Heidelberger Volksblatt — 4.1871

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D'r Nagglmaier.

Aah die deitſche Orden werre ball all werre, wann
ſe ſo fortreegne. Ma ſieht ball ke Kriegslifferant, ke
Mitglied vumme Erfriſchungscomitee im neie deitſche
Reich mehr, deß nit ſein Bändche im Knopploch odder
ſein Schternche uff d'r Bruſcht hott. Wann die Zeiche
d'r Anerkennung for geleiſchtete G'fälligkeite im Krieg,
die eigendlich norr unſer Pflicht ware, awer ſo fort
vum Himml falle, dann hawe mer ball mehr dekorirte
Ziviliſchte wie undekorirte Soldate, die doch-eigendlich
die Hauptarweit g'ſchafft hawe! Ja, es reegend Or
den! Macht die Knopplecher uff.

Solchem warmen Sommeregen
Unter Gnadenſonnenſchein,
Spannet keinen Schirm entgegen,
Kinder, denn ſonſt bleibt ihr klein

Und ihr wachſet nicht in Ehren
Nicht an Anſehn! - Jſt das gut?
Und ihr tragt auf eurem leeren
Kopf auch einen leeren Hut!

Streut der alte Zeus, der große
Gold herab wie eitel Schnee,
Fangt es auf in eurem Schoße
Wie die ſchöne Danae.

Oder habt ihr ſonſt ein Oertchen,
Das da gerne blizt und gleißt,
Wär's auch nur das kleine Pförtchen
Das im Deutſchen "Knopfloch" heißt?

Einen Tropfen, einen dicken,
Auf das Knopfloch linker Hand
Jedem, den Verdienſte ſchmücken
Um das liebe Vaterland!

Allen wackern Lieferanten
Die geliefert mit Genie,
Sei ein Tropfen zugeſtanden,
Denn Verdienſte hatten diek

Wann Einer eine
Reiſe thut, da kan-
n'r was erzählen -
ohne grad weit kum-
me zu ſein. Per
Exempl derf Eener
norr nooch Schlier-
bach fahre un wid-
der retur, do wer-
d'r finne, daß'es
aachSchtationsglocke
gibt, die for die
Katz dohenke. Jn
Schlierbach wenig-
ſchtens henkt ſoe
Glock, mit der heek-
ſchtenseeKatz ſchbielt,
wann ſe de Schtrick
davun verwiſche
kann, dann ſunſcht
bekimmert ſich Nie-
mand drum, obſchun
fl. 55. - for's Läu-
te ausgewe werre,
deß ma nit heert,
wann'n en Zug an-
kummt, odder ab-
geht. - Ja, heere
Se emool, warum leite Se dann nit, wann d'r Zug
kummt, froog ich kerzlich de bedreffende Bahnwart. -
Wie viel? ſegt'r - ich ſoll leite, un d'r Reſchtaurateer
ſchteckt die 55 Gulde dafor ein? Naan, Hanne! Deß
fellt mer im Draam nit ein. - Scheen wo Ordnung
is, ſag ich. Deß gibt was for's Volksblättl! - Eh
ich vun Schlierbach weg bin, is awer die Schtations-
glock ausnahmsweis doch geleit worre, un zwar vumme
Paſſagier, der ſich iwer die Langweil erbarmt, die die
Glock hawe muß, wann ſe Dag un Nacht norr for die
Katz dohenkt. Jedefalls wär's awer beſſer, wann ſich
emool der bedreffende Bahnhofvorſchtand iwer die Glock
erbarme dhät. Un deß wolle mer hoffe. - Alſo in
Schlierbach war ich neilich, wie Figura Schtationsglock
zeigt. Dagege war ich nit bei der "Schbritz" nooch
Ladeberg, bei weller Gelegenheit e paar Heidlberger
Sänger uff d'r Returfahrt, ſchtaat nooch Heidlberg -,
nooch Mannem kumme ſinn. Ob freiwillig, odder un-
freiwillig, weeß ma nit. Es verrooth Keener was.
Sie ſinn halt endwedder in Friedrichsfeld nit abg'henkt
worre, odder hawe ſich nit abhenke loſſe. Vielleicht
ſinn ſe aah ausg'ſchtigge geweßt un widder in en falſche
Zug eing'ſchtigge. Was kann eem nit alles baſſire,
wann ma e "Schbritz" mitmacht. Wie leicht kummt
ma g'ſchbritzt widder heem. No, Friedrichsfelder
Sand druff, wann noch do is, dann die Mannemer
werrenen ball all for ihr neie Hafe- un Eiſebahnan-
lage g'holt hawe. -

Sei's in Wein, ſei's in Liqueren
Sei's in Leinwand oder Woll',
Jede Leiſtung muß man ehren
War ſie nur verdienſtenvoll

Sei's in Tabak, ächtem Pfälzer,
Ja, war er ſelbſt minder fein,
Ja ſelbſt Waſſer, bloſes Seltſer
Kann oft ſehr verdienſtvoll ſein

Sei's in Würſten oder Schinken,
Linſen, Erbſen, gut ſortirt,
Ja Verdienſte können blinken
Selbſt auf Schwarzbrod, wenn man ſchmiert

Deutſches Vaterland, belohne
All die Theuern nah uud fern
Dem Verdienſte ſeine Krone
Und darunter einen Stern!

Leer ein einzig Knopfloch ſehen
Vaterland, wär' ſchmerzlich doch!
Nein, du kannſt nicht untergehen
Deine Sterne leuchten noch!

Druck und Verlag von G. Geiſendörfer.
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