Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 1.1925-1926

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MITTEILUNGEN

DES DEUTSCHEN WERKBUNDES

OKTOBER 1926

Am 16. Oktober findet in Berlin eine Sitzung
unseres Vorstandes und Ausschusses statt. Auf der
Tagesordnung steht als erster und wichtigster
Punkt die Inlernationale Werkbundausstellung
1930. Vor allem soll, wenn irgend möglich, die
Stadt bestimmt werden, die für die Ausstellung
in Frage kommt. Es bewerben sich vor allem die
Städte Berlin, Köln und Düsseldorf um die Aus-
stellung. Ferner wird ein Bericht über den Gang
der Vorarbeiten der Ausstellung in Stuttgart 1927
entgegengenommen. Ort und Thema der nächsten
Tagung sollen ebenfalls erörtert werden.

Oberbürgermeister Dr. Böß hat die an der Vor-
standssitzung teilnehmenden Vorstandsmitglieder
zu einer Besichtigung des Ausstellungsgeländes der
Stadt Berlin auf den Funkturm eingeladen.

Auf der Geschäftsstelle sprechen öfters Mitglieder
aus dem Reich und Persönlichkeiten des In- und
Auslandes, die an der Entwicklung der neuzeit-
lichen Architektur starken Anteil nehmen, vor und
es hat sich die Notwendigkeit ergeben, eine Auf-
stellung der neueren Architekturschöpfungen in
Berlin zusammenzustellen. Wir bitten unsere Mit-
glieder, die neuere Bauten geschaffen haben, uns
diese mit möglichster genauer Angabe der Lage
zu nennen. Weiterhin empfehlen wir unseren Mit-
gliedern, die die Reichshauptstadt besuchen, auf der
Geschäftsstelle vorzusprechen, wenn sie sich über die
■neuesten Bauwerke unterrichten wollen. Wir möch-
ten aber auch den Arbeitsgemeinschaften diese An-
regung für ihr Gebiet weitergeben und sie bitten,
uns dann in Abschrift die Liste der neueren Bau-
ten ihres Gebietes zu übersenden, damit wir vor
allem die Besucher des Auslandes auf solche be-
merkenswerten Bauten in der Provinz aufmerksam
machen können.

In der Notiz über die Finanzlage des Österreichi-
schen Werkbundes in der vorhergehenden Num-
mer wurde gesagt, daß die Wiener Werkstätte
der schlechten Finanzlage zum Opfer gefallen sei.
Da verschiedene Leser diese Bemerkung so aufge-
faßt haben, als ob die Wiener Werkstätte nicht
mehr arbeite, möchten wir feststellen, daß dies
noch der Fall ist und verschiedene Maßnahmen ge-
troffen und in Aussicht genommen worden sind,
die für das Weiterbestehen und vor allem das Wei-
terarbeilen der Wiener Werkstätten Gewähr bieten.

In dem Preisausschreiben der Ufa zur Erlan-
gung eines geeigneten Plakats für den Faust-Film
ist der erste Preis auf den Entwurf unseres Mit-
gliedes Karl Michel, Berlin, gefallen.

Wir beklagen den Tod zweier Mitglieder: Am
22. Juli ist Hubert Slruokmann, Inhaber der
Werkstätten für Holzbearbeitung in Bückeburg,
und am 11. September Dr. phil. Walter H. Dam-
mann, Direktor des Kunstgewerbemuseums der
Stadt Flensburg, gestorben.

Am 1. Oktober ist der verdienstvolle Reorgani-
sätor des Kunstgewerbeschulwesens, Geheimrat
Mutkesius, der Referent für das Kunstgewerbe- und
Baugewerbeschulwesen am Handelsministerium,
nach dem Überalterungsgesetz in den Ruhestand
getreten. Das Referat für die Kunstgewerbeschulen
wurde dem Ministerialrat Dr. Günther am Han-
delsministerium und das Referat für die Bauge-
werbeschulen dem Obersludiendirektor der Bau-
gewerkschule Neukölln, Professor Peters, über-
tragen.

Kleine unansehnliche weiße Fähnchen an den
Straßenbahnen und Autobussen der Stadt Berlin
kündigen an, daß sich in den Ausstellungshallen
am Kaiserdamm eine Polizeiausstellung befindet.
In drei Ausstellungshallen ist verschiedenes Mate-
rial aus dem Gebiete, die die Polizei bearbeitet,
oder mit denen sie nur irgendwie zusammenhängt,
ausgestellt worden. Den größten Teil nehmen Er-
zeugnisse von Firmen ein, die eigentlich nur sehr
locker mit dem Thema der Ausstellung zusammen-
hängen, z. B. Büromaschinen, Automobile. Wenn
die Ausstellung auch nicht die direkte Aufgabe
hatte, gute Form zu zeigen, so muß doch gesagt
werden, daß die ganze Aufmachung der Ausstel-
lung von der Einrichtung eines Ehrenhofes über
die Ausgestaltung der Hallen bis zu den bild-
lichen Darstellungen wie Statistiken wirklich nicht
im geringsten der Bedeutung entspricht, die einer
Ausstellung dieser Art in der Reichshauptstadt
zukommt. Die Ausstellungsleilung verkennt offen-
bar den Wert einer guten und schönen Aufmachung
und wir halten uns verpflichtet, auf diese starke
Vernachlässigung hier aufmerksam zu mächen.

Im wenig günstigen Lichthof des ehemaligen Berliner
Kunstgewerbemuseums ist eine Ausstellung aufge-
baut: Das Frauenkleid in Mode und Malerei in
zwei Jahrhunderten. Die Besucher sind Kunslge-
wcrbes'chülerinnen, Mädchenschulklassen und
Schneiderinnen. Gemälde, die das Kleid in den
zwei Jahrhunderten zeigen sollen, sind nicht be-
sonders glücklich ausgewählt und zusammenge-
stellt. Man hat offenbar alles genommen, was zu
erreichen war und was eine Frau im guten Kleid
darstellte, ohne immer zu berücksichtigen, ob es
sich um eine wirklich typische Darstellung der
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