Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

Page: 41
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdm6bd1/0055
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
AMT EEEISACH. — BREISACH. 41

Die Rosenkranzkapelle, die nördliche Conche des Querhauses, birgt noch zwei
bedeutende Steinmetzarbeiten der gothischen Zeit, rechts ein Sakramentshäuschen und
links unter dem Fenster ein heiliges Grab. Heiliges m

In der von flachem Bogen geschlossenen tiefen Nische liegt auf dem vorne mit
Masswerk gezierten Sarkophag lang ausgestreckt mit gekreuzten Armen die schön
gebildete Gestalt des Fronleichnams, zu dessen Haupte und Füssen knieende Engel
wachen, während von hinten bis zum Knie sichtbar die heiligen Frauen Maria und
Magdalena nahen mit Salbenbüchsen und Gefassen in den Händen, dem Herrn zu dienen.
Am Fusse des Sarkophags, der in der Mitte ein mit einem Thürchen verschliessbares
Schränkchen besitzt, wohl zur Beisetzung der am Charfreitag übrig gebliebenen Partikel
des heiligsten Sakraments bestimmt, kauern vier ruhende Krieger, in deren Mitte eine
dritte der heiligen Frauen mit dem Salbengefäss herbeieilend dargestellt ist. Die Fläche
über der am Scheitel mit dem Wappen der Stadt gezierten Nische wird bis zu dem
geraden Abschluss in Höhe der Fensterbank von sehr zerstörtem Masswerk in Relief aus-
gefüllt und ist oben in der Mitte mit einer Konsole versehen, auf der heute eine Figur
Christi in -weitem Mantel, einst mit der Siegesfahne in den Händen, steht. Es erscheint
mir jedoch zweifelhaft, ob diese an und für sich massige Skulptur ursprünglich zu dem
ganzen Werke gehörte und ich möchte annehmen, dass die Konsole, für gewöhnlich leer,
nur in der Charwoche zur Aufstellung der Monstranz mit dem Allerheiligsten benutzt
wurde. (Fig. 17.)

Die Gestalten des Grabes, von frischer Natürlichkeit, flott gezeichnet und in Fleisch
sowie Gewandpartien vorzüglich ausgearbeitet, scheinen das Werk in die Jahre nach 1520
zu verweisen.

Das gegenüber stehende Sakramentshäuschen soll sich bereits im alten Chore Satraments-

0 ° hausehen

befunden haben und nach Abbruch desselben zum Aufbau des heutigen, 1492 in diese
Kapelle versetzt worden sein, wie Rossmann ohne Angabe seiner Quelle berichtet. Es
ist demnach diese zierliche Steinmetzarbeit bereits früher zu datiren, und wir werden
wohl nicht fehl gehen, wenn wir ihre Entstehung in den Beginn der zweiten Hälfte des
15. Jhs. verlegen. Dafür spricht auch das Werk selbst, dessen quadratisches Haus auf
frei stehender Säule mit reich gegliedertem Fusse ruht, an den Ecken unten und oben
zwischen den Säulchen und Streben der Fialen von graziösen Engelsgestalten belebt wird
und begleitet von hochstrebenden Pyramiden, schlank emporwachsend, in zierlicher, nach
vorn sich neigender Kreuzblume endigt.

Der im Südtheil des Querhauses stehende lauf stein ist eine schlechte, aber durch
die Nachahmung gothischer Formen interessante Arbeit des 18. Jhs.

Schon aus der Beschreibung des S. Stephansmünsters ergiebt sich, dass seine Bau- ßaUgeschichtc
geschickte in vier Perioden einzuteilen ist:

1. in die Zeit der Entstehung bis zur Mitte des 12. Jhs.;

2. in die romanische Periode, die in der Ueberwölbung der Kirche ihr Hauptwerk
schuf; dann

3. in die frühgothische Zeit, von der nur wenige Reste, vor allem die oberen
Theile des südlichen Hahnenthurms erhalten sind, und schliesslich

4- in die spätgothische Epoche, welche den gewaltigen Umbau zur Hallenkirche
plante.
loading ...