Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 6,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land) — Tübingen u.a., 1904

Seite: 472
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KREIS FREIBURG.

Bezirksamts-

gebäude (Untei

ScWoss)

Ein anderer, steinerner Crucifixus von 1649 steht vor der Stadt am Wege ins
Münsterthal. (B.)

Ursulinerinnenklösterchen. Nach der Zerstörung des Klosters in Freiburg bei der
Belagerung von 1744 erhielten die Ursulinerinnen von Abt Franz von S. Blasien die
Erlaubniss, eine Ordensniederlassung zu Staufen zu gründen und dort den Mädchen-
unterricht zu leiten. Sie erkauften zuerst das 'Jägerhaus' und später einen ehemaligen
Adelssitz an der Marktgasse, an welche eine jetzt verschwundene Kapelle angebaut
wurde. Im J. 1777, bei der Einführung der Normalschule, wurden sie wieder nach
Freiburg zurückberufen (Hugard). (K.)

Leprosenhaus. Das ehemalige Leprosenhaus liegt an dem Vereinigungspunkt
der Krozinger und Kirchhofer Strasse; bei demselben befand sich ein Friedhof und eine
der h. Magdalena geweihte Kapelle. Die älteste der vorhandenen Urkunden stammt
aus dem Jahre 1522; die letzte Leprosin starb in demselben i. J. 1758. Von dieser
Zeit an stand das Haus leer und am 30. April 1786 wurde das Anwesen, mit Ausnahme
der beiden Kapellen (S. Gotthard- und S. Magdalenakapelle} an den Erblehenmaier Jos.
Rinderle verkauft, der das Wohnhaus von Grund aus umbauen Hess. Im J. 1827 wurde
auch die S. Magdalenakapelle, die 1738 noch einen neuen Altar erhalten hatte, ebenfalls
an Kinderle verkauft. Der Friedhof diente im 18. Jh. als Begräbnissstätte für hingerichtete
Verbrecher.

Spital (Schau ins Land VIII 42). Ein Spital erscheint schon 1515, als die Bruder-
schaft der Müller und Bäcker 100 fl. in den Spitalfonds zahlte, um ihre kranken Knechte
hier verpflegen zu können. Aufgenommen wurden Bürger, die Alters halber ihr Hand-
brod nicht verdienen konnten, und Kranke, die ausser Stande waren, dem Almosen nach-
zukommen ; Pilger und Bettler erhielten eine Nachtherberge. Das jetzt noch bestehende
Gebäude wurde 1581 durch den Baumeister Georg Edelmann erbaut.

Seelhaus. Ein Seelhaus befand sich ebenfalls zu Staufen. Da diese Herberge
keinen Fonds besass, haben sich über dieselbe keine Urkunden erhalten. Die Wiese,
auf welcher sie stand, heisst aber noch heute 'das Seelenmättle'.
.s Bezirksamtsgebäude. Das Bezirksamtsgebäude — 'unser (der Freih. z. Staufen)

eigener Hof in der Stadt' 1601 — war mit den dazu gehörigen Zehntscheuern, Trotten,
Schäferhäuschen u. s. w. ein altes Familiengut der Freiherren zu Staufen, welches u. a.
den Wittwen der beiden letzten Freiherren zu Staufen: Anna Wandelbar, Gräfin zu Holach
und Frau von Langenburg, und Margaretha, Erbtruchsässin und Freiin von Waldburg
als Wittwensitz überwiesen war. Am 21. März 1723 befahl die vorderosterreichische
Regierung, 'das baufällige Amthaus' abzubrechen, worauf es 1725 unter Verwendung
von Bautheilen des alten Gebäudes (Keller, Treppen, Fenster u. s. w.) neu aufgebaut
wurde (Hugard).

Indess wird dieses Abbrechen kaum sehr gründlich gewesen sein. Der südwest-
liche Theil, enthaltend den grösseren Raum mit den zwei Fenstern nach jeder Seite und
einen anstossenden schmalen mit je einem Fenster, verräth sich schon durch die Profi-
lirung der Fenstergewände als ein Bau des 18. Jhs. Nun ist aber aussen deutÜch erkennbar,
wo sein Mauerwerk an das des alten Baues anstösst, was wohl kaum möglich wäre, wenn
dieser ganz niedergerissen war und in einem Zug mit dem südwestlichen Theil aufgebaut
wurde. Vielleicht hatte man nur begonnen, diesen Theil abzureissen. Der ältere Bau
hat durchaus, in Fenstergewänden und Allem den Charakter des 16. Jhs. (Wth.)
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