Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Der Cicerone

Heft 12

teilung der indischen Sammlung, die nach ihren
Bestandteilen unter die einzelnen Rubriken
Holzwaren, Lederwaren usw. mitWerken anderer
Länder einrangiert werden soll, hat sich eine
starke Agitation erhoben, wie ja z. B. Mr. Claude
Philipps seinerzeit eine laute Warnung gegen
diese Ärt der Aufstellung der reichen Schätze
des Museums im „Daly Telegraph“ veröffent-
licht hat. Das neue riesenhafte, etwas protzige
und kasernenhaft anmutende Gebäude ist
aber von vornherein schon für eine solche,
sagen wir, „matter of fact aufstellung“ geplant
und gebaut worden. So wird wohl aller Pro-
test nichts helfen. F.

S

PARIS -..—

Der kürzlich verstorbene Sammler Piet-
Lataudrie hat verschiedenen staatlichen Samm-
lungen in seinem Testamente bedeutende Zu-
wendungen gemacht. Das Louvre wird sieben
von dem Erblasser bezeichnete Kunstgegen-
stände erhalten und hat überdies das Recht, aus
den Sammlungen, die der Verstorbene zusam-
mengebracht hatte, 20 der besten Stücke aus-
zuwählen, die den Serien der kirchlichen Gold-
schmiedekunst, der italienischen Keramik, der
Holzskulptur, der Renaissance und der orienta-
lischen Kunstgegenstände zu entnehmen sind.
Das Medaillenkabinett der Nationalbibliothek
darf sich die zehn schönsten antiken Bronzen
oder Tanagrastatuetten auswählen; dem Cluny-
museum werden die 20 hervorragendsten Bronze-
plaketten der Renaissance zukommen; nach dem
keramischen Musenm von Sevres gehen zehn
Stücke orientalischer oder italienischer kerami-
scher Arbeiten. Das Museum der dekorativen
Künste wird um zehn der wertvollsten italieni-
schen oder limusinischen Emailplatten bereichert
werden. In das Museum von Niort, der Heimats-
stadt des Verstorbenen, werden eine große
Reihe von kunstgewerblichen Arbeiten aus
Metall gelangen. Es besteht die Absicht, diese
verschiedenen wertvollem Vermächtnisse zu-
nächst in einem der beschenkten Museen zur
Aufstellung zu bringen, um so einen Überblick
über das Ensemble zu ermöglichen, ehe diese
wertvollen Kunstschätze an ihre verschiedenen
Bestimmungsorte zerstreut werden.

* *

*

Im Schlosse zu Versailles wird eine Aus-
stellung von 31 Teppichen aus der Savonnerie
und einer Serie von Gobelins veranstaltet werden,
die den Beständen des Garde-Meuble entnom-
men worden sind. Die Serie der Gobelins
umfaßt 10 Stücke: „Die Loggien des Vatikan“.

Sie wurde nach Kopien der Schüler der Äca-
demie de France in Rom nach den Originalen
Raffaels ausgeführt.

* *

*

Im Musee des Ärts Decoratifs wurde eine
umfangreiche Ausstellung zur Geschichte des
Kostümes eröffnet, die von der kürzlich be-
gründeten Gesellschaft für Kostümgeschichte
organisiert wurde. R. M.-R.

S

ROM

ln einer der letzten Sitzungen der italieni-
schen Kammer hat der Unterstaatssekretär für
Unterricht auf eine Interpellation hin erklärt,
daß die Sammlung der Papyri von Herculaneum
aus dem Museum von Neapel in die dortige
Bibliothek übertragen werden wird. L. P.

S

STUTTGART -

Das Kgl. Landesgewerbemuseum in
Stuttgart veranstaltet im September d. J. eine
größere Ausstellung „Dreierlei Rokoko“. Es
werden bei diesem Anlässe besonders charakte-
ristische kunstgewerbliche Objekte aus der ur-
sprünglichen Rokokozeit von ca. 1750—70, ferner
aus der ersten naiven Rekapitulation ungefährer
Rokokomotive kurz vor der Mitte des XIX. Jahr-
hunderts und schließlich aus der sozusagen
wissenschaftlich vertieften zweiten Rekapitulation
der achtziger Jahre des XIX. Jahrhunderts aus-
gestellt und miteinander verglichen werden, da-
mit in immer weiteren Kreisen des Publikums
die Überzeugung zum Durchbruch gelange, daß
ein historisch gewordener Stil sich weder auf
die eine noch die andere Weise galvanisch
wiederbeleben lasse. — Besonders charakteristi-
sche, und in ihrer Formengebung lehrreiche
Objekte aus Privatbesitz sind dem Museum
willkommen und mögen bis spätestens 15. August
nach Stuttgart eingesandt werden. Eine vor-
herige Anfrage ist jedoch, um überflüssige
Wiederholungen zu vermeiden, empfehlenswert.

AUSSTELLUNGEN

BÄRMEN

Der Barmer Kunstverein hat im Jahre 1908
zur Feier des hundertjährigen Bestehens der
Stadt Barmen eine große Ausstellung alt-
bergischer Innenkunst und moderner Kunstwerke
aus Barmer Privatbesitz veranstaltet. Auch
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