Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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bewegen, seine Schätze der Forschung zugänglich zu machen und haben auf diese
Weise der kunsthistorischen Arbeit ein neues Gebiet und neue Wege erschlossen.

Allein trotz dieser Erfolge, an denen das deutsche Sammlertum den wesent-
lichsten Anteil hat, stehen wir heute erst an dem Ausgangspunkte unseres eigentlichen
Marsches. Was uns — dem Herausgeber und dem Redakteur dieser Zeitschrift — vor-
schwebt, konnte der erste Jahrgang noch nicht verwirklichen. Vielleicht, daß wir im
zweiten einen weiteren Schritt vorwärts machen. Aber die Vollendung zu bringen,
werden sicherlich erst spätere Jahrgänge berufen sein.

Ein Stillstand auf unserer eben begonnenen Bahn wäre gleichbedeutend mit
Vernichtung. Nach vielen Richtungen hin ist eine Entwicklung dieser Zeitschrift
möglich und zwar ebenso auf dem Gebiete der Wissenschaft wie auf dem des
Sammelwesens und Kunsthandels. Ob wir unser Ziel erreichen können, wie wir zu-
versichtlich hoffen, hängt in erster Linie von der Mitarbeit der Fachgenossen und der
Sympathie der Sammler und Kunsthändler ab. — Dennoch wird schon der neue Jahr-
gang manche Vervollkommnung bringen. Vor allem werden wir bemüht sein, den
Inhalt des Cicerone zu einem ausgezeichneten Studienmaterial auszubauen, und zwar
unter Beigabe von Tafeln mit Reproduktionen nach wertvollen und interessanten Stücken
alter Kunst (aus Privatsammlungen und dem Besitz des Kunsthandels), die damit dem
eisernen Bestand unserer Forschung eingegliedert werden. Außerdem soll der Cicerone,
der eine neue technisch-typographische Aufmachung erfährt, viel mehr der schnellen
Orientierung auch in der Illustrierung dienen als bisher und in steigendem Maße sein
Augenmerk dem alten Kunstgewerbe zuwenden, für das er ein deutsches Zentralorgan
sein will.

Endlich wird der Cicerone bemüht sein, die Interessen des Kunstmarktes ganz
anders in der Öffentlichkeit zu propagieren als es bisher geschehen konnte. Erst wenn
die Zeitschrift auch den weitesten für Kunst interessierten Kreisen allgemein zugänglich
ist und ebenso wie in Berlin, Wien und München, auch in Paris, London und New-
York Beachtung findet, wird der deutsche Kunsthandel im Rahmen des internationalen
Marktes jene Bedeutung erlangen, die er längst besitzen könnte und sollte.

Dies zu erreichen, hat die Expedition bereits weitverzweigte propagandistische
Möglichkeiten vorgesehen.

Inwieweit sich unsere Hoffnungen erfüllen werden, kann erst die Zukunft lehren.
Die Grundbedingung aber für die Verwirklichung unserer Absichten bleibt auch fernerhin
das Interesse unserer Freunde an dem Ausbau und der Propaganda unserer Zeitschrift.
Gelingt es uns, dieses in immer wachsendem Maße zu erobern, so wird der Cicerone
über kurz oder lang das aktuellste und meist begehrte Organ sein, das auf seinem
fest umschriebenen Gebiete keine Konkurrenz kennen wird.

Dr. GEORG BIERMÄNN
Dr. HERMANN VOSS

Herausgeber und Redakteur des Cicerone.
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