Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

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AMT EMMENDINGEN.

24I

mit übergehangenem Mantel und Strahlen-Nimbus der h. Johannes der Täufer dargestellt
mit dem Lamm auf dem Arme. Auf dem inneren Saum des Kleides des h. Wolfgang
steht aufgeschrieben:

O - WOLFGANGE - ORA ■ DEUM ■ PRO ■ MISERIS •
(oben) SANCTVS DOMINVS PRAECEPTOR,
sowie noch einige unleserlich gewordene Zeichen. (Fig. 100.)

Die Innenseiten der Altarflügel sind mit Flachreliefs überdeckt. Links vom
Beschauer findet sich die Enthauptung Johannes des Täufers geschildert und zwar der
Moment, in dem Herodias, begleitet von zwei dienenden Frauen, das soeben abgeschlagene
Haupt vom Henker in Empfang nimmt, während rechts S. Wolfgang in Pontificalkleidung
seinen Segen spendet, in der Linken den Stab haltend, an dem das in der Spatgothik
übliche Sudarium befestigt ist. Im Hintergrund dieser Darstellung sind die hauptsäch-
lichsten Wunder erzählt, die der Heilige vollführte und die namentlich dargestellt zu
werden pflegten; ganz oben die Kirche und das Beil, zur Erinnerung daran, wie er von
hohem Felsen herab das Beil ins Thal warf, um dort, wo es niederfiel, eine neue Zelle
zu gründen; dann der Teufel mit dem todten Hund, wodurch seine Heimsuchungen
angedeutet werden sollen und S. Wolfgang selbst mit einem Knaben, was wohl auf die
ihm zugeschriebenen Todtenerweckungen hinweist. Der Brunnen schliesslich kündet
von der Legende, nach der er in der Wüste durch den Stoss seines Hirtenstabes eine
Quelle hervorgerufen habe.

Die gemalten äusseren Seiten der Flügel stellen das Martyrium des h. Mauritius
und seiner Genossen dar; rechts vom Beschauer der Cäsar mit Gefolge, in der Mitte
die Tödtung der Genossen und links die Enthauptung des Heiligen, vor dem
eine Fahne mit rothem Kreuz und vier Adlern aufgepflanzt ist. Die Gemälde, eine
tüchtige Mittelleistung, stehen der Schule Baidungs nicht allzufem; ihre Formgebung
und Technik stimmt mit derjenigen überein, die sich immer mehr als charakteristisch
für die Malerei am rechten Oberrhein um die zwanziger Jahre des 16. Jhs. heraus-
stellen wird.

Die auf den beiden seitlichen, niedereren Nischen des Mittelschreins stehenden
spätgothischen Holzstatuetten, eine h. Margaretha mit dem Drachen und eine h. Anna
selbstdritt, stammen aus der Kirche, haben aber wohl ursprünglich nicht zu dem Altar-
werke gehört, mit dem sie weder in Zeichnung noch Ausführung gleichgestellt werden
können. lieber den Meister des Mittelschreins ist nichts bekannt, jedenfalls war er ein
bedeutender Künstler, der namentlich in den Hauptfiguren so Vorzügliches leistete, dass
vor allem die Statue des h. Mauritius mit zu den besten Erzeugnissen der oberrheinischen
Plastik im ersten Drittel des 16. Jhs. gezählt werden muss. Die Seitenflügel sind
etwas geringer, ihre Figuren allzu platt gedrückt, wie so häufig in Folge mangelnder
Kenntniss der Erfordernisse des Flachreliefs. — In der Kirche noch zu erwähnen zwei
Renaissance -Schränke.

Am Wirthshause zum Erbprinzen befindet sich ein interessanter, etwas überladen
ausgestatteter und farbig bemalter Wirthsschild vom Ende des vorigen Jahrhunderts '
{Susann Schau ins Land XVHI 45).

Das sonst unscheinbare Haus No. 248 trägt die Jahreszahl 1621. Eine ehemals
in demselben erhaltene Holzdecke, gute Spätrenaissance, ist seither nach Basel verkauft
worden. (B.)

Band VI. 16
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