Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

Seite: 313
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AMT FREIBURG. — MUNZINGEN.

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Von drei erwäbnenswerthen Spätrenaissance-./sr,?/<;//£72 ist vor allem einer zu nennen, Kelchen
der die sehr verwischte Widmung einer 'Schnevelin von Bollschweil, natae de Bern-
hausen' von 1635 trägt; ferner werden in der Kirche vier Renaissance-Lichterhalter Lichterhalter
aufbewahrt, gedrehte Säulen, die flott mit Schilder haltenden Engelsfigürchen geziert sind,
und weiter eine schlechte gothische, holzgeschnitzte Pieta. Pieta

Im unteren Dorfe zu Merzhausen steht das sogenannte 'Alte Schloss', ein sehr 'Altes Schioss'
verwahrlostes einfaches, zweistöckiges Steinhaus mit zwei hohen Staffelgiebeln, das jedoch
durch vielfache Umbauten und Veränderungen im Inneren und Aeusseren den alten
Charakter völlig verloren hat.

Daneben befand sich Anfangs unseres Jahrhunderts noch ein anderes Schloss, das
sogenannte 'von Dankenschweil'sehe Haus', an der Stelle, wo heute ein Baumgarten
mit Mauerumfassung sich ausdehnt.

Auf dem in die Ebene vorgeschobenen, nordöstlichen Bergabhang des Schönbergs
oberhalb Merzhausen liegt das Jestiitenschlösschen; langgestreckte, mehrgeschossige "^r"lehcn
Wohn- und Oekonomiegebände, die um einen weiten rechteckigen Hof gruppirt sind
und an die sich vor dem eigentlichen Schlossbau auf dem Abhang der Thalseite eine
neuere Parkanlage anschliesst

Das Schloss mit dreistöckigem Mittelbau und ziemlich weit vorspringenden Seiten-
flügeln ist im Aeusseren wie auch in seinen weiten Innenräumen ganz schlicht gehalten
und ohne jede reichere, architektonische Ausstattung. (B.J

lieber der Thür ist neuerdings eine Inschrift eingemauert, die besagt, dass dieses
Schloss an Stelle des alten Gaishofes durch die Väter der Gesellschaft Jesu als Orts-
herrschaft von Merzhausen 1666 erbaut, nach Aufhebung des Ordens von der Land-
herrschaft Oesterreich 1777 eingezogen wurde, dann in den Besitz der Snewelm Bärlapp
von Bollschweil, endlich der Kageneck kam und 1898 von der Stadt Freiburg angekauft
wurde. — Auf der Terrasse hat jetzt ein Stein Aufstellung gefunden mit dem Wappen der
Schnewelin, das von zwei sogen, wilden Männern gehalten wird. — Im Wirthschaftshof
ein Brunnen mit korinthischer Säule, auf der die Statue des h. Nepomuk steht, etwa aus
der Zeit der Erbauung des Schlosses. (Die Schale 1901 erneuert.) (Wth.)

Wappen

MUNZINGEN

Schreibweisen: Munzinga villa 845 Fälschung; Strassb. ÜB. I 187; Mumzinga
c. 1003 eb. I 42; Muncingen 1147 u. s. f.

Litteratur: Bader Fahrten II.

Prähistorisches: Am Fuss des Tunibergs finden sich in einer dünnen Lössschicht
die Reste einer Niederfassung aus der frühen Steinzeit, vom Feuer geglühte
Steine, zahlreiche kleine Feuersteinwerkzeuge und Knochen von Rennthieren; ihre Unter-
suchung ist beschrieben von Geh. Rath A.Ecker im Schau ins Land, IV. Jahrlauf, und im
Archiv für Anthropologie 1875 VIII 87—101. (Vergl. N. Heidelberger Jahrb. II 98 f.;
Verhandl. d. Freib. Naturf.-Gesellsch. VI 70—95; Schumacher Vorgeschichtliches
von Freiburg, Schau ins Land 1900 XXVII 13.) Dieselbe berührte wieder 1894 Prof.
Steinmann. Etwas höher lagen Scherben von Thongefässen, welche der jüngeren
Steinzeit angehören dürften. Weiter südlich an der Strasse nach Mengen stiess

Prähistorisches
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