Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

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AMT BREISACH. ■

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Raum überspannte man dann, gleich wie das folgende Langhausjoch einheitlich mit einem
ziemlich unregelmässig gezeichneten, nicht eben reichen Netzgewölbe mit Wandrippen
und grossem Ringschlussstein, wobei zu den durch Kehlen profilirten Rippen mit schmalen
Plättchen die vorhandenen Kreuz- sowie Querrippen der alten Gewölbe mitbenutzt wurden,
wie an dem zweiten nordwestlichen Pfeiler des Langhauses noch heute zu sehen ist.

(Fig. 14.)

Die westlichen Kappen der beiden letzten erhaltenen Seitenschiffgewölbe ragen
mit den Abbruchstellen zwischen den Bündelpfeilern und den jenen ähnlich, aber ein-
facher ausgebildeten Wandpfeilern, in den höheren Raum des Westbaues und tragen bis
zur Scheitelhöhe hochgeführte, provisorisch abschliessende Mauern, an welche die Rippen
der Netzgewölbe sowie die Wandbogen und Rippen der geplanten, folgenden Felder
unvermittelt, wie zur Fortsetzung gerichtet anstossen. So ist denn aiich hier die bei
Beschreibung des Kirchenäusseren bereits ausgesprochene Vermuthung aufs neue be-
stätigt und abermals dargethan, dass der nach einer Jahreszahl am Sockel des nordwest-
lichsten Langhauspfeilers Ij^AZ (x472) begonnene Umbau von West nach Ost weiter-
geführt werden sollte, die Arbeiten jedoch plötzlich und unvermuthet unterbrochen,
nur nothdürftig abgeschlossen werden konnten. War hier im Westen der Umbau
der Kathedrale nicht zur Vollendung gelangt, so war er im Osten wenigstens zu
einem Abschluss gekommen, indem dort die alte, wahrscheinlich nicht sehr geräumige,
romanische Choranlage in einen weiten, hochstrebenden, gothischen Chorbau um-
gewandelt wurde.

Derselbe wird im Vorchor von zwei rechteckigen Kreuzgewölben überdeckt, die,
unter sich von einer Querrippe getrennt, von dem nach einem rechteckigen Gewölbefeld
in fünf Achteckseiten schliessenden und um sieben Stufen erhöhten Hochchor durch
eine breite, reich profilirte Spitzbogenarkade geschieden sind. Die birnförmig-profilirten
Rippen dieses Gebäudetheils ruhen hier auf von den Symbolen der Evangelisten ge-
stützten Konsolen auf, deren Bilder auch als Träger der runden mit Blattwerk gezierten
Schlusssteine Verwendung fanden.

Im Chorschluss hingegen, dessen Gewölbeschlussstein das Bild eines das Lamm
Gottes haltenden Mannes zeigt, beginnen Wand und Gewölberippen auf den mit
Blattornament und zweimal auch mit figürlichen Darstellungen gezierten Kapitalen
der dreitheiligeji im Grundriss kleeblattförmigen Wanddienste, deren flache, spät-
gothische Basen weit über die Sockel ausladend, von kleinen Konsolen gestützt
werden.

Zu beiden Seiten des Vorchors führen spitzbogige, profilirte Pforten zwischen den
Chorstühlen nach den Untergeschossen der Hahnenthürme und so südlich in die durch
einen Anbau vergrösserte Sakristei, die von einem den ganzen Raum ohne Rück-
sicht auf die östliche Thurmmauer überziehenden Netzgewölbe überspannt wird.

Auf der Evangelienseite des Hochchors unter einem der dortigen Fenster ist eine
gerade abgedeckte Nische (vergl. Fig. 15) in die Mauer eingelassen, von schlanken
Säulchen auf gedrehten Basen zu beiden Seiten umrahmt, zwischen denen auf Konsolen
die Figuren der h. Protasius und Gervasius stehen, unter dreiseitigen Baldachinen mit
massigen durch Fialen, Krabben und Kreuzblumen gezierten Pyramiden. Auf dem
Sturz unter der Wimberge, deren Masswerknasen, Krabben und Giebelspitze zu dünnem,
unruhig gezeichnetem Laubwerk ausgestaltet sind, ist die Brustfigur eines
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