Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 1.1925-1926

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ein einzelner schöner Gegenstand noch lange mene Logik, und doch schillern sie in sinn-

nicht „Kunst" bedeutet, sondern daß erst licher Schönheit wie ein Opal — Vorzüge,

die Gesamtheit der Gegenstände, die ein Ge- die früher oder später auch ihren Weg in

meinwesen erschafft, eine Epoche zu einer unsere anderen Kunstformen finden wer-

künstlerischen gestaltet. Wenn dieser Be- den. Das Shelton Hotel ist ein Versprechen

wegung Zeit gelassen werden wird, in sich für <jie Zukunft, wie es die vierdimensio-

selbst zu reifen, so glaube ich, daß wir in nalen Zeichnungen Claude Bragdon's und

unserm täglichen Leben die Grundlage für die Photographien von Alfred Stieglitz

unsere neuen Formen finden werden und gind Ebengo wie eg die dem Augß wahr.

sie nicht in den Lebensgewohnheiten un- nehmbare Musik dcr Wilfred'schen Far-

serer kolonialen Vorväter oder gar in den be j des „ciavilux", ist. Dies sind

noch entlegeneren Gepflogenheiten der In- . , . . T . , . , , , •,.

.. 0 , , , zwar nicht die ersten Lichtstrahlen, die

durch das dicke schwarze Gewölk dringen,

dianer zu suchen brauchen.

Wie diese neuen Ausdrucksformen ans

T . , . j . . ,..i-> .. das der Pionier über uns gebreitet hat;aber

Licht treten werden, ist natürlich unmog- ° .

lieh vorauszusagen; doch möchte ich glau- immer zahlreicher, immer mannigfacher

ben, daß sie sich bereits in den Werken brechen sie hindurch, und vielleicht sind

unserer besten modernen Maler ankün- sie die Boten> die uns verkünden, daß das

digen. Aus den Werken von Marin, O'Keefe, Morgenrot der Form in der amerikanischen

Dove, Pach, Sheeler, Demuth spricht ein Zivilisation nicht mehr fern ist.
kristallklarer harter Geist, eine vollkom- (Deutsch von Margarete Mauthner)

I

DIE WERKSTATTGRUPPE
DES DEUTSCHEN WERKBUNDES

n diesem und in den nächsten Heften werden tanische Formrichtung nicht recht hineinpaßt,

eine Anzahl Arbeiten von Mitgliedern der Werk- teils weil sie zu viel Mühe macht und deshalb

stallgruppe abgebildet. Es sei deshalb kurz an zu kostbar wird. Wo findet man heute noch

die Ziele und Aufgaben dieser Gruppe erinnert. edle Tauschierarbeit, wo echte Gobelin-Hand-

„Wer eine handwerkliche Technik künstlerisch weberei? Wer beherrscht noch die alte Sgrafilto-

beherrscht", kann ihr angehören. Kunst-Hand- Technik, bei wem bekommt man einen wirklich

werker, Künstler-Handwerker also sind in ihr zu- edlen Steinschnitt? Die Meister in der Werk-

sammengeschlossen. Der Ton soll aber sehr auf slatlgruppe sind wohl überhaupt so ziemlich die

dem Wort „Handwerker" liegen. Das Handwerk- einzigen dieser Art, die es in Deutschland gibt,

liehe soll nicht nur die technische Grundlage bil- Aber auch die noch gebräuchlicheren Techniken,

den, es soll auch die Gesinnung, die innere wie die Kunstschlosscrei, die Goldschmiedekunst,

Stellung zum Werk bestimmen, und mit der Ge- die Glasmalerei und ähnliche besitzen nur wenige

sinnung auch den Geist, dem die künstlerische Vertreter, die sie über den handelsfähigen, messe-

Form Ausdruck gibt. Meister der handwerklichen fähigen guten Durchschnitt hinaus wirklich auf

Technik, aber gleichzeitig auch Meister der Form die Höhe einer Kunst heben. Denn um das zu

soll das Mitglied der Werkstattgruppe sein. tun, muß man viel Idealismus besitzen. Ein

Es ist in der Gruppe manche handwerkliche Goldschmied, der Mitglied der Werkstaltgruppe

Technik vertreten, die heute schwer zu ringen ist, wies darauf hin, daß er durch Ausleihen des

hat, teils, weil sie in die gegenwärtige puri- in seinem Gold, Silber, Edelgestein steckenden

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