Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

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KREIS FREIBURG.

Auch die Südfacade des Querhauses hat mannigfache Veränderungen erlitten. So
sind romanische Fenstergewände an Stelle eines auch nicht ursprünglichen gothischen,
zweitheiligen Masswerkfensters eingesetzt worden und ebenso erfuhren die Giebelflächen
einschneidende Umbauten; alt erscheint nur der die Mauerfläche abschliessende Rund-
bogenfries, sowie ein Theil der Ecklisenen. Der ehemals den Giebel bekrönende Knauf,
die Brustfigur eines Mannes darstellend, eine rohe, völlig verwitterte Skulptur aus rothem
Sandstein wird im Innern des Querhauses nahe dem Taufstein aufbewahrt.

Zwischen Querhaus und südlichen Hahnenthurm eingeschoben liegt, mit der Nord-
seite korrespondirend, die südliche Querhausapsis ohne das reiche Dachgesims der nörd-
lichen Conche, aber wie jene neben einem hier zugemauerten romanischen Fenster durch
ein zweitheiliges gothisches Masswerkfenster erhellt.

Der südliche Osttkurm gleicht in seinen Untergeschossen ebenfalls völlig dem
gegenüberliegenden, nur findet sich hier im untersten Stockwerk zur Beleuchtung der
dort eingebauten Sakristei ein späteres zweitheiliges Masswerkfenster eingebrochen. Die
drei oberen Geschosse des Thurmes gehören der gothischen Zeit an, scheinen aber nicht
zusammen errichtet worden zu sein. Jünger ist das obere Glockenhaus, älter die darunter
gelegenen beiden Räume, von denen wieder der obere niederere je zwei von spitzbogiger,
unprofilirter Blendnische umgebene gekuppelte spitzbogige Fensteröffnungen zeigt, deren
Bogensteine auf Mittelsäulchen mit Blattkapitälen aufruhen und bei denen die Fläche
zwischen dem umrahmenden Bogen der Nische und den Bogenöffnungen selbst durch
eine von einem Rundfenster durchbrochene Steinplatte ausgefüllt ist. Das darüber
befindliche hohe Glockengeschoss hat als Schallöffnungen vier breite, zweitheilige Spitz-
bogenfenster und wird bekrönt von einer achtseitigen Steinpyramide mit Kreuz, die man
mit vier auf den Thurmecken aufgestellten, sehr plumpen modernen Aufsätzen um-
geben hat.

An diesem Thurme mussten offenbar bei der Restauration sämmtliche Architektur-
theile erneuert werden; doch ist anzunehmen und wird auch versichert, dass die vor-
handenen Theile getreu kopirt worden seien, was mir im Allgemeinen, abgesehen von
wenigen unverstandenen Einzelheiten glaubwürdig, bei den Fenstern des unter dem
Glockenhause gelegenen Stockwerks aber fraglich erscheint.

Wie schon erwähnt, liegt im Erdgeschoss des südlichen Hahnenthurms die Sakristei,
die bei der Chorerweiterung der gothischen Zeit ebenfalls eine Vergrösserung nach Osten
hin erhielt in einem Anbaue, der von zweitheiligen Spitzbogenfenstern mit schlichtem
Masswerk erhellt und von zwei mächtigen Streben gestützt wird. Der in Folge des
abschüssigen Terrains hier bedeutend höhere Sockel ist zum Laubengang ausgebildet,
Öftnet sich in zwei spitzbogigen Arkaden ins Freie und hat zwei Kreuzgewölbejoche mit
spitzbogigen, rippenlosen Wandbogen zur Decke, . deren Rippen in originellen Ver-
schneidungen aus der Wandfläche hervortreten und deren Schlusssteine mit Ornamenten
und phantastischen Seeungeheuern geziert sind. Auf dem östlichen Strebepfeiler, über
welchem durch einen weit vorkragenden, figürlich behandelten Wasserspeier das Wasser
der Dachtraufe herabgeleitet wird, findet sich auf hellerem Stein das Jahr IX9X ein-
gehauen (1494).

Von den beiden Ostconchen des Querhauses und den daran angebauten Hahnen-
thürmen wird der hohe gothische Chor seitlich begrenzt, der im Osten in fünf Seiten des
Achtecks schliesst. Schmale, hohe, zweitheilige Masswerkfenster durchbrechen die
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