Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 1.1925-1926

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M ITTEILU N G E N
DES DEUTSCHEN WERKBUNDES

BEIBLATT DER „TORM", ZEITSCHRITT TÜR GESTALTENDE ARBEIT
NOVEMBER BERLIN W35, SCHÖNEBERGER UTER 36 a 1925

ZUR FACHARBEITERFRAGE

In einem Aufsatz der Industrie- und Handels-
zeitung nimmt der Reichsarbeitsminister Dr.
Brauns zu dieser Frage Stellung. Seine Aus-
führungen sind für die Kunsthandwerker in-
sofern wertvoll, als sie die Richtung anzeigen, der
entgegengesteuert werden soll. Mit vollem Recht
wird auf die Notwendigkeit der Ausfuhr hin-
gewiesen, die durch allerlei Schwierigkeiten fast
unmöglich geworden, und die augenblicklich nur
denkbar sei, wenn auf Qualität, statt auf Quanti-
tät Wert gelegt würde. Wir haben für die Sorge
des Ministers, ob für Qualitätsarbeit noch ge-
nügend geeignete Kräfte in unserem Lande vor-
handen seien, volles Verständnis; denn Qualitäts-
arbeit kann nur der leisten, der die Fähigkeit und
den AVillen dazu hat. Ich nehme an, daß der
Minister bei seinen Ausführungen auch an das
Kunsthandwerk gedacht hat. Noch haben wir auf
diesem Gebiet einen Stamm von tüchtigen Hand-
werkern, die ihr Fach verstehen; noch könnte
auch ein tüchtiger Nachwuchs herangebildet wer-
den, wenn sich unsere Behörden bei der Be-
arbeitung der Gesetze von geeigneten Fachleuten
beraten ließen. Gewiß hat der Krieg die Heran-
bildung unserer Jugend sehr gefährdet, aber noch
ließe sich der Schaden verringern oder ganz be-
seitigen.

Der Minister erhofft von dem bevorstehenden
Berufsausbildungsgesetz eine Beseitigung der
Schwierigkeiten, er weist dann auf die Entwick-
lung der Fachschulen hin, und hier gehen unsere
Meinungen auseinander. Genau so wie die Aus-
bildung von Geheimräten nicht von Handwerkern
vorbereitet werden kann, ist es auch unmöglich,
daß Geheimräte Gesetze über die Ausbildung von
Handwerkern vorbereiten, ohne sich von ge-
eigneten Fachleuten beraten zu lassen und ihre
im Interesse der Sache gestellten Forderungen
zu beachten. Vergeblich hat sich der Deutsche
Werkbund und ebenso vergeblich haben sich
Innungen in dieser Sache bemüht, sie haben nicht
einmal den Gesetzentwurf zur Kenntnisnahme
erhalten. Ein sachlicher Grund dafür ist nicht
zu erkennen, so daß es den Anschein gewinnt,
daß die Herren die Mitarbeit dieser Fachkreise
nicht nur nicht wollen, sondern sie sogar scheuen.

Schon dieser Umstand erscheint geeignet, in
uns und unserem ganzen Volk das größte Miß-
trauen gegenüber dem vom Minister „erhofften"
Berufsausbildungsgesctz und gegenüber dessen Be-

arbeitern hervorzurufen; denn wenn durch wei-
tere ungeeignete Experimente unser schon jetzt
gefährdetes Handwerk völlig ruiniert wird, so
leidet das ganze Volk darunter, und es ist nicht
abzusehen, ob und wie der Schaden wieder aus-
geglichen werden kann. Wenn die „Heranbildung
von Facharbeitern" durch Schulen erfolgen soll,
wie es den Anschein hat, so müssen wir ernstlich
bezweifeln, daß die darauf zu verwendenden
„Kosten produktiv angelegt sind". Gewiß brau-
chen wir Schulen, aber man hat die bewährten
Handwerkerschulen eingehen lassen und dafür
eine große Zahl neuer Schulen eingerichtet, die
von Fachleuten längst als ungeeignet erkannt und
bezeichnet sind. Das einzige positive Ergebnis
solcher ohne Zuziehung geeigneter Fachleute be-
arbeiteten Gesetze dürfte in der Vergrößerung der
Kosten bestehen. Eine vom Minister empfehlend
angeführte Umlage auf die Lohnsummen, die in
Frankreich zur Deckung der Kosten der Berufs-
ausbildung in Höhe von 35 Prozent eingeführt
sein soll, kann auch bei einem geringeren Pro-
zentsatz nicht dazu geeignet sein, den bei uns
erstrebten Preisabbau durchzuführen; es ist im
Gegenteil nicht schwierig zu erkennen, daß durch
solche Maßnahmen die Preise zwecklos steigen
müßten.

Das Handwerk hat die Aufgabe, wachsam zu
sein, sonst verlieren wir durch die Fehler unserer
eigenen Beamten die letzte Kraft, die uns der
Krieg gelassen zu einem Wiederaufbau: unser
Können. Julius Schramm

*

Für den Sitzungssaal der Farbenfabriken vorm.
Friedrich Bayer & Co., Leverkusen, hat Dietz
Edzard einen Glasfensterkarton gezeichnet, der
von Puhl & Wagner, Gottfried Heinersdorff,
Berlin-Treptow mit allen denkbaren Verfeinerun-
gen ausgeführt wurde. Das Fenster wurde im
Schloßmuseum ausgestellt und wird, bevor es
seiner Bestimmung übergeben wird, auch noch
in den Kunslhallen von Hamburg und Bremen
gezeigt werden. Der Reichskunstwart Dr. Reds-
lob schrieb eine Betrachtung in einer mit vielen
Abbildungen ausgestatteten Denkschrift.

*

Wir werden um Aufnahme nachstehenden Be-
richtes ersucht, den wir infolge Raummangels in
der vorigen Nummer nicht mehr unterbringen
konnten:

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