Heidelberger Volksblatt — 4.1871

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D'r Nagglmaier.

Und vertraten ohne Wanken
Deutſchen Ruhm und deutſches Recht.

Ja auch wir ſind brav geweſen
Jn dem großen Heldenſtreit;
Was man Tag für Tag geleſen,
Dankt man unſ'rer Tapferkeit.
Ja, wir haben Stund' um Stunde
Feſtgeſtanden auf der Wacht
Und von jedem Sieg die Kunde
Durch die weite Welt gebracht.

Graf von Bismark ward gefürſtet
Weil er ſchuf den deutſchen Dom.
Nun, auch unſ're Seele dürſtet
Sehr nach einem Reichsdiplom.
Denke, jetzt im Friedenshafen,
Auch an uns, o Vaterland,
Und erheb' uns Typografen
Jn den Typofürſtenſtand!

Die Jinger Gut-
tenbergs dirfe mer,
noochdem d'r Krieg
vorbei is, doch aach
nit vergeſſe, als die-
jenige Leit zu ver-
zeichne, die aach bei
d'r Schbritz ware,
wann's gegoltehott,
de Franzoſe zu zei-
ge, wo d'r deitſche
Bartl de Moſcht
holt. Die Schrift-
ſetzer unBuchdrucker
hawe mer ſo noth-
wendig in dem
Krieg gebraucht,
wie's liewe Kamis-
brod. Die "Wacht"
am Setzkaſchte un
an d'r Buchdrucker-
breſſ hott Dag un
Nacht feſchtſchtehn
miſſe, um uns die
deitſche Siegesde-
beſch ſo ſchnell wie
meeglich in's Haus
ſchicke zu kenne. Alſo
Ehr dem Ehr gebiehrt, un aach dem Verdienſcht ſein
Kron! Mir dirfes drum gewiß for ke Jwerheewung
anſehe, wann die deitſche Schriftſetzer un Buchdrucker
heit ſinge:

Gieb ein leuchtendes Exempel!
Mach uns reichsunmittelbar,
Daß von Vor-Cenſur und Stempel
Frei wir werden ganz und gar,
Denn wir dürſten nicht nach Kronen,
Orden oder ſonſt derlei;
Willſt Du unſern Dienſt belohnen,
Mach' uns nur die Preſſe frei!

Norr een Bitt hätt ich bei der Gelegenheit aahan
unſer Schriftſetzer. Jch wollt: ſie dhäte keem Zeitungs-
ſchreiwer mehr die Fremdworte ſetze, die noch heitzu-
dag in jedem Artikl wimmle. Die deitſche Gelehrte
un Journaliſte werre ſchweerlich mitnanner eenig werre,
ke Fremdwort mehr anzuwenne - norr die Schrift-
ſetzer kenntenen deß Handwerk lege. Raus mit denne
Franzoſebrocke aus d'r gute deitſche Schrift. Macht
die Zeitung ſauwer, ihr Setzer.

Nun des Krieges Donner ſchweigen
Und der Friede Raum gewinnt:
Sei's gerühmt, daß wir im Reigen
Mit dabei geweſen ſind.
Zogen wir als Herkuleſſe
Auch nicht mit zur Männerſchlacht
Hielten wir, das Volk der Preſſe,
Doch daheim die Fahnenwacht.

Haben wir in ſchweren Tagen
Als Bellona niederſtieg,
Nicht das Banner vorgetragen,
Und verkündet Sieg auf Sieg?
Haben wir nicht Tage, Wochen,
Monde lang den ganzen Kampf
Brav geſetzt, formirt, umbrochen
Und im Sturm gedruckt mit Dampf?

Sagt mir doch, wann wird man endlick
Einmal deutſch in Deutſchland ſein?
Wann wird endlich man erkenntlich
Unſere Sprache ſprechen rein?
Manches gute deutſche Wort:
Wärs nicht treffender am Ort
Als der fremde Ton und Klang?
Freilich; doch man denkt nicht lang:
Jn der Ferne ſucht man ja
Doch viel leichter als ſo nah!
Eins jedoch, du deutſcher Mann
Sag' ich dir, ſo gut ich kann:
Ehrſt du deutſches Sein und Weſen,
Mußt auch deutſch in Worten ſein,
Daß der Niederſte kann leſen,
Was du willſt, verſtehen fein;
Drum den welſchen Kram gib auf,
Laß der deutſchen Zunge Lauf!
Wie die Krieger deutſch geſtritten,
Alſo deutſch in Wort und Sitten,
Deutſch in Kleidung und in Tracht
Laßt uns halten Deutſchlands Wacht!

Stramm und tapfer auf dem Poſten
Standen wir die ganze Zeit,
Ließen unſer Blei nicht roſten,
Waren immer ſchußbereit;
Rückten aus mit Schiff und blanken
Winkelhaken zum Gefecht,

Druck und Verlag von G. Geiſendörfer.
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