Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 1.1925-1926

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BÜCHER SCHAU

Le Corbusier, Kommende Baukunst. Deutsch von
Prof. Hans Hildebrandt. 23.'! Abbildungen. Geb.
12 Mark. Deutsche Vcrlags-Anstalt, Stuttgart.

„Von kommenden Dingen", so benannte Walter
Rathenau eines seiner hellseherischen und weg-
weisenden Bücher. „Kommende Baukunst", so
hat — vielleicht in bewußter Anlehnung — Hans
Hildebrandt jetzt den Titel von Le Corbusiers be-
kanntem Buch „Vers une Architecture" übersetzt,
das er, sehr zur rechten Zeit, in deutscher Über-
tragung vorlegt. In einer ausgezeichneten Über-
tragung überdies, die — ein seltener Fall — auch
den sprachlichen Beiz des Originals erhalt, die
Knappheit und Präzision des Ausdrucks und den
fast lyrischen Unterton der logischen Deduktion,
und die damit auf ihre Weise den scharfzüngigen
Ausspruch Lcssings widerlegt, wonach auch die
besten Übersetzer Verhunzer wären. Und so liest
man aufs neue, und mit erneutem Vergnügen,
diese klaren, geschliffenen Sätze, die einmal mehr
die primitiven und ewig gültigen Gesetze des bau-
lichen Gestaltens umschreiben, ausklingend in
einer dreifachen Mahnung an die Architekten:
diese elementaren Wahrheiten nun auch mit der
Tat zu bekennen bei den Bauaufgaben der Gegen-
wart, die ihrer gestallenden Arbeit erweiterte Mög-
lieh keilen, reichere Ausdrucksmittel und vielfach
verbesserte Werkzeuge bietet. Das Schlußkapitel
zeigt dann an einem praktischen Beispiel, an einer
der dringendsten Bauaufgaben unserer Zeit, dem
Wohnungsbau, wie ein Problem, richtig gestellt
und konsequent behandelt, unabweislich auch
zu neuen Geslaltungsmethoden und damit auch
zu neuen Formen führt. Dieses mutige
Buch, geschrieben mit soviel klugem Verstände
wie warmblütiger Empfindung, ist ein Produkt
jenes schöpferischen kritischen Geistes, der die
klassischen Werke der Aufklärungszeit schuf, und
wie diese geeignet, dem gesunden Menschenver-
stände auf die Spur zu hei Ten. W. G. B.

#

Probleme der angewandten Kunst. Heraus-
gegeben im Auftrag des Kunstgewerbevereins
zu Hamburg von Alfred Rohda und Hans Dören.
Verkauf durch die Geschäftsstelle des Kunst-
gewerbevereins Hamburg 5. Preis io Mark.

Diese kleine Schrift, die der Kunstgewerbeverein
zu Hamburg seinen Mitgliedern als Jahresgabe
für 1926 auf den Büchertisch legt, macht den
Herausgebern alle Ehre. Die Beiträge stehen
dem Gehalt wie der Gestalt nach auf ungewöhn-
licher Höhe. Neben der Wahl der behandelten
Probleme ist es vor allem die Art der Betrach-
tung, die zu höchstem Respekt vor der geistigen

Führung und schöpferischen Arbeit dieses Ver-
eins zwingt. Neben allgemeinen Fragen der
Kunstpolitik und Kunsterziehung, der Wirtschaft
und Gesellschaft werden aktuelle Probleme, wie
die der Mode, der Buchgestaltung, der far-
bigen Architektur u. a., sachlich, fachlich, knapp
und anschaulich und mil wohltuendem Weit-
blick abgehandelt. Dazu hat Frilz Schumacher
eine feinsinnige und tief schürfende Unter-
suchung beigesteuert, die dem geheimnisvollen
Wesen der Zahl im Leben des Kunstwerks nach-
spürt und die Gedanken über die wechselnden
Probleme des Tages hinaus zur Erkenntnis ewiger
Wahrheiten hinwendet. Diese wertvolle Jahres-
gabe, die in würdigster Art für den beteiligten
Verein wirbt, erscheint auch äußerlich, in der
Druckgestaltung und mit ihren Bildbeigaben in
kraftvollen Holzschnitten hamburgischer Künstler,
in der anziehendsten Form: sie verdient auch in
weiteren Kreisen bekannt und beachtet zu wer-
den. W. G. B.
*

Offsei-, Buch- und Werbelcunst. Offset-Verlog,
1 .eipzig.

Zeitschriften für bestimmte Berufsgebiete und Ge-
werbezweige haben meist den Nachteil, daß sie in
der Ausstattung in geschmacklicher Hinsicht seilen
etwas zu bieten haben, und auch literarisch, wo
sie über die rein technischen Angelegenheiten des
Berufsgebiets hinausgreifen, auf keinem hohen
Niveau stehen. Eine Ausnahme machen einige
Fachzeitschriften auf dem Gebiete der angewand-
ten Graphik, da hier das Geschmackliche im all-
gemeinen ziemlich hoch bewertet wird. Die Hefte
der Offsei-, Bucii- und WerbekunSt, die im Off-
set-Verlag, Leipzig, erscheinen, dürfen als gute
Erzeugnisse dieser Art gellen. Zu rühmen ist be-
sonders, wie der Anzeigenteil mit den Abbildungen
und den Beilagen in der Ausstattung des Gesamt-
heftes zu einer Einheit verschmolzen wird. Ein
reichhaltiger Bildschmuck, der sich nicht auf ein-
zelne Stile oder Bichtungen festlegt, sondern nur
Qualitätserzeugnisse herausstellt, gereicht dem
Ganzen zum Vorteil. Ein bestimmtes Gebiet wird
in einzelnen Nummern zusammengefaßt, auf das
sich auch das Bildmaterial erstreckt, so daß das
erste Heft dieses Jahres die Packung, das zweite
Hell den Kalender und das drille I lel'l Bäder- und
Reisereklame umfaßt. Die Beiträge sind teils in
einem leicht plauderhaften Ton gehalten, teils er-
örtern sie grundsätzliche Fragen. In der Rubrik
..Werk und Werkzeug" werden interessante Ver-
fahren und technische Neuerungen beschrieben
werden. Erste Mitarbeiter auf künstlerischem Ge-
biet bürgen für die Qualität der Ausstattung. L.

V E R A N T W OBTLIC II F Ü Ii BliS INHALT: D It.-I N G. WALTER C U It T BEHRENDT, BERLIN W 35

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