Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

Seite: 478
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KREIS FREIBURG.

der Stadtmauer befand, und weil man desshalb hier auch Fenster nach der Stadtgraben-
seite anbringen konnte. Das Haus, jetzt durch vorgebaute Häuser nach allen Seiten
verdeckt, hat seinen ganzen alten Innenbau verloren und wird als Oekonomiegebäude
benützt.

Freihof {Schau ins Land XV 49, 50). Der Freihof, ein Adelsitz innerhalb der
Stadt, war um die Mitte des 16. Jhs. im Besitze des Freiburger Adeligen Trudpert v.
Krozingen, der von den Freiherren v. Staufen auch mit dem Dorfe Feldkirch belehnt
war. Mit diesem Dorfe gelangte der Hof ca. 1553 an seinen Schwiegersohn, Hans
Joppen v. Wessenberg, der den Freihof 1606 an seinen Schwiegersohn, Johann Erhard
v. Falkenstein verkaufte. Im J. 1669 überliess Freiherr Joh. Erh. v. Falkenstein, wohl
ein Sohn des vorgenannten Adeligen, den Freihof an das Kloster S. Trudpert gegen die
Fruchtgilte zu Hausen und 2000 fl. Bis 1894 wurde das Haus als Amtsgerichtsgebäude
benützt. (B.)

Bei der Wittwe des Bildhauers Heinrich Maier eine Sammlung von Altertkümerti,
aus der, soweit ich sie sehen konnte, hervorzuheben sind: eine reiche, spätgothische Holz-
schnitzerei, vielleicht das Obertheil einer Altarnische, abgeb. Schau ins Land VIII 58;
eine gusseiserne Ofenplatte der Frührenaissance, in der Schlossruine Staufen aufgefunden,
abgeb. ebenda 53 ; einige weitere Ofenplatten, darunter eine mit dem Wappen der Herren
von Teufel; Gemälde: Christus am Oelberg, der Schongauerschule nahestehend, und
eine Kreuzigung, geringes Bild aus der ersten Hälfte des 16. Jhs.; eindrittel lebensgrosse
Holzfiguren der hh. Petrus und Paulus aus dem ersten Drittel des 16. Jhs.; Holzfigur
einer sitzenden Madonna mit erhaltenem Kreidegrund, ohne Kind und ohne Hände,
angeblich aus dem Breisacher Münster stammend; einige alte buntbemalte Zunftgläser;
einige glasirte Ofenkacheln, ebenfalls auf der Burgruine gefunden, abgeb. Schau ins Land
VIII 58, u. a. m. (Wtk.)

BURG STAUFEN

Burg (in castro Stouphen 1248 Schoepflin HZB. V 218 FU. I n° 420; 1277
Z. XXI 442; 1298f.; bürg und stette ze Stouffen 1337 Freib. ÜB. I 330; in civitate Stoffen
iuxta portam, que ducit versus castrum retro ecclesiam 1341 (GLA.); bi Stoffen an der
statte 1352 (eb.)

Litteratur: s. oben und bes. Bader in Schau ins Land VIII 37 f. mit Ansicht der
Ruine S. 48. (K.)

Auf der völlig isolirten Bergkuppe über der Stadt Hegen die Trümmer der Burg
Staufen, die, in Folge ihrer Lage eine beinahe uneinnehmbare Veste, allen Verkehr
aus dem Münsterthale nach der Rheinebene vollständig beherrschte (Fig. 206). Man
bedurfte ihrer nach 1606 nicht mehr, da der neuen Verwaltung der untere Hof, der bisher
als Wittwensitz gedient hatte, zur Benützung überwiesen wurde. Sie blieb unbenutzt und
wohl auch unbewohnt und ging rasch ihrem Verfalle entgegen. Im J. 1628 waren die
herrschaftlichen Gebäude, worunter besonders die Burg zu verstehen sein wird, 'in merk-
lichen Abgang geraten, und obgleich sie noch mit 7 Stücklein auf Rädern und 1 o Doppel-
hacken armirt war, ging sie doch im Dezember 1632 unvertheidigt in schwedischen
Besitz über'. Brandspuren an den Ruinen zeigen, dass sie niedergebrannt wurde; wann
solches aber geschah, darüber fehlt jede Nachricht.
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