Heidelberger Volksblatt — 4.1871

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D'r Nagglmaier.

norr noch ſo viel davun, daß d'r Pälzer Volks-
mann ſchließlich ſegt: "So weit das Schreiben an
Bluntſchli. Was wird der Herr antworten?" -
Da d'r Herr Brofeſſer Bluntſchli awer mehr zu dhun
werd hawe, als jedem Dorfpäffl uff ſein Zeitungsar-
tikl zu antworte, gew ich'm hiermit die Antvort vumme
Annere uff ſein Artiklche, un zwar vumme ſchlichte
Katholik, der mer Folgendes driwer zu kumme loßt:
Mein lieber Anonymus vom Lande!
Da Sie in Jhrem ländlichen Geſalbader in Nr. 65
des Pfälzer Boten ſich der Hoffnung hingeben, daß Hr.
Gh. Rath Bluntſchli Jhnen antworten, ja daß er ſich
ſogar nach Jhrem Namen erkundigen werde, ſo will ich
Jhnen einſtweilen fagen, daß Herr Geh. Rath Bluntſchli
jedenfalls beſſeres zu thun weiß, als mit ſolchem Ge-
wäſch ſeine Zeit zu verlieren. Daß Sie ein Land-
pfarrer ſind, hätten Sie nicht nöthig gehabt anzufüh-
ren, denn die in Jhrem Artikel los gelaſſene Weisheit
(?) riecht ſtark nach dem Lande. Da Sie das Bedürf-
niß fühlen, Jhr Licht über Jhren (Jhnen wahrſchein-
lich zu kleinen) Sprengel leuchten zu laſſen, ſo will
ich Jhnen gerne die Hand dazu bieten und, Arm in
Arm mit einander, fordern wir unſer Jahrhundert in
die Schranken! Und nun, gelehrtes Kirchenlicht, be-
antworten Sie mir auch meine Frage: Wie ſteht es
denn mit dem unfehlbaren Papſt, dem Nachfolger der
unfehlbaren Apoſtel, wie Sie ſagen, der den Galliläi
zwang, den von der Wiſſenſchaft aufgeſtellten unfehl-
bar wahren Satz: Die Sonne ſteht ſtill und die
Erde bewegt ſich um dieſelbe, abzuſchwören und das
Gegentheil zu behaupten? Um ſein Leben nicht auf
dem Scheiterhaufen einzubüßen, ein damals ſehr belieb-
tes Mittel, die verirrten Gläubegen wieder auf den
rechten (?) Weg zurück zu bringen, fügte ſich Galltläi;
aber ſobald er in Sicherheit war, ſagte er: Und ſie
bewegt ſich doch! So geht es auch mit den übrigen
Kirchenlichtern der Jetztzeit: Sie glauben an die Un-
fehlbarkeit des Papſtes nach dem Sprüchwort: Weſſ
Brod ich eß, deſſ Lied ich ſing! Zur Zeit der Evan-
geliſten glaubte man auch, daß Etas auf einem feuri-
gen Wagen in den Himmel gefahren ſei und daß die
Männer im feurigen Ofen nicht verbrannt ſind. Glau-
ben Sie das auch? Jch nicht; da würde ich noch
eher an den Stillſtand der Sonne gtauben, denn Jo-
ſua ſagte: Sonne ſtehe ſtille, heß ſie ſpäter aber nicht
weiter gehen. Bitte erklären Sie mir dies, geehrter
Herr Landpfarrer. Der Schlußſatz Jhrer ländlichen
Weisheit: Sie hätten den Muth, Jhre Standesehre
mit der Piſtole in der Hand zu vertheidigen, wenn Sie
dürften, iſt wohl nür ein Scherz von Jhnen. Es
iſt doch ſo ſchön hier unten in aller Ruhe und Ge-
müthlichkeit ſeine Schäſchen zu ſcheeren, ſtatt durch eine
Piſtole dahin befördert zu werden, wo man möglicher-
weiſe unter die Böcke kommen könnte!
Soodele, Herr Parre. Deß is aah e Antwort!
Awer de Brofeſſer Bluntſchli loſſe Se gehn. Der hott
ke Zeit, ſich mit Dorſpäfflcher wedder mit Pulver noch
mit Dinte zu duellire. Schwarz bleibt ſchwarz, denkt'r,
un Mohre weſcht ma nit mehr weiß!

Unſer Goldblätt-
che, d'r Pälzer Bott,
macht ſich die vorig
Woch widder emool
mit unſerm Brofeſ-
ſer Dr. Bluntſchli
zu ſchaffe, un zwar
in Nr. 5, vum
Dunnerſchdag, 8.
Juni. Wer Luſcht
hott, lees den lang-
weilige Kroom. Der
ganze Artikel is ſo
ländlich un ſitt-
lich g'halte, daß'es
nit emool dawerth
is, daß ma'n wid-
dergibt. Norr een
Schtellche hott ſor
mich e b'ſonders
Jntreſſe g'hatt. D'r
Herr Brofeſſer
Bluntſchli ſoll näm-
lich innere Wies-
badner Broteſchtan-
deverſammlung un-
ner Annerm aah
die Schtandesehr
d'r katholiſche Herrn Seelſorger angegriffe hawe. Do-
druff ſegt dann d'r Herr Landparre im Pälzer Bott:
"Andere Stände vertheidigen die gekränkte Standes-
ehre unter Umſtänden mit Berufung auf die Mündung
zweier Terzerolen; uns iſt eine ſolche Satisfaction
verſagt, uhs bleibt einzig die Mündung der Feder. Mit
dieſer proteſtire ich gegen dieſe Jhre ehrenrührige Be-
hauptung." Un ſo weiter. Alſo uns bleibt einzig die
Mündung der Feder, ſegt'r. Ja, deß weeß d'r liewe
Gott. Awer mit der ſchwarze Rawefedder richte die
Herrn uff'm Land, wo noch ihr Waize blieht, mehr
Unheil an, als wann ſe mit d'r Piſchtool ihr angeeb-
lich Recht verdheidige dhäte. D'r Herr Landparre braucht
ſich alſo durchaus nit zu beklage, daß'r nit Jeden, der'm
nit uff die Geig redd, gleich mit d'r Terzerol angreife
kann. Bei ſeine Landleitcher draus iſſ'r jedenfalls im
Vortheil, wann'r mit d'r Fedder rausgibt. Dann mir
hawe leider Gottes noch immer Dauwerbiſchofsgegende
im badiſch Ländl, wo die Bauere alles glaawe, wann
ſe's gedruckt vum Herr Parre ſehe. - Daß ſich d'r
Brofeſſer Bluntſchli natierlich nit mit jedem Dorfpäffl
duellire kann, dem ſein Anſichte nit g'falle, verſchteht
ſich am Rand - aach wann ſich die Herrn vun d'r
Kanzl ſchieße dirfte, dann die dummſcht Kuggl
kann de g'ſcheidſchte Mann aus'm Weg ſchaffe, un
weiter hat es keinen Zweck bei gewiſſe Leit. Norr weg
mit'n. Frieher mit Jeſuittegift, jetzt mit Kuggle,
wann's meeglich wör! - Um iwerigens uff de Puddls-
Kern in dem Pälzerbottartikl zu kumme, Männer,

Druck und Verlag von G. Geiſendörfer.
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