Heidelberger Volksblatt — 4.1871

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D'r Nagglmier.

Der patriotiſche Empſang enes deutſchen Kriegers,

oder:

Der vatriotiſche Lochmüller

"Ei! mei Hansjörgli biſch au do?
Komm her, Keiner iſch ſo brav wie Du!
Mein lieber, guter Hansjörgli
Dich han i gern, Dich mai.

J' han zwar äll Soldaten gern,
Die komme thu' von Frankreich fern,
Gilt mir glich, wenns koſcht a' e Ohm Wai
Die miſſet gut bewirthet ſei'.

Hansjörgli, Du willſcht doch heime?
Komm, Du farſcht mit mir nach Leime"
So ſprach der Patriot zu mir.
Wir tranken aus nun unſer Bier

Jch fahr, dacht ich, wenn es ſein muß,
Auch heim auf dem Brodomnibus.
Jch kricht' ſonſt mit dem Freund Verdruß,
Wenn ich wollt gehen nun zu Fuß.

Jch ſtieg dann auf und fuhr bereits
Nach Leimen bis ans rothe Kreuz,
Es ging im Schritt und ging im Trapp,
Am rothen Kreuz ſtieg nun ab.

Denn, dacht ich, es iſt kein Genuß
Wenn auf dem Brod man ſitzen muß.
Jch dankte ihm, nebſt einem Gruß,
Und ging dann vollens heim zu Fuß.

Doch ohngefähr zehn Tag darnach
Sprach er zu mir, zur großen Schmach
"Du, Hansjörgli, ſei nit aufbracht,
Du biſch mir ſchuldig noch die Fracht

Mainſcht Du i' ſollt umſonſcht Di' führ'n
Wie Du die Bawett führſcht ſchbazir'n?
Dabei haſcht Du wohl viel Plaiſi',
Was mir thut widerfahre nie."

Unſer guter Ja-
kob hott alſo wid-
der emool aus
G'ſundheitsrickſichte
als deitſcher Reichs-
dagsabgeordneter
abgedankt! D'r be-
dreffende badiſche
Bezirk, der'en nooch
Berlin g'ſchickt, hott
demnooch widder
emool die Ehr wie
beim Zollparlament,
bei d'r Hauptſach
im neie deitſche
Reich unverdrete zu
ſein! G'ſchieht'n
ganz recht, denne
haanbiegene badiſche
Patriotte! Sie
hätte jo aus Erfah-
rung ſchun lang
wiſſe kenne, daß ihr
ſchwarzer Jakob die
Berliner Luft nit
verdrage kann. Muß
e ſcharfi Luft in dem
Berliner deitſche
Reichsdag wehe, Männer! Sein ſchwarz Zendrum is
freilich neilich bei d'r Adreßdebatt in e deitſchi Zug-
luft kumme, daß mich's nit Wunner nimmt, wann hie
un do Eener davun de Schnuppe gemerkt hott. Ja,
ja! Die Biere ſinn geſſe, ihr Herrn! Unſer nei deitſch
Reich hott mehr zu dhun, als die deitſch Armee nooch
Jdalie marſchiere zu loſſe, un de heilige Vatter wid-
der uff de Schtuhl zu ſetze, der aus'm Leim gange is.
Wann d'r neie deitſche Reichsdag ſo was in d'r Adreß
an de deitſche Kaiſer hätt merke loſſe, wär's unſerm
ſchwarze Zendrum drinn vielleicht wohler gebliwe!
Awer deß alte heilige reemiſch deitſche Reichsſtick werd
im 19. Johrhunnert nit mehr gewe. Okondrolleer!
Die Döllinger wachſe anfangs wie die junge
Schwetzinger Schbargle aus'm Erdbode raus un ſchieße
in die herlig reemiſch Unfehlbarkeit e Loch, deß wedd'r
d'r pälzer Bott, noch de kriſchtliche Pilger aus Schbeier
zu ſchtoppt! Abgemacht! -
E anner Bild! Sindemool un alldieweile unſer
Brodhannes noch immer ſein ungeweſche Schwoowe-
ſchnäwele in d'r Zeitung ſchbaziere gehn loßt, beruf
ich mich wege der bekannte patriotiſche Sechskreizer-
fahrt nooch Leime uff die Leimemer Zeige: Jakob un
Ludwig Rehm un Jakob Engelhorn, un geb zum
Jwerfluß, wie verſchbroche, de Poeſieerguß vun dem be-
dreffende deitſche Krieger, in dem die ganz Hiſchtoria
naturgedrei widder gewe is, wie folgt zum allgemeine
Beſchie:

Freund, ſprach ich, Du ſollſt nichts verlier'n!
Nun fing man an zu caleulir'n:
Sechs Kreuzer es auf der Brodpoſt
Von Heidelberg nach Leimen koſt.

Ab Rohrbach, bei der Roſ' von Frei
Bis Leimen, koſt's daher nur drei;
Doch fuhr ich nicht die ganze Tour,
D'rum zahle ich Dritthalbe nur.

"Nein," ſprach er: "i geb nichts mehr r'us.
So ging der Handel dahin aus . .
Ein' halbe noch für das Gepäck.
Dies patriotiſch? Ja, ein Dreck!

Der Wahrheit ſtets zur Ehr,
So wie auch zur Abwehr
Der Schäch'ſchen Jnfamie,
Dien' dieſe Poeſie!
Leimen, 16. April 1871.

J. G. Grimminger,
deutſcher Krieger, aus Frankreich zurückgekehrt.

Wer is jetzt d'r Liigner? 's Volksblättl, odder d'r
ſchwarze Brodhannes? Gudnabedit!

Druck und Verlag von G. Geiſendörfer.
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