Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

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2 8 KREIS FREIBURG.

zum Himmel eingeschlagen. Die seitlichen Zwickel werden von anbetenden, das Weib-
raucbfass schwingenden Engelsfigürchen ausgefüllt

Der obere Abschluss, die Westfagade, erscheint unvollendet. Die Dachgesimse,
auch die der Seitenschiffschrägen fehlen, die Aufsätze der Strebepfeiler, die wohl ähnlich
denen des Chors ausgebildet werden sollten, mangeln der Bekrönungen und die ganze
öde Mauerfiäche wird nur von zwei schmalen, wie es scheint, provisorisch zur Erhellung
des Dachraums angebrachten Fensterchen durchbrochen.

Das Ganze erweckt den Anschein, als ob irgend welche heute nicht mehr zu
bestimmende Vorkommnisse, gleich wie den Weiterausbau des Langhauses, auch hier
die ursprünglich geplante Ausführung verhindert und die damalige Bauleitung gezwungen
hätten, die Mauern um das Gebäude rasch zu schliessen, möglichst einfach in Hoff-
nung auf spätere Vervollständigung hochzuführen. Das mag auch der Grund sein,
wesswegen statt eines Mauergiebels eine Dachkonstruktion den Abschluss bildet; denn
die Nachricht von einem geplanten westlichen Thurmbau ist wohl, wie später noch aus-
führlich dargethan werden soll, in das Gebiet der Sage zu verweisen.

Zwischen den Strebepfeilern der Westfront stand ehemals unter heute entfernten
Bogen und Pultdächern ein Oelberg, zu beiden Seiten derartig vertheilt, dass links die
Ruhe der Jünger, rechts das Gebet des Herrn uns das Eindringen der bewaffneten
Schaar in dem Garten dargestellt war. Die von der Familie von Burchard gestifteten
bemalten, gothischen Sandsteinfiguren sind auf den Friedhof verbracht worden.

Die Südseite des Westbaues gleicht der Nordfront. Doch fehlt das Portal und
der östliche Strebepfeiler ist hier zu einem rechteckigen Treppenthürmchen erweitert,
das mit einer spitzen, achteckigen Steinpyramide schliesst und durch ein daneben
erbautes, achteckiges Thürmchen mit niederem Steindach und Knauf betreten wird. In
beiden, zuerst in dem achtseitigen, dann in dem rechteckigen, führt, beleuchtet durch
schlicht profilirte, rechteckige Fensterchen, eine Wendelstiege zum Dachboden empor.
(Fig. io.)

An der zum Treppenthurm erweiterten Strebe finden sich oben auf einem der

Quader die Zahlen Ij^ß^ {J^S)' w°hl das Erbauungsjahr des Westtrakts, eingehauen,

und an einer ausgebrochenen Stelle der östlichen Eckkante die Worte

BOMBARDEMENT ■

DEN • 4-. NOV •

IS70 •

Interessant ist der Ostabschluss der Südmauer des Westbaues, der soweit die
Restaurationsarbeiten das Charakteristische nicht verwischt haben, deutlichst über dem
Seitenschiffdach des Langhauses erkennen Iässt, dass eine Weiterführung nach Osten
geplant war und zu diesem Zweck Zahnungen angelegt wurden, die zum Anschluss
des später zu errichtenden Mauerwerks dienen sollten. — Auch der jetzt zugemauerte
Schwibbogen, der die Strebe des Mittelbaues mit derjenigen der Aussenmauer verband
und auf dem das seitliche Pultdach aufruht, ist noch sichtbar.

Die folgenden Langhausmauern sind wie die der Nordseite völlig verändert und
umgebaut. Aus alter Zeit stammen in der Ecke, in welcher Langhaus und Querbau
zusammentreffen, die Gewände eines jetzt zugemauerten, einfachen, spitzbogigen Thürchens
(im Volksmund Hasenpförtchen genannt) und weiter zwei einfache Konsolen mit völlig
verwitterten Darstellungen (Fratzen) auf den etwas geschwungenen Schrägen.
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