Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 1.1925-1926

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Der grüne Dom, das Wahrzeichen der Juhiläumsausstellung (Nachtaufnahme) Arch. Strunk & Wentzlor, Dortmund

DIE JUBILÄUMSAUSSTELLUNG FÜR GARTENBAU
_DRESDEN 1926

VON BAURAT DR.-ING. HUGO KOCH, LEIPZIG

Dresden verfügt wie kaum eine andere Stadt des In-
und Auslandes über eine Ausstellungstradition
aucii auf dem Gebiete des Gartenbaues. 1887, 1896
und 1907 fand hier eine große Internationale,
igoo die große deutsche Gartenbauausstellung
statt und im Jahre 19a! schließlich eine Herbst-
blumenschau. Ihnen allen war ein außerordent-
licher Erfolg beschieden. Nicht anders wird es
mit der diesjährigen Gartenbauausstellung werden,
die anläßlich der Jahrhundertfeier der Flora, säch-
sische Gesellschaft für Gartenkunst und Botanik,
in großem Ausmaß geplant wurde. Sie legt wieder-
um Zeugnis ab von dem hohen Stand der Gärt-
nerei Deutschlands, insbesondere von der Bedeu-
tung der großen Gartenbaufirmen in Dresden und
seiner Umgebung, die sich vielfach Weltgeltung
erworben haben. Sie legt aber auch Zeugnis ab
von einer hohen Auffassung des ganzen Berufes,
die sich darin ausspricht, daß diese großen bedeu-
tenden Firmen sich alle einem Wollen, einer Idee
unterordneten zur Erzielung eines großen künst-
lerisch geschlossenen Gesanileindruckes.
Ein Wettbewerb gab die Grundlage. Der Entwurf
von Gustav Allijiger von der Firma L. Späth in
Berlin, in Verbindung mit den Architekten Strunk
und Wentzler, Dortmund, ging als Sieger hervor.
Es gelang der Ausslellungsleitung, Allinger zur

künstlerischen Durchführung der preisgekrönten
Wettbewerbsidee zu gewinnen.
Die Aufgabe zerfiel in zwei Teile, in die Ausge-
staltung von kurzfristigen Sonderschauen in den
vorhandenen Hallen des Ausstellungspalastes und
in die große Dauer-Gartenschau im Freien. Bei
der Lösung dieser beiden Aufgaben bewährte sich
Allinger nicht nur als Gestalter, sondern auch als
Organisator. Ihm ist es zu danken, wenn in der
.Hallenschau und in der großen Ausstellung im
Freien sich ein Wille durchsetzte gegenüber den
hundertfach verschiedenen Wünschen der ausstel-
lenden Pflanzenerzeuger, Züchter und Kultiva-
teure.

Die Frühjahrsblumenschau in den Hallen bot ein
überwältigendes Bild von der Leistungsfähigkeit
der Spezialkultivateure auf den einzelnen Gebie-
ten des Gartenbaues. Durch klare Gliederung und
Zusammenfassen von Pflanzen gleicher Gattung,
durch Wahl verschiedener Lichtquellen, durch
Wechsel und feines Abstimmen in den Baumfor-
men und der Farbgebung sowie durch Heran-
ziehung der Malerei und Plastik schuf Allinger
überraschende und abwechslungsvolle Bilder von
hohem farbigen Beiz. Die große Seidel-Halle ent-
wickelte er straff und großlinig. Ein langgestreck-
tes Bhododendronparterre betonte die Mitte, die

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