Heidelberger Volksblatt — 4.1871

Page: 80
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdvb1871/0084
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
80

Die Nagglmaiern.

Rechte die auf dem linken Rheinufer gelegenen Län-
der von der Schweiz an bis nach Holland an Frank-
reich, alſo, daß der Thalweg die Grenzſcheide macht.
Das rechte Rheinufer mit den Plätzen Düſſeldorf,
Ehrenbreitenſtein, Kaſſel, Philippsburg, Kehl, Altbrei-
ſach werden zurückgegeben, dieſe müſſen aber bleiben,
wie ſie ſind.
7. Art. Die deutſchen Erbfürſten, welche auf dem
linken Rheinufer ihre Beſitzungen ganz oder zum Theil
verlieren, ſollen in Deutſchland ſelbſt entſchädigt wer-
den, worüber die Beſtimmnngen nach den Grundſätzen
des Raſtadter Kongreſſes noch gemacht werden ſollen.
8. Art. Diejenigen, denen Länder durch Tauſch
oder Abtretung zufallen, übernehmen auch die drauf
verſicherten Schulden, welche von Anlehen herrühren,
die von den Landſtänden bewilligt ſind, oder von Aus-
gaben für die Verwaltung dieſer Länder herkommen.
9. 10. Art. Der in den abgetretenen, eroberten
und vertauſchten Ländern auf die Güter und Einkünfte
der Privatleute wegen des Krieges gelegte Beſchlag
wird gleich nach Auswechſelung der Ratiſikationen bei-
derſeits aufgehoben.
11. Art. Die bataviſche, helvetiſche, cisalpiniſche
und liguriſche Republiken werden eingeſchloſſen und
ihre Unabhängigkeit ſeſtgeſetzt.
12. Art. Der Kaiſer thut beſonders Verzicht für
ſich und ſeine Nachfolger auf die Länder der cisalpi-
niſchen Republik.
13. Art. Er bewilligt in ſeinem und des Reiches
Namen die Vereinigung der italieniſchen Reichslehen
mit der liguriſchen Republik.
14. Art. Die Schifffahrt auf der Etſch iſt frei;
kein Zoll und bewaffnetes Fahrzeug ſoll darauf gehal-
ten werden.
15. Art. Die Kriegsgefangenen und Geiſel ſollen
in 40 Tagen von Unterzeichnung des Traktats auf
freien Fuß geſtellt werden.
16. Art. Betrifft die Güter der Erzherzoge Karl
und Ferdinand in den abgetretenen Ländern, die ſie
in 3 Jahren verkaufen ſollen.
17. Art. Der 12., 13., 15., 16., 17., 23. Art.
des Friedenstraktats von Campo-Formia werden als
wörtlich eingerückt angeſehen.
18. Art. Die Kontributionen, Lieferungen und
alle Kriegskoſten hören von dem Tage der Auswechs-
lung der Ratifikationen auf.
19. Art. Die Ratifikation ſoll geſchehen innerhalb
30 Tagen oder früher. Die Auswechſelung ſoll zu Lune-
ville geſchehen. Bis dahin bleiben beide Armeen in ih-
ren Stellungen. Zehn Tage nach der Answechſelung
ſollen die kaiſerlichen Erblande und 30 Tage nach der
Auswechſelung ſoll das ganze Reichsland von den Fran-
zoſen geräumt ſein.
Soodele, Leitcher. So hott ma Anno 180 1 Friede
mit de Franzoſe g'ſchloſſe. Wie ma Anno 1871 mit'n
Friede ſchließe, werr ich eich nit zu verzähle brauche.
Vergleicht eich die zwee Friedensabſchliß mitnanner
un macht eich e Bild davun. So ännere ſich die Zeite.
Heit mir, morge dir!

Heit haw ich
e kurios Ka-
pittl im Ped-
do, Leitcher!
Jch hab die
Woch unner
meiner Groß-
mutter ſeelig
ihre Babiere
g'ſucht, un e
alti Zeitung
vun1801
g'funne, aus
der ich nit
umhin kann,
Folgendes zum
Beſchte zu ge-
we, weils ſo
ſcheen zumme
Vergleich mit
unſerm gege-
wärtige Frie-
densabſchluß
baßt. Deß
Artiklche laut
wie folgt:
"Kurzgefaßte
Nachrichten. Der lang und ſehnlich erwartete Frieden
iſt ausgefallen, wie er zu vermuthen war. Er wurde
zwiſchen den beiden Bevollmächtigten in des Kaiſers
und des dentſchen Reichs Namen, dann im Namen der
franz. Republik am 9. Februar zu Luneville abgeſchloſ-
ſen, und am 13. zu Pars bekannt gemacht. Der Frie-
denstraktat von Campo-Formia liegt zum Grunde.
Der 1. Art. ſagt wechſelſeitige Freundſchaft, Ver-
hütung aller Zwietracht und alles Schadens zu. Der
Kaiſer verbindet ſich, die Ratifikatiou des Reichs bei-
zubringen.
2. Art. Der Kaiſer tritt für ſich, ſeine Nachkom-
men und im Namen des Reichs die Niederlande mit
allen Rechten, Anſprüchen und Hoheit an Frankreich
ab; ebenſo die Grafſchaft Falkenſtein und das Frik-
thal auf dem linken Rheinnfer bei Baſel, welches letz-
tere an die Schweiz kommen ſoll.
3. Art. Der Kaiſer erhält Venedig mit dem ehe-
maligen Gebiete bis an das adriatiſche Meer ſammt
den Jnſeln auf denſelben und bis au die Etſch, worin
der Thalweg die Scheidung macht.
4. Art. Dem Herzog von Modena wird zur Ent-
ſchädigung das Breisgan eingeräumt unter denſelben
Bedingniſſen, wie er Modena beſaß.
5. Art. Dar Großherzog von Toskana entſagt ſei-
nem Großherzogthum, welches dem ſpaniſchen Prinzen,
dem Herzog von Parma gegeben wird. Der Groß-
herzog von Toskana ſoll volle Entſchädigung in Deutſch-
land erhalten, und über ſein Privateigenthum in Tos-
kana nach Gutdünken ſchalten können.
6. Art. Kaiſer und Reich überlaſſen mit vollem

Druck und Verlag von G. Geiſendörfer.
loading ...