Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Ausstellungen

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der seinerzeitigen Ausstellung der „großen Eng-
länder“ nachgebildet ist, erweckt das größte
Interesse, umsomehr als zahlreidie sonst meist
schwer zugängliche Hauptwerke der Watteau,
Pater, Lancret, Pesneetc. aus kaiserlichem Besitz
erstmalig vereinigt sein werden. Bekanntlich
findet die von Friedrich dem Großen zusammen-
gebrachte Sammlung nur in den Schätzen des
Louvre ein angemessenes Pendant.

Das Historische, das seit einiger Zeit selbst
in den modernen Ausstellungen stark hervor-
tritt, hat sich audi in der neuen Ausstellung der
Zeichnenden Künste inderSezession zurGeltung
gebracht. Ältere Arbeiten, von Manet, Toulouse-
Lautrec, van Gogh, Liebermann, Josephson,
geben der sehr gewählten und doch recht reich-
haltigen Sdiau ein entschiedenes Cachet. Es ist
eine Art offizieller Heerschau des alternden Im-
pressionismus, in der alle älteren Jahrgänge mit
erscheinen. Der Aspekt ist denn sehr stattlich
ausgefallen; aber die Gegenwart wird dabei
nicht besonders klar — von der Zukunft gänz-
lich zu schweigen.

KÖLN

Die Künstler Kölns haben sich zu einer Ver-
einigung, dem Kölner Künstlerbund, zusammen-
geschlossen. Die stärkste Kraft dieser Gruppe
scheint bis jetzt, das lehrt die erste Ausstellung
in den Räumen des Kunstvereins, auf tektonischem
und dekorativem Gebiet zu liegen. Die Aus-
stattung der Ausstellung rührt von Ludwig
Paffendorf her, der zu den bedeutendsten
Innenarchitekten zu rechnen ist. Die ausgestellten
Arbeiten der Malerei haben zum größten Teil
einen stark dekorativen Grundton, vor allem
die Arbeiten von Wildermann und Glimschka.
Weinheiner, wohl der stärkste unter diesen
Künstlern, glänzt mit einigen kleinen Landschaften
mit geistreich-anmutiger Staffage. Seine vor-
wiegend koloristische Begabung äußert sich in
seiner eigenartigen Technik, die durch einen
lockeren, leicht durchlässigen Auftrag gegen-
sätzlicher, größerer Farbenflecke der malerischen
Erscheinung der von dämmerndem Licht um-
flossenen Dinge gerecht wird. Die Wirkung der
Münchener Scholle verbunden mit einem an
Ph. Klein gemahnenden Farbengeschmack er-
kennt man in Lindemann. Auch Dietz erinnert
an süddeutsche Malweise. Zu erwähnen ist
noch Schüler, Küpper und Westenburger.

Die Plastik wird durch Grasegger und Moest
vertreten. Ihre Art ist schon bekannt. Der
Porträtist König, ferner v. Mering, Papst und
Löwe bringen nichts neues.

Trotzdem diese Kölner Gruppe noch des ge-
schlossenen, abgerundeten Eindrucks entbehrt,

---f-

trotzdem keine machtvolle Künstlerindividualität
wirksam ist, erscheint es nach diesen Anfängen
nicht ausgeschlossen, daß der Kölner Künstler-
bund zu einer künstlerisch einflußreichen Gruppe
im niederrheinischen Kunstleben erstarken wird.

Eine Gedächtnisausstellung des am 27. Juni
in Bexhill verstorbenen Malers August Neven
Du Mont gibt durch die Fülle der ausgestellten
Werke ein geschlossenes Bild von der Persön-
lichkeit des Künstlers. Neven Du Mont war
ein Kölner, ein Schüler derDüsseldorfer Akademie,
insbesondere Peter Janssens. Den Hauptanteil
an seiner künstlerischen Tätigkeit hat England.
Die blassen, durch den Nebel ihrer Intensität
beraubten Farben, die vom Dunst überbauchten
hügeligen Ebenen bestimmen zum Teil seine
Malweise. Und zwar im Anschluß an die An-
schauungsweise des Amerikaners Whistler. Doch
wie stark Neven Du Monts Persönlichkeit war,
geht daraus hervor, daß er sich von allen diesen
die Farbe teilweise negierenden Einwirkungen
nicht gefangen nehmen ließ. Vielmehr brach
seine kraftvolle Farbenfreude oftmals unge-
hindert durch; diese Arbeiten vor allem, die
neben kräftigen Tönen ungebrochene Farben
aufweisen, zeigen seine Selbständigkeit, seine
Unabhängigkeit von der englischen Auffassung.
Daß dieses Verhältnis Neven Du Monts zur
englischen Malerei klargestellt werden kann,
dazu gibt diese Ausstellung Gelegenheit.

Die Unabhängigkeit Neven Du Monts von
herrschenden Kunstauffassungen erweist sich
noch an anderer Stelle: nämlich bei den Werken
seiner Frühzeit. Während seines Aufenthaltes
an der Düsseldorfer Akademie in den achtziger
Jahren hätte ihn sein Lehrer Peter Janssen gern
zur Historienmalerei gebracht. Doch schon da-
mals muß ihm dies Gebiet und die schwere
braune, klebrige Düsseldorfer Farbe unangenehm
gewesen sein. Denn er beginnt Freilichtstudien
zu machen. Eine Gartenszene mit Dame und
Hund als Staffage ist dafür bezeichnend. Seine
Farbenfreudigkeit, die Beobachtung des Lichtes,
der Sonnenflecken machen aus diesem Garten
ein frohes, fast buntes Bild. Dieselbe Auffassung,
die diese frühe Arbeit charakterisiert, bricht sich
mit ungeschmälerter Kraft in den letzten Jahren
nochmals durch; ein Kinderporträt und ver-
schiedene Stilleben verraten diese Zusammen-
hänge am deutlichsten.

Nicht oft ereignet es sich, daß eine Zu-
sammenstellung der Werke eines Künstlers aus
der ganzen Schaffenszeit den Beweis erbringt,
daß eine stärkere Selbständigkeit als man bis-
her annahm, dem Künstler zu eigen ist. Das
Resultat aber beweist, daß Neven Du Mont
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