Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

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AMT STAUFEN. — STAUFEN.

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Dies 1725 wiederhergestellte untere Schloss (Bezirksamtsgebäude) ist ein aus zwei
im rechten Winkel an einander stossenden Gebäudeflügeln bestehendes Steinhaus mit
einem hochragenden achteckigen Treppenthürmchen im inneren Scheitel, in dem eine
breite Wendelstiege emporführt (s. Fig. 202). Ueber dem Portal des Treppenthurmes
ist das Fragment einer Schrifttafel eingemauert:

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Neben dem Portal ein Wappenstein mit dem Allianzwappen eines Herrn von Wappen*
Staufen und seiner Gemahlin, flankirt von zwei geflügelten Figuren, deren Unterleib in
eine Volute endigt. Ein zweites Steinrelief, beinahe
in derselben Ausführung und mit denselben Wappen
belegt, hat sich auch auf der Gartenseite des Hauses
erhalten {Abb. Schau ins Land VIII 59). Im Inneren
wurde das Gebäude, um es zu seinen heutigen Zwecken
einzurichten, völlig umgebaut. (B.) Interessant der
dreischiffige Keller, dessen Kreuzgewölbe aus Back-
steinen sechs gewaltige Steinsäulen tragen, deren
Schäfte aus Monolithen bestehen und deren Kapi-
telle etwa einer Art etruskischen Kapitells zu ver-
gleichen sind. ,(Wth.)

Rathhaus (Abb. Schau ins Land VIII 17, 27,
32, 42). Das Rathhaus wurde 1546 erbaut, wobei
die Gemeinde von Freiherr Anton zu Staufen ein
zweites Angeld auf allen in Staufen ausgezapften Wein
bewilligt erhielt. Das neue Gebäude besass im süd-
lichen Theile des Erdgeschosses eine offene Laube,
an deren Eckpfeiler der Pranger sich befand. Um
die Mitte des 17. Jhs. wurde dieser offene Raum
zu einer Wachtstube umgebaut. Schon früher, i. J.
1606, war an der Rückseite des Rathhauses ein

Treppenthürmchen, die sogen. 'Schnecken', angebaut worden, wobei die ursprüngliche
Treppenanlage, gerade hölzerne Stiegen, im Innern des Hauses zu Vorplätzen umge-
wandelt wurde (Hugard). (Vergl. Fig. 203.)

In seiner jetzigen Gestalt besteht das Rathhaus mit seinem geschwungenen Giebel
und Glockenthürmchen eigentlich aus zwei Häusern. Der Wiederherstellung vor einigen
Jahren sind zuzuschreiben die Staffelgiebel, der Dacherker, das Glockenthürmchen, sowie
auf dem geschwungenen Giebel die Windfahne und die Füllung des obersten Aufsatzes.
Die nach dem Marktplatz gelegene Facade des Putzbaues birgt im Erdgeschoss drei *
rundbogige Eingangspforten, von denen die mittlere, breitere und höhere am Scheitel
die Jahreszahl 1546 trägt. (K.) Sie ist in den beiden folgenden Geschossen von eng
aneinander gereihten gekuppelten Fenstern belebt, von denen die im Obergeschoss eine
ununterbrochene Reihe bildeten, erst später wurde der jetzt vorhandene Zwischenraum
zugemauert. Auf der Rückseite des Hauses führt in sechseckigem Thürmchen mit

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Fig. 202. Staufen. Bezirksamt. Grundrii
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