Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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RUNDSCHAU

SAMMLUNGEN

AMSTERDAM

Das Kupferstichkabinett hat für die Mo-
nate Dezember 1909, Januar und Februar 1910
deutsche und niederländische Holzschnitte von
ca. 1495 bis ca. 1530 ausgestellt. Unter den
113 Blättern ist die deutsche Schule durch Älbrecht
Dürer, den Meister der Petrarca-Illustrationen,
Hans Burgkmair, Hans Leonhard Schäuffelein,
Hans Baidung Grien, Hans Wechtlin (?), Wolf
Traut, Hans Sebald Beham, Heinrich Äldegrever,
Ludwig Krug, Älbrecht Ältdorfer, Wolf Huber
und Lucas Cranach vertreten, die niederländische
durch Jacob Cornelisz. van Oostzanen, Lucas
van Legden, Dirck Vellert, Jan Swart und drei
unbekannte Meister. K. E.

BERLIN

Im Kgl. Kunstgewerbemuseum sind die
Neuerwerbungen des Jahrgangs 1909 zu einer
Sonderausstellung vereinigt worden. Die Ab-
sicht des Museums war, dem Reichtum der vor-
handenen Bestände gemäß, weniger auf eine
große Anzahl von Ankäufen gerichtet, als viel-
mehr auf Kunstwerke bester Qualität, die das
Niveau der Sammlungen noch zu heben ver-
mögen. Die Ausstellung enthält, wie das die
Gelegenheiten des Kunsthandels mit sich bringen,
ein sehr verschiedenartiges Material, das die
Zeit vom XIII. Jahrhundert bis zum Anfang des
XIX. Jahrhunderts umfaßt. Das hohe Mittel-
alter ist allerdings nur durch ein Stück ver-
treten, ein Emailbild aus der Werkstatt des
Nikolaus von Verdun, des fortgeschrittensten
Künstlers unter den Goldschmieden der roma-
nischen Zeit. Auch das ausgehende Mittelalter
hat bloß ein bemerkenswertes Denkmal aufzu-
weisen, die bilderreiche Breslauer Zunftkanne
aus der jüngst versteigerten Sammlung Lanna.
Diese Versteigerung brachte dem Museum außer-
dem eine stattliche Reihe der wichtigsten Werke
der Töpferkunst an farbig glasierten Hafner-
geschirren, Kacheln, Majolika und Steinzeug des
XVI. Jahrhunderts. Der Zeit der Renaissance
gehört überhaupt der größte Teil der Neu-
erwerbungen an; italienische Bronzen, Seiden-
brokate und französische Möbel vervollständigen
diese Gruppe. Von den späteren Möbeln sind
die bereits in die Museumssammlung einge-

ordneten großen Schränke nicht in die Aus-
stellung aufgenommen worden. Daher ist das
XVIII. Jahrhundert vorwiegend durch Porzellane,
sowohl Figuren wie Gefäße, repräsentiert. Der
Klassizismus bildet mit drei hervorragenden
keramischen Werken den Schluß: mit der Port-
landsvase Josiali Wedgwoods von 1792, der
Gruppe der Kronprinzessin Luise von Preußen
und ihrer Schwester Friederike von Gottfried
Schadow und einer bisher wenig bekannten
lebensgroßen Büste’Friedrichs des Großen aus
Berliner Biskuitporzellan, von dem Bildhauer
Riese aus dem Jahre 1805. Die Ausstellung
bleibt bis Anfang nächsten Jahres geöffnet.

FOLIGNO

Die Gemäldegalerie ist im Palazzo Comunale
gut geordnet. Unter den Bildern, die meist von
Ortskünstlern herrühren, sind erwähnenswert:
Nr. 3: Madonna mit Heiligen von 1449, Nr. 4:
Großes Fresko aus der Schule des Niccolo
Älunno, Kreuzigung mit vier Heiligen, Nr. 5:
Mantelmadonna, Nr. 6: Madonna mit Kind,
beide aus der Schule von Foligno, Nr. 7: Chri-
stus im Schoß der Mutter zwischen Heiligen,
Peruginer Schule, von 1513, Nr. 9: Madonna
mit Engeln, von Mezzastris, Nr. 15: Anbetung
der Könige, venetianisch, Nr. 19: Madonna mit
Kind und Stifterin, von einem Nachfolger Alunnos
(1491), Nr. 28: Kreuztragung, XIV. Jahrhundert,
Nr. 29: Martyrium der heiligen Katharina, Fresko
von Ädone Doni, Nr. 32: Madonna mit Heili-
gen, Mezzastris, Nr. 35: Madonna mit S. Fran-
cesco und S. Giovanni; Mezzastris. Der letzte
Saal wurde 1908 pietätvoll zu einem Museum
mit Handschriften, Zeichnungen, Porträts, Diplo-
men und Medaillen des 100 Jahre früher ver-
storbenen, ausgezeichneten Architekten Giuseppe
Piermarini gestaltet.

GUALDO TADINO

Im Corso ist das Haus Fabrizi, ein mittel-
alterlicher Bau, vom Staat erworben worden.
Im nächsten Frühjahr soll daselbst eine kleine
Gemäldegalerie eingerichtet werden, deren Haupt-
stück Niccolo Alunnos Triptychon sein wird.

GUBBIO

Die städtischen Sammlungen waren bisher
im Palazzo Comunale recht ungünstig aufge-
stellt. Unter Leitung des Conte Umberto Gnoli
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