Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

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IO KREIS FfiEIBURG.

Dies waren im Grossen und Ganzen die mittelalterlichen Befestigungen
der Reichsstadt Breisach, mit denen sie die wechselvollen und kämpfereichen Jahr-
hunderte unter österreichischer Herrschaft bis zur burgundischen Pfandschaft durchlebte
und dann nach der Revolution gegen Peter von Hagenbach bis zum Beginn des dreissig-
jährigen Krieges eine lange Zeit der Ruhe genoss, damals allerdings noch nach der
Landseite zu erneut geschützt durch vorgeschobene Erdwerke.

Wann die Anlage dieser bastionirten Erdwälle erfolgte, lasst sich nicht mehr genau
angeben, dass sie jedoch unter Österreichischer Herrschaft im Laufe des 16. Jhs. durch
italienische Ingenieure oder doch wenigstens nach dem System der italienischen Schule
vorgenommen wurde, ist wahrscheinlich. Dafür spricht das doppelte Glacis mit den
vielen Waffenplätzen zur Offensiv-Vertheidigung, die äussere Grabenumfassung zwischen
den beiden Glacis und der Brückenkopf auf der Rheininsel, der noch bis zum Ende des
17. Jhs. bestund und den Namen 'Italienisches Ravelin' führte.

Nach dem von Johann Stridbeck jr. zu Augsburg allerdings nach 1648 verfertigten
Plane der Festung schloss sich auf der Landseite im Süden an das am östlichen Fusse
des Eckardsberges gelegene 'Richelieu-Bollwerk', das deutsche Bollwerk an, dem das
französische, das schwedische, das weimarische und schliesslich die 'kalte Herberg' nach
Norden zu folgten. Davor lagen das 'Fuchsloch', das 'Gottesacker Ravelin', 'Richelieu
halber Mon', das 'Oisonville Ravelin' und das 'Erlacher Ravelin'.

Nach dem Rhein zu war die Stadt durch mächtige, theilweise mit Bastionen ver-
stärkte Mauern geschützt und die grosse Rheinbrücke auf dem jenseitigen Ufer durch
einen Brückenkopf, das 'Italienische Ravelin' gedeckt, das späterhin noch weiter durch
die 'S. Jacobsschanze' verstärkt wurde.

Die südliche Vorstadt, die überragt und bestrichen wurde von dem am Fusse des
Kirchberges angelegten 'Ludwigs-Bollwerk', erhielt ihr eigenes Thor, das von General-
feldzeugmeister Johann Heinrich Freiherrn von Reinach 1637 an Stelle des heutigen
Neuthorplatzes errichtete 'Neuthor', so dass man jetzt von der Landseite her von Osten
die Stadt im Norden und im Süden durch das Kupfer- und das Neuthor betreten konnte.

Das Schloss erfuhr ebenfalls vielfache Ausbesserungen und Verstärkungen, nament-
lich kurz vor dem Ausbruch des dreissigjährigen Krieges und die noch vorhandenen
Archivalien im Grossherzoglichen Landesarchiv geben ein anschauliches Bild über die
Um- und Neubauten des 17. Jhs.

Die Hauptarbeiten wurden 1614 begonnen und bis 1618 fortgesetzt; 1622 stürzte
bereits wieder ein grosser Theil der Neubauten ein und hierüber, sowie über die
darauf wieder vorzunehmenden Reparaturen sind eingehende Berichte der mit den Bau-
arbeiten beauftragten Ingenieure und Architekten, sowie der zur Untersuchung der
Missstände Delegirten an die vorderösterreichische Regierung zu Ensisheim vorhanden.

Vor allem wurden damals die Schlossumfassungsmauern mit neuen Schusslöchern
versehen, durch in den Graben vorgelegte Basteien verstärkt, um 8 Schuh erhöht und
mit einem Gang von Holzwerk, einem sogenannten 'Mordgang', 10 Schuh breit versehen.
Ferner wurden die Böden des Thurmes erneuert, Wasserbottiche für den Fall eines
Brandes aufgestellt, die Thore fester gemacht und Waffen und Munition bereit gestellt.

In den Berichten über den Einsturz eines Theils der von Hauptmann Bahl erstellten
Gebäude wird der 'RossstaH' auf der Burg genannt, der auf der Seite des Schlossbergs
gegen den Augustinerweg hin lag und sich unmittelbar an das Eingangsthor anschloss.
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