, 275, 4.
2) B. X, 37, 72.
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