Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 1.1925-1926

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WETTBEWERBE

EMessegelände Berlin
s ist das einzige Verdienst dieses Ausschreibens
— sein ganzer Aufwand wäre sonst vertan —,daß
es uns die außerordentliche Leistung Scharouns
schenkte, wahrhaftig schenkte. Denn er sah das
Problem so: Menschen auf und über ein Gelände
zu führen, auf dem sie mit Darbietungen über-
schüttet, auf dem sie von den Leistungen einer
tätigen und schaffenden Welt aufgereizt, auf dem
ihnen neue Begriffe von Arbeit und Tatkraft ein-
geimpft, auf dem sie kritisch aufbereitet und
aus dem sie schließlich ein wenig wissender, ge-
hobener und nachhaltig beeindruckt und ange-
spornt, ja auch eingewiesen wieder entlassen
werden sollen. Denn dies ist eine wichtige Auf-
gabe, sogar durchaus die wichtigste Aufgabe dieses
Unternehmens, daß es nicht eines Geschäftes
wegen (was ja doch nur ein schlechtes Geschäft

wäre), sondern um einer Kundgebung willen ver-
anstaltet wird : nämlich um kundzugeben, woran
wir zu arbeiten, wohin wir uns zu richten, wohin
der Marsch jetzt zu gehen hat. Scharouns Pro-
jekt „Spinne" ist das Organ dieser Kundgebung,
ist selbst eine Kundgebung. Und spielend führt
er die Menschen über das Gelände und mit sou-
veränem Taktan die Dinge hin. (Nur Kosinas Ar-
beit hat ein ähnliches Problem wenigstens in der
Zange, im ganzen und im einzelnen, doch ist es
nicht bezwungen.) Was aber war das Problem der
anderen? Sie fragten: Wie lege ich meine Achsen,
wie arrangiereich die Baumassen, wie teile ich das
Gelände, wie erziele ich Monumentalisierung, wie
gestalte ich einen imposanten Paradeplatz und wie
stelle ich um ihn herum dieFronten auf, hinter
denen dann die Schaustücke mit den goldenen
Medaillen und den ehrenvollen Auszeichnungen

Wettbewerb Messegelände Berlin. Entwurf „Spinne" Lageplan Architekt Prof. Hans Scharon». Breslau

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