Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

Seite: 388
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388 KREIS FREIBURG.

scheinen dagegen einen Kettenpanzer zu tragen, der mit Schienen verstärkt ist. All'
das, wie auch die Form des Schwertes, der Kettenhaiskragen deuten gleichfalls auf
die Mitte bezw. zweite Hälfte des 14. Jhs. und wir werden daher, im Einklang mit
den Architekturformen, nicht fehlgehen, wenn wir die Entstehung des Reliefs ungefähr
um 1350 ansetzen.

Was ihm, neben der treuen Wiedergabe der Tracht und der Details (z. B. der
Körbe), sowie den hie und da sehr realistischen Zügen (s. die Hirten, den aufsteigenden
König, den oberen Reiter), ein besonderes Interesse verleiht, das ist die gut erhaltene
Bemalung. Die architektonische Umrahmung ist roth, die Pflanzenornamente darin
gelblich (bei den oberen Knäufen der zwei Seitennischen ist die Bemalung wohl später
erneuert). Der Fond besteht aus Rankenwerk oder er ist mit einem quadratischen Netz
überzogen, in dessen rothen Vierecken Rosetten sitzen. Das Kreuz ist gelb, gelb die
Haare des Johannes, wie die aller übrigen Figuren; er trägt ein rothes Gewand mit
gelben Tupfen; auch der Madonna ihr Gewand, weniger gut erhalten, weist Tupfen auf.
Der Christus der Dornenkrönung trägt ein weisses Gewand, das mit rothen Streifen
karrirt ist, der der Geisselung kurzes, weisses Wams mit rothem (?) Saum. Die Schergen
haben verschiedenartige Wämser, blau, roth u. a. {eines mit goldener Unterlage unter
dem Roth), gelbe Knöpfe, gelbe Fransen, rothe oder grüne Beinlinge, schwarze Schnabel-
schuhe, grün und gelb gefütterte Kapuzen. Im unteren Theil sind die pilzartig geformten
Bäume grün, ihre Stämme roth gestrichen. Grün auch das Heu in der Krippe; diese,
wie die beiden Körbe gelb. Kuh und Esel gelblich. Der reitende bärtige Mann hat
rothen Mantel; der obere Ritter gelben Koller, im Uebrigen bläuliches Panzerzeug. Die
Pferde scheinen roth gemalt, das "Saumzeug blau u. s.w. (Fig. 157.)

, Auch ikonographisch ist das Werk von Interesse, doch ist hier nicht der Platz,
darauf einzugehen. Es ist übrigens kaum vollständig auf uns gekommen. Wie aus der
Abbildung ersichtlich, besteht es aus zwei getrennten Hälften, der oberen mit den
Passionsscenen und der unteren. Wie die obere auf die untere Hälfte gesetzt ist, das
ist durchaus willkürlich. Möglich, dass dazwischen ehemals noch ein Theil eingeschoben
war, möglich, dass die Reliefs an den Seiten weiter fortgeführt waren; die Einfügung in
die Schutznische gestattet darüber kein Urtheil. Der Gedankenkreis scheint mir nicht
vollständig. Auch darüber, wo und wie das Relief aufgestellt war, ob in der Kirche
oder im Kreuzgang und an welcher Stelle, vermag ich keine Vermuthung auszusprechen;
es ist auch in dieser Hinsicht ein merkwürdiges Stück. Jedenfalls aber stammt es aus
dem alten Kloster. (Wth.)

Der Ort war bis 1805 fürstenbergisch (Landgr. Baar).

LENZKIRCH

Schreibweisen: Lenzkilcha c. 1200 f.; Oberdorf Lenczkilch 1428; in villa Niderndorf
>35*f-)-

Litteratur: Rombach Geschichte und Beschreibung von L., 1843.
Kirchen Kirchen: plebanus in Lenzchilch, in decanatu Swainingen 1275 (Lib. dec.; Pfarr-

kirche S. Nicolai, Kapellen s. Eulogii und S Cyriaci).
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