Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

Page: 120
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdm6bd1/0134
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
120 KREIS FREIBURG.

Von altem Bauwerk ist nichts mehr erhalten; abgesehen vielleicht von den Grund-
mauern des heutigen Gasthauses, welche dem 1717 und 1718 von der Aebtissin zu
Wonnenthal errichteten Badhaus mit 8 Badstuben und Wirthshaus mit 3 Stuben und
5 Kammern angehört haben mögen; aus derselben Zeit stammen wohl auch die beiden
massigen Steinfiguren, die noch heute auf der Brunnenstube hinter dem Gasthaus stehen.

Nach Aufhebung des Klosters Wonnenthal kam die Kirnhalde durch Kauf an die
Grafen Kageneck und ist jetzt im Privatbesitz des Herrn Ganss aus Freiburg. (B.J

BÖTZINGEN

Ob erschaffhausen.

a. 769 Cod. Lauresh. II 550; in pago Brise-
marca Bezingen 1052; villa Bezzingen z. J.

Schreibweisen: in Betzinger marca ;
gowe in villa Pezzinga ad a. 832 eb. 539;
1327 u.s. f.

Römisches: Münze Nero's.

Im Gemeindewald Distrikt I 'Mannenschlacht' sind noch alte Wälle und Ring-
gräben sichtbar; die Zeit ihrer Entstehung ist nicht bekannt. Es geht die Sage von
hier vorgefallenen Kämpfen zwischen Römern und Alemannen. (W.)

Die katholische Pfarrkirche (ad s. Laurentium; plebanus de Betsingen 1239
FUB I 182; 1275 Lib. dec; eccl. Beczingen pertinet Theutonicis in Friburg zw. 1360
bis 1370 Lib. marc. u. s. f.) zeigt noch den mittelalterlichen Chor und Thurvi, welch'
letzterer, dreigeschossig mit einem Satteldach ohne Staffelgiebel, im Glockengeschoss
einfache zweitheilige und spitzbogige Masswerkfenster (Fischblasen) hat.

Der im Verhältniss zum Langhaus breite, von tief ansetzenden Rippengewölben
überspannte Chor (s. Fig. 42) mit schwerfällig plumpen Strebepfeilern im Aeusseren besteht
aus einem rechteckigen Gewölbejoch, sowie einem aus fünf Seiten des Achtecks gebildeten
Chorschhiss und wird beleuchtet durch einfach spitzbogige Masswerkfenster. Die mit
flachen Kehlen profilirten Rippen sitzen auf einfachen unprofilirten Konsolen auf. Die
beiden Schlusssteine sind omamental mit Rose und Stern verziert.

Die links des Chors gelegene und durch ein gothisches Thürchen mit geradem
Sturz zugängliche Sakristei ist in der Tonne überwölbt.

Im Thurm hängt eine alte Glocke, soviel zu ersehen möglich war, von 1682 mit
der Aufschrift:

S- LAVRENTIVS • PATRONVS ■ ECCLESIAE ■ BOEZINGENSIS- (B.)

Sehr alt scheint mir noch die steinerne Altarmensa zu sein. In der Wand der
Evangelienseite rectanguläre Tabernakelnische mit Eisengitter. Ueber dem Portal
Oculus. Orientirung NO—SO. (K.)

Vor der Kirche steht ein Röhrenbrunnen, dessen Brunnenstock aus rothem Sand-
stein eine aus Blattwerk flott hervorragende Säule auf viereckigem Sockel bildet mit
Kugel und Wetterfahne auf dem Kapital und der Jahreszahl 1573 auf dem Schaft.
\c Die oberhalb des Orts Oberschaffhausen gelegene S. AI'bans- oder Pest-

Kapelle ist ein einfacher Putzbau des ausgehenden 15.JI1S. mit schlicht gezeichneten
Gesimsen und Gurten. Das in das flachgedeckte Langhaus führende Portal der Giebel-
seite ist von sich verschneidendem Stabwerk rechteckig umrahmt und der hohe gerade
loading ...