Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 1.1925-1926

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JOHANNES MO LZ AHN, MAGDEBURG, PLAKAT

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Ökonomie der reklame-mechane

VON JOHANNES MOLZAHN, MAGDEBURG

Reklame ist ein an die Stellesetzen, ein Dafür- tion des Werkvorganges beruht, ebenso wie auf

stellen, Vorstellen, kurz eine Repräsentation des energetischer und Materialqualität des Fertig-

Betriebes, der Produktion. fabrikats. Qualität des Materials und vollendete

Umsatzeinleilung, Umsatzsteigerung ist Sinn und Funktionseigenschaft sind elementarste Voraus-

Zweck einer jeden Reklame, denn Umsatz ist Setzung und empfindlichster Wertmesser in der

Umwandlung der passiven Energie der Fertig- Hand des Verbrauchers.

fabrikate in aktive Energie der Produktionser- Herz und Nerv der Industrie sind die Elementar-
neuerung; Umsatz ist der Lebenssinn überhaupt, kräfte des Wassers, des Windes und des Feuers,
die Dynamik des Daseins, der ewige Kreislauf, bzw. deren Umformungen in motorische Ener-
auch in den Naturvorgängen gegeben. gie: Dampf und Elektrizität; erst damit be-
Der in dem Reklame- oder Propagandaplan ge- kommt die gesamte Produklionsmechane den
gründete Organismus ist in gleicher Weise emp- Sinn und die Möglichkeit. Ohne diese Nutzungs-
findlich, wie es der Betriebsvorgang ist; jede kräfte ständen unsere Maschinen tot und ver-
Versäumnis, jeder organische Mangel registriert lassen in den Fabrikgehäusen. Diese Selbstver-
sich haarscharf in der Umsatzleistung und in ständlichkeit soll doch erinnert. werden, weil ja
den Jahresabschlüssen. Dieser Organismus baut immer wieder festgestellt werden kann, wie jede
sich auf den gleichen Gesetzen auf, die jeder menschliche Leistung nach dem gleichen Zusam-
Maschine, jedem Werkzeug und dem Gesamt- menhangsschema verläuft, dieselben Beziehungen
Vorgang zugrunde liegen. aufweist. Unter solcher Parallelsetzung gewinnen
Ich will versuchen, diesen Gesetzen auch in dem wir auch einen guten Gesichtspunkt, die Grund-
Werbevorgang nachzugehen. Nicht das gesamte züge des Propaganda-Organismus zu erkennen
weite Gebiet der Werbemöglichkeiten soll be- und dessen ökonomischen Aufbau zu versuchen;
handelt werden, denn diese beginnen ja bereits denn das Ökonomiegesetz bestimmt hier noch
bei der Architektur des Produklionsgehäuses und mehr als auf anderen Leistungsgcbielen den
erstrecken sich über den ganzen Produktionsvor- Plan und die Mittel. (Und es ist in dieser Hin-
gang, der sowohl auf der Vollkommenheit der sieht durchaus nicht richtig, daß eine Reklame
Maschinen und auch der umfassenden Organisa- nur laut und lärmend sein müsse, so wenig wie

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