Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

Seite: 353
DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdm6bd1/0368
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
AMT FREIBURG. — STEGEN. 353

Hohlraum der ehemaligen Burg umschliessen. Der Bau kann nicht von grosser Aus-
dehnung gewesen sein, muss frühe Zerstörung erlitten haben und war wohl der Burgsitz
der 1115 genannten Herrn von Scherzingen, vielleicht auch der Familie von Seidon
(Rot. Sanp. Mabillon a. a. O.). (B.)

Die Burg soll abgebrochen worden sein, als Geraldus von Scherzingen sein Gut
zur Stiftung des Klosters Sölden hergab.

STEGEN

(Under Yben und Stegen 1525)

Erwähnt: Under Yben und Stegen hat xxviii hüser von gmeynen lütten nach 1525
(Z- 37, 94)-

Ehemaliger Sant Blasianer Besitz; derselbe kam später an die Snewelin von Weiler,
dann an die Grafen von Kageneck; gehörte bis 1805, wo es badisch wurde, zur Land-
grafschaft Breisgau.

Zu der Gemeinde zählte der Zinken Weiler (Wifare 12. Jh., Rot. Sanpetr.; Wiler
I3I4f-)> wo im 12.Jh. ein Ortsadel existirte {erw. im, 1112, 1122 de Willer de domo
ducis [de Zaringen]; eine andere Familie die Rischach zu Weyler 1521, 1528). Eine
Burg der Ritter Herrmann und Walther Meiger von Wiler aus dem Geschlechte Geben
zu Freiburg stand auf der Stelle des jetzigen Kageneck'sehen Schlosses, am Ausgange
des Unteribenthales (Poinsignon Schau ins Land XIII 11). (K.)

Das jetzige Schloss der Grafen von Kageneck stammt in seinem Kern aus dem
15. bis 16. Jh. Ueber sein damaliges Aussehen giebt ein Altargemälde in der Schloss-
kapelle Auskunft (s. dort). Im Keller hat sich noch als deutlicher Rest des alten Baues
eine spitzbogige Thüröffnung mit Sandsteingewände erhalten. Im 18. Jh. wurde der Bau
gänzlich überarbeitet und um die Hälfte vergrossert; es entstand so das schlichte, recht-
eckige, dreigeschossige Gebäude von heute, mit dem Wappen der Kageneck und Sickingen
m Rocaille-Einfassung über dem Eingang.

Das Innere birgt eine kleine Sammlung von Kunstgegenständen, aus der zunächst
einige Gemälde hervorzuheben sind : Eccehomo-Brustbild mit Henkersknechten dahinter,
von einem geringen deutschen Meister aus der Mitte des 16. Jhs. Das Bild, auf Holz
gemalt, stammt aus altem Privatbesitz in Nürnberg. — Eine Heimsuchung, auf Holz{?)
gemalt, etwa vom Ende des 16. Jhs., ebendaher. — Lebensgrosses Porträt des Franz
Heinrich Wendelin von Kageneck, Bischofs von Eichstädt (1704 bis 1781), übliches
Repräsentationsbild. — Lebensgrosses Porträt einer französischen Dame mit ihrem
Knaben im Arm, angeblich Marie Antoinette mit dem Dauphin vorstellend. — Ein paar
unbedeutende Landschaften des 18. Jhs.— Brustbild eines Mannes mit dem gefälschten
Monogramm Dürer's.

Von den Möbeln sind zu nennen: Geschnitzter Schrank des 16./17. Jhs. mit Innen-
handeln, die in vorzüglicher Aetzung den Crucifixus, sowie Hirsche in Rankenwerk zeigen
(vergi. Fig. 140). Sie gehören wohl noch der ersten Hälfte des 16. Jhs. an und stammen
aus dem oben erwähnten Nürnberger Besitz. Des Weiteren noch vier theils geschnitzte,
theils eingelegte Schränke aus dem 17. und 18. Jh., und aus letzterem noch eine gute,
eingelegte Kommode.
loading ...