Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 1.1925-1926

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kauf gerichteten Unternehmen eine mutige Lei-
stung. Oswald Bieber hat in einem zurückhalten-
den kleinen Ausstellungsbau einen meisterhaften
Rahmen für diese Art der Darbietung geschaffen:
schön gestaltete Räume sind durch gleiche Tür-
bögen verbunden, deren leichte Schwingungen
durch gut profilierte Toneinfassungen verkleidet,
dem ganzen Hause Rhythmus und festlichen
Klang geben; weißgetünchte Wände und Decken,
der Bodenbelag aus gelben Solnhofer Platten,
hohe Fenster, durch die eine Fülle von Licht
strömt, dienen dem Zweck des Baues. Die Zu-
weisung jedes Saales an einen verantwortlichen
Künstler, dem große Freiheit in der Wahl und
Gruppierung der Gegenstände gelassen war, hat
sich auch bei dieser Ausstellungsform bewährt.
Wohl umfaßt der Begriff „Bayerisches Kunst-
handwerk" ein viel weiteres Gebiet, als es, schon
räumlich, hier zur Darstellung gelangen konnte.
Die Zweige, die vorwiegend von der Fortführung
traditioneller Art leben, treten ganz zurück. Man
empfindet diese Ausstellung als modern, obwohl

alle Dinge fehlen, die, Erzeugnisse neuzeitlicher
Maschinentechnik, am reinsten den Stil der Ge-
genwart ausdrücken. Man hat der Versuchung
widerstanden, vorbildliche Maschinenerzeugnisse
aufzunehmen, hat das Programm unbeirrt fest-
gehalten und so der gestellten Aufgabe am besten
gedient. Andere Ausstellungen, wie die vorzüg-
liche „Form", hätten eine wesentlich tiefere
Wirkung ausüben können, und jedenfalls auch
weniger Widerspruch erweckt, wenn sie in ihrem
Aufbau eine klare Scheidung der beiden Arbeits-
gebiete „Handwerk" und „Maschinenarbeit" neben
der äußerlichen Einheit gebracht hätten, und
nicht den Besucher zwischen zwei Welten zu
pendeln gezwungen hätten. Es ist wichtig, die
Notwendigkeit und Fruchtbarkeit dieser Unter-
scheidung zu betonen im Hinblick auf die für
1927 geplante Ausstellung: Nicht nach Merk-
malen, die die Außenseite der Dinge berühren,
wird man Gruppierungen vornehmen dürfen,
sondern nach ihrer tieferen Wesensart.

G. Frhr. v. Pechmann

RUNDSCHAU

tt a n"dt? tat nTTj cphtitf werbende Kraft. Nicht aufdringlich: eindringlich

FARBE IN DIE SCHULE ^ ^ wirkm „

Das Provinzialschulkollegium der Provinz Bran- ttwucttM
denburg hat in dem Bestreben, auch die Raum- OEFFENTLICHES BAUWEbEJN
Wirkung in die künstlerische Jugenderziehung . Reichspost eine
einbeziehen, an die Leiter der ihr unterstellten ^^V^V^ Bayern entfaltet. Eine
Schulanstalten die löbliche Anregung ergehen f»^£autaUgk edmB yern ^ ^
lassen, bei allen notwendigen Erneuerungsarbeiten Anzahl der neuen 1 ostgeDana,
an Fassaden und Innenräumen möglichst von der kleineren und ^J^^^eten Abbildungs-
Farbe Gebrauch zu machen. Auch bei den Ein- werden in einem ^^ ^n^ Post-
richtungsstücken, den Schränken, Tischen und werk gezeigt, dasunU* dem i. „ kmann
dem Gestühl, die von den Verkaufsfirmen her- bauten in Bayern m er g von ^
gebrachte™ in einem eintönigen glasigen Gelb in München■ «J^-^^Lusehen, wie
£SS Werden> Wild ^ farbiS° B 8 «ÄÄ alten Gasthöfe
t &tgemäße Hinweis auf die Farbe als £Äi*£
künstlerisches Ausdrucksmittel ist sehr zu begru- naJtereieri a , stallet wie man sie
ßen, und er ist vorbildlich nicht nur in der Art der und Freiheit J" ^««^»^ m bestem
Begründung, die davon ausgeht, daß die Schule in amt ichen Baustub n selten * ^
auch äußerlich wieder zu einer Stätte der Lebens- Gelingen ist das überall noc d
bejahung und des Willens zum Leben werden werkbche Können ^J^^^S. Aus
^ß, sondern auch in der verantwortungsbewuß- Ausstattung dieser Banemp.
ten Formulierung, die mit der Anregung zugleich dem Geiste Bauuber^ J ^
die vorsichtige Mahnung verbindet, bei Anwen- funden, aus den Gegeben leiten ü 3 B
d"ng der Farbe stets den Rat von Sachverstän- Sitaatinn gestaltet, mit feinem Gefi^to
d^gen einzuholen. „Rückkehr zur Farbe bedeutet Landschaft in ihre Umgebung ^S ^V
mcht, daß unsere Schulen ,bnnf aussehen sollen. sentieren sich diese Gebaud als nrcpru g
Unser Ziel ist ein künstlerisches. Ob die Lösung Gewächse des Bodens, auf dem »
vor den Augen derer, die den Gedanken über- freut sich solcher lebcnsV0^"rAXX so selten
haupt ablehnen, Gnade findet, braucht uns nicht fentlichen Bauwesens, um omehr dj «e» selten
zu bewegen. Sie muß aber vor dem Urteil Sach- sind, und spendet ihnen fre wdli[da, voUe Lob,
verständiger unbedingt bestehen können. Das das sie verdienen Dieses, Lob ^ mcMver
schließt Buntheit Sinne von Farbenüber- ringert, wenn bei solchem.Anlaß erneut an die N er
treibung und geschmackloser Häufung von vorn- pflichtungen erinnert wird, die die^grol n
herein aus. Jede aufdringliche Lösung gefährdet fentlichen Bauherren gegenüber den Versuchen
unseren Gedanken und die ihminnewohnende jener jungen nicht beamteten Architekten 1

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