Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

Seite: 150
DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdm6bd1/0164
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
IJO KREIS FREIBURG.

Nach dem westfälischen Frieden baute Chrysostomus Kurz, Pfarrer zu S. Martin
in Endingen, angelehnt an die Ruinen des alten Kirchleins eine zweite hölzerne Kapelle,
bei der im Jahre 1715 der Franziskaner Karl Joseph Welthin aus Gottenheim mit der
Erlaubniss des Endinger Stadtmagistrats ein 'Eremiten- und Waldbruderhäuschen' er-
richtete. 1722 fassten die hier zusammenstossenden Gemeinden Endingen, Schelingen
und Amoltern den Entschluss, eine neue Kirche zu bauen, die 1738 feierlich durch den
Weihbischof von Konstanz, Johann Anton von Sirgenstein, eingeweiht wurde. Ende
des vergangenen und Anfang unseres Jahrhunderts kam die Kapelle, von den Wald-
brüdern verlassen und von Theilen der Moreau'schen Armee ihrer Ausstattung beraubt,
immer mehr in Verfall und wurde schliesslich 1809 von der badischen Regierung auf-
gehoben, jedoch in Rücksicht auf ihre Lage als strategischer Punkt und ihre Wichtigkeit
für die Landesvermessung nothdürftig erhalten. — Erst 1860 beschloss man die Wieder-
herstellung der Kapelle, deren noch jetzt erhaltener, schmuckloser Bau im Stile der
damaligen Zeit 1862 die Weihe erhielt.

Zwei Kilometer südlich von Endingen unweit der S. Katharinenkapelle liegen ganz

im Walde versteckt die unbedeutenden Reste einer alten Burg, die Koliberg oder

Burg Kohieaberg Kohlenberg (die veste Kolberg 1408; der bergk und das burgstal genant Kolemberg

gelegen ob der statt Endingen 1494; fälschlich zuweilen Isenburg gen., Z. NF. II

363) hiess.

Die Familie derer von Endingen trug sie vom Stifte Waldkirch zu Lehen, verlor
sie jedoch bereits 1321, in welchem Jahre die Dynasten von Uesenberg im Kampfe mit
denen von Endingen die Burg zerstörten. Die Feste wurde nie mehr aufgebaut und da
die Familie von Endingen, die bereits 1333 nach Strassburg auswanderte, offenbar auf
ihr Lehen verzichtete, übertrug die Aebtissin Margaretha von Waldkirch (nach 1419)
dasselbe der Stadt Endingen, deren jeweiliger Bürgermeister Lehensträger des Burgstalls
Koliberg wurde. Diese Belehnung ist zum letzten Male 1494 erneuert worden. Was
jetzt noch vorhanden ist, sind wenige verwitterte Steine und Mauerreste, die von der
Ausdehnung und Gestaltung der ehemaligen Burg keinen Begriff mehr geben können. (B.)

FORCHHEIM

Schreibweisen: villa que dicitur Forchheim 763, Cop. 1457 Fälschung; ad Forcheim
in Brisgowa, Cod. Hirsaug. 26; marcha Forechheim zw. 965 bis 991 u. s. w.

Römische Reste: herweg 1341; hoher weg 14. Jh. (Mone UG. I 144).
Pfarrkirche Der viereckige und vierstöckige Thurm der unbedeutenden modernen Kirche

ad. s. Johannen Baptistam (plebanus in Vorchhein in decan. Endingen 1275, Lib. dec.)
entstammt dem 12. Jh. und ist in ziemlich starkem, reich mit Ziegel vermengtem Brocken-
mauerwerk bis zu dem Satteldach ohne Staffelgiebel hochgeführt. Im unteren Thurm-
räum finden sich noch die Anfänger und Ansätze eines jetzt ausgebrochenen Rippen-
kreuzgewölbes mit spitzbogigen Wandbogen; ebenso haben sich in den beiden obersten
Geschossen in den.dortigen Klangarkaden Reste der ehemaligen Anlage erhalten.

Im derzeitigen Glockenraum werden auf jeder Seite je vier, im darunter gelegenen
Stockwerk je drei allerdings jetzt zugemauerte Schallöffnungen von Rundbogen zusammen-
gekuppelt, die auf massig geschwellten Säulchen mit weit ausladenden Trägem aufruhen.


loading ...