Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

Seite: 409
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AMT STÄDTEN. — BIKKENBERG. 409

Der Ort war nach manchem Wechsel ritterliches Besitzthum der Familie von Pfirt

und gehörte bis 1797, bezw. 1805 zur vorderösterreichischen Landgrafschaft Breisgau.
An der Stelle, wo die Banngrenzen von Krotzingen, Biengen und Schlaft zusammen-
stossen auf dem heutigen Gewann 'Sinnighofen' lag ehemals das Dorf Innikhofen, mit
eigenem Adel, der daselbst auf einer Burg wohnte. 1542 zum letzten Male erwähnt, sind
Dorf und Schloss seitdem völlig verschwunden.

Ueber dem jetzt als einsamer, unbedeutender Bauernhof (im Besitz der Familie
von Falkenstein) unweit Biengen gelegenen, alten adeligen Sitze des zu Freiburg ver-
bürgerten, ritterbürtigen Geschlechts derer von Tottikoven, steht die Kapelle zum n3£jjj
h. Georg zu Dottighofen (villa Tottinchova 846 Cod. Laur.; curtis de Totinchoven 1179;
Tottikoven zw. 1360 bis 1370 Lib. marc; der Ortsadel erw. zw. 1220 bis 1385), die in
ihrer jetzigen Gestalt nach der Jahreszahl über dem Hauptportale von 1606 stammt,
aber noch wenige Reste spitzbogiger Masswerkfenster eines älteren Baues enthält.

In dem polygonalen Chor, der sich in spitzbogigem Triumphbogen Öfihet, stehen
vor einem mittelmässigen Renaissanceaufbau drei Hofaskulpturen (Fig. 167), in der HoiMkuiptm
Mitte Maria bekrönt, mit lang herabwallendem Haupthaar auf der Mondsichel stehend
und mit beiden Händen das bis zur Hässlichkeit verzerrte Jesuskind mit dem Apfel in
der Hand tragend. Zu beiden Seiten finden sich die Gestalten eines heiligen Bischofs
in vollem Ornate, mit Stab und aufgeschlagenem Buche, und des h. Josephs, bartlos mit
bekrönter Mütze, Schlagbeil und Bohrer in den Händen. Beide Gestalten mit äusserst
charakteristischen Gesichtszügen und in Stellung und Haltung gut, zeigen auch in der
Behandlung der Gewandpartieen Geschick (Behandlung der behandschuhten Hände des
Bischofs) und setzen einen vortrefflich beobachtenden Künstler voraus. Ebenso ist die
Stellung der Maria, wie sie mit vorgeschobener Hüfte das unruhige Kind hält, zwar nicht
graziös und schön, jedoch sicher, gleich wie auch die breiten, etwas bäuerischen Züge
des Gesichtes unmittelbar der Natur entnommen. Bei all' dieser unleugbar scharfen
Beobachtung des Meisters erstaunt man um so mehr über die ganz verzerrte Haltung der
Gliedmassen des Jesuskindes und es ist anzunehmen, dass der Künstler dabei das Unge-
schickte und Unbeholfene der Kindesbewegung auszudrücken beabsichtigte, jedoch seine
Kräfte überschätzend, nur zu dieser abnormen Gestaltung gelangte. — Was diese
Skulpturen aber noch besonders interessant macht, ist, dass eine derselben datirt scheint;
und zwar finden sich auf dem Hefte des Beils, das der h. Joseph in der Linken hält, am
Boden unter dem darüber fallenden Mantelsaum deutlich die Zahlen \ j^|2 (?) eingehauen.
Da nun die drei Figuren unzweifelhaft zusammengehören, so sind wir hier in dem seltenen
Besitze eines genau datirten Werkes. (B.)

Die Datirang ist so, wie sie oben gegeben, m. E. unmöglich, wie ein Blick auf die Skulpturen
beweist, die nicht vor dem Ende des 15. Jhs. entstanden sein können. S. den Nachtrag. (Wth.)

BIRKENBERG

(Birchiberg, s. d. Art. S. Ulrich)
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