Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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RUNDSCHAU

SAMMLUNGEN

NEUBÄU DES KUNSTMUSEUMS IN
BÄSEL

Mit Ermächtigung des Regierungsrats eröff-
net die Museumsbau-Kommission unter schwei-
zerischen und in der Schweiz niedergelassenen
Architekten einen Wettbewerb zur Erlangung
von Plänen für den Neubau eines Kunstmuseums
auf der Elisabethenschanze in Basel, sowie für
die Ausgestaltung der Umgebung des Bauplatzes,
die zum Teil als ein zur Aufstellung von Skulp-
turen geeigneter Garten ausgebildet werden
soll. Als Einlieferungstermin für die Wett-
bewerbsarbeiten ist der 15. Januar 1910 fest-
gesetzt. Im Preisgericht, dem 15000 Fr. zur
Verteilung an die fünf bis sechs besten Ent-
würfe zur Verfügung stehen, sitzen neben dem
schweizerischen Architekten B. S. Ä. Emil Faesch
von Basel und Nicolaus Hartmann von St.
Moritz die deutschen Architekten Professor
Dr. Theodor Fischer aus München, Geh. Baurat
Dr. Ludwig Hoffmann aus Berlin und Professor
Friedrich von Thiersch aus München; außerdem
die Herren J. Sarasin-Schlumberger aus Basel
als Präsident, Professor Dr. Alfred Lichtwark
aus Hamburg, Dr. Hermann Blocher und Pro-
fessor Dr. Paul Ganz aus Basel.

Das Bauprogramm verlangt neben den Ver-
waltungsräumen und Ausstellungssälen, Räum-
lichkeiten für das kunsthistorische Seminar,
einen Vortragssaal für 100 Personen und einen
großen Hörsaal für 600 bis 800 Personen, wo-
möglich mit hohem Seltenlicht, der so der Ge-
samtanlage des Museums einzugliedern ist, daß
er unter Umständen auch erst später gebaut
werden kann. Das Museum, das als Nutzbau
nicht als Prunkbau gedacht ist, und dessen
Baukosten 1250000 Fr. nicht übersteigen dürfen,
soll den weitestgehenden Anforderungen der
zweckmäßigen Aufbewahrung, Aufstellung und
Benützung der Kunstwerke dienen. Insbeson-
dere ist für beste Lichtzufuhr und möglichst
große benützbare Wandflächen zu sorgen. Die
Ausstellungsräume müssen derart angelegt wer-
den, daß der Betrachter der aufgestellten Kunst-
werke vom durchpassierenden Publikum mög-
lichst wenig gestört wird; auch wird verlangt,
daß zur Vermeidung von Durchzug bei Feuer-
ausbruch die Möglichkeit vorhanden sei, die

einzelnen Räume oder Raumgruppen gegen ein-
ander abzuschließen. Der Museumsbau, dessen
Entwickelungsmöglichkeiten zu studieren und
im Lageplan anzugeben sind, soll nach allen
Seiten ruhig und monumental wirken und sich
dem Stadtbild harmonisch einfügen. C. H. B.

S

ÄMSTERDÄM-

Dem städtischen Museum wurde — wie
es sich jetzt herausstellt bereits vor einigen
Monaten — von JanToorop ein Bild zum Ge-
schenk angeboten, das den früheren General-
konsul des Oranje-Freistaates Dr. Hendrik Müller
darstellt. Dies Porträt hatte die Museums-
kommission dankend abgelehnt. Konnte wirklich,
so fragte man, ein Museum und dazu noch ein
holländisches ein Bild von einem der bedeutend-
sten modernen Maler seines Landes, das vom
Künstler selbst ihm als Geschenk überreicht wird,
nicht annehmen? Hierüber wunderte man sich be-
sonders noch deshalb, weil man es als eine Lücke
in dieser Sammlung empfand, daß gerade von
zwei so starken Künstlerpersönlichkeiten, wie
Vincent van Gogh und Jan Toorop, Werke fehlten.
Mag man sich auch persönlich zu ihrer Kunst
stellen wie man will, hier müssen sie vertreten
sein, da sich das städtische Museum die Aufgabe
gestellt hat, einen Überblick über die zeitgenössi-
sche Kunst zu geben. Jetzt sollte auf so schöne
und für das Museum so ehrenvolle Weise diese
Lücke wenigstens teilweise ausgefüllt werden.
Und da wurde das Bild zurückgewiesen. Worin
der eigentliche Grund für diese Ablehnung zu
suchen ist, weiß man nicht, aber doch wurden
einige Gründe genannt. Die Kommission, sagte
man, hätte das Porträt nicht für charakte-
ristisch genug für die Kunst Toorops gehalten.
Nun, wenn ein Künstler einem Museum seines
Vaterlandes ein Werk seiner Hand zum Geschenk
macht, so kann man ohne weiteres derüberzeu-
gung sein, daß wenigstens der Künstler selbst sein
Werk für charakteristisch erachtet, und die Ver-
waltung hätte, auch wenn sie nicht derselben
Ansicht war, das Geschenk ruhig annehmen
können. Weiter wurde Platzmangel angeführt,
d. h. überall, wo man das Bild aufhängen würde,
würden die danebenhängenden darunter leiden.
Der anfänglich auch noch vorgebrachte ganz
nichtige Grund, daß auch der Dargestellte das
Porträt nicht für gut befunden und es deshalb
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