Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

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AMT BREISACH. — BREISACH. 53

bachs 1474 gekommen sein, obwohl auch darnach nur sehr langsam gebaut wurde, so
dass nach den vorhandenen Jahrzahlen erst gegen 1494 die heute noch bestehenden
Theile fertig gestellt waren.

Und zwar hat es den Anschein, als ob die Arbeiten im Westbau schon früher gegen
1485 eingestellt und die ganze Bauthätigkeit auf die Vollendung des hohen Chors kon-
zentrirt worden wäre, nachdem man in den vorhergegangenen Jahren dort im Osten
neben dem Unterbau der Sakristeivergrösserung vor Allem die durch die Osterweiterung
des Chores und die Terrainverhältnisse bedingte Unterkirche vollendet hatte.

Die Fertigstellung des hohen Chors nehme ich bereits vor 1496 an und zwar mit
folgender, vielleicht etwas hypothetisch erscheinender Begründung.

Die langsame Bauweise, mit zeitweiser Unterbrechung der Arbeiten verbunden,
hat zweifelsohne ihren Grund in den nicht genügend vorhandenen Geldmitteln, die beim
Beginn des Neubaus wohl überschätzt in den unruhigen Zeiten eines Peter von Hagen-
bach durch Entziehung der Baumaterialien und ähnliche Eingriffe noch besonders mögen
verringert worden sein. Auch neue Ueberschwemmungen, namentlich eine von 1480,
zwangen die Stadt grössere Summen zur Wiederherstellung der Befestigungen aufzu-
wenden, und zu alledem scheint auch die Verehrung der Heiligen damals etwas nach-
gelassen zu haben, da man eben jene Ueberschwemmung von 1480 als Strafe für die
Vernachlässigung der Stadtpatrone ansah. Die so hart bedrängte Stadt suchte sich mit
allen Mitteln zu helfen. Zunächst ging sie Kaiser Maximilian um Unterstützung an, der
ihr, nach einer im Stadtarchiv aufbewahrten Urkunde IV 198 1493, 'in Anbetracht der
schweren Lasten, die sie wegen des Rheins und Festungsbaues und durch den Wacht-
dienst zu tragen hatte, das Recht verlieh, zu dem bereits üblichen Jahrmarkt auf den
heiig. Kreuztag noch einen zweiten auf Simon und Judae abzuhalten'. Dann sollte
auch die Verehrung der Heiligen wieder gehoben werden und zu diesem Zweck wurde
beschlossen, denselben, gleichsam zur Versöhnung und um dem Zulauf neue Veranlassung
zu geben, einen kostbaren silbernen Schrein anfertigen zu lassen. Als auch hierzu die
Mittel nicht aufzubringen waren, wurde der Bischof von Constanz um Unterstützung
gebeten, der dann auch bereits 1490 auf zwei Jahre einen Ablass von 40 Tagen für die
zum Reliquienschrein Beisteuernden verlieh.

Unter solchen Zeitverhältnissen erscheint es begreiflich, dass die gross angelegte
Bauunternehmung nur ganz langsam vorwärts schritt; ja ich nehme sogar, wie ich schon
oben ausführte, an, dass bereits gegen 1485 der geplante Umbau des ganzen Münsters
aufgegeben und alle Kraft darauf verwendet wurde, wenigstens den Chor zu vollenden.
Darnach sollte die gesunkene Verehrung gehoben und dadurch neue Mittel angesammelt
werden zur Weiterführung der unterbrochenen Arbeiten. 1496 ist der silberne Reliquien-
schrein fertiggestellt, und ich vermuthe nun, unterstützt durch die späteste Jahreszahl 1494
an der wohl als Anbau zuletzt fertiggestellten Sakristei bezw. den benachbarten Taber-
nakel (s. u.), dass die Münsterfabrik zu jener Zeit ebensowenig wie für die Anschaffung
des Reliquiariums zum Bau der Kirche die Mittel besass, mithin damals die Bauarbeiten
ruhten, das was heute vorhanden ist, aber bereits vorher, also vor 1496, vollendet
gewesen sein muss.

Es wäre demnach der Westbau ungefähr in die Jahre 1472 bis etwa nach 1485
zu setzen, der Chorbau in die Zeit von 1473 bis gegen J494> wobei jedoch die eigent-
liche Bauthätigkeit am hohen Chor erst nach 1485 begomien haben mag.
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