Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

Seite: 425
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AMT STAUFEN. — KIRCHHÖFEN. 425

KIRCHHÖFEN

Schreibweisen: Kilchoven io87f.; curtis Chichoven zw. 1185'bis 1190; Kirchofen
14. Jh. f.

Litteratur: Hartfelder Freib. Jahresgeschichten (Z. Freib. 1878, X 509); Schau
ins Land VI 745X11134 (Kirche), I 52 (A.); VI 74 (Beinhaus); VI 71, 73 (Altes Schloss);
VHI 38; XI 18.

Prähistorisches und Alemannisches: Im Gemeindewald Distrikt I 5 zieht sich ein
sehr zerfallener Ringwall von 600 m Länge, die 'Feinlisburg', um den Bergkopf
herum. Im Distrikt III 3 fand sich mehrere Fuss unter dem Boden ein polirtes
Steinbeil. Im 'Kampfacker' stiess man in den 1820er Jahren auf alemannische
Steinplatte ngräber, welchen Waffen und Schmuckstücke entnommen werden
konnten (s. H. Schreiber Die neu entdeckten Hünengräber im Breisgau, 1826 p. 3.9-f.).
Auch im Domänenwald 'Finkenstahl' wurden 1895 bei Wegbauten zwei Steinplatten-
gräber aufgedeckt. Einige flache Hügel in unmittelbarer Nähe dürften auf weitere Gräber
schliessen lassen. (IV.)

Kirche (parrochia ecclesie que vocatur Kilichoven 1083; Chilchoven cum ecclesia
et filiabus suis scilicet Stoufen cum tota decimatione et Amperinchen et Horistem
et Hoffmeninchen 1139; plebanus de K. 1159 [Fälsch.]; rector eccl. i. K. 1301;
decanatus K. 1324; in dec. Gündlingen zw. 1360 bis 1370 Lib. marc; tit. Assumpt.
b. M. V).

Die Pfarrkirche, in ihrer Gründung gothiscb, erlitt 1633 nach dem Falle der 300
Kirchhofener, als das ganze Dorf von den Schwedischen und Markgräflichen Schaaren nieder-
gebrannt wurde, ebenfalls schwere Schädigung und zeigt im Aeussern Jetzt nur noch
wenige Reste des alten Bestandes. So das spitzbogige, reich mit sich verschneidendem
Stabwerk profilirte Hauptportal, auf dessen Scheitel die Jahreszahl 1409 (1509) steht,
dann einige gothische Fensterchen der Sakristei, ferner die Umfassungsmauern des in
drei Seiten des Sechsecks schliessenden Chors mit jetzt masswerklosen, spitzbogigen
Fenstern, und schliesslich die von schmalen, spitzbogigen Fensterchen erhellten Unter-
geschosse des jetzt mit achteckigem Glockenhause und breiter Zwiebel abschliessenden
Thunnes. Ueber dem nördlichen Seitenportal des Langhauses findet sich das Jahr
1.J41 verzeichnet und unter dem barocken MadonnenbÜde des Westgiebels die Zahl
CIOIDCC LXXII, wohl die Daten umfassender Restaurationen. Die Kirche ist in
gothischer Zeit dreischiffig angelegt worden, die alten Gewölbe des Mittelhauses jedoch
sind durch eine auf Stuckwandpfeilern aufruhende Tonne mit Stichkappen ersetzt, die
mit guten Stuccaturen und mittelmässigen Gemälden in wirkungsvoller Weise geziert ist.
Die Seitenschiffe aber, welche sich in je fünf spitzbogigen und durch Schrägen profilirten
Arkaden auf achteckigen Pfeilern mit quadratischen Sockeln nach dem Mittelraume zu
öffnen, besitzen noch ihre alten, reichen Netzgewölbe, deren einfach gekehlte Rippen
ohne Konsolen aus der Wand hervorwachsen.

Im Westen ist ein Emporeneinbau aus der Zeit der Stuckdekoration der Mitte
des vorigen Jahrhunderts eingebaut, aus welcher Zeit auch der gesammte Innbau
stammen mag.

Prähistorisches
Alemannisches
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