Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 1.1925-1926

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MITTEILUNGEN

DES DEUTSCHEN WERKBUNDES

NOVEMBER 1926

Nachdem die Mitglieder des Vorstandes am 15. Ok-
tober einer Einladung des Oberbürgermeisters von
Berlin, Dr. Böß, Folge geleistet haben, um das
Ausstellungsgelände bei Witzleben zu besichtigen,
fand am 16. Oktober eine Sitzung des Vorstandes
und Ausschusses in Berlin statt. Die Aussprache
über den ersten Punkt der Tagesordnung „Pro-
gramm und Art der Internationalen Aasstellung
1930" nahm den ganzen Vormittag in Anspruch.
Die Versammlung nahm zuerst die Berichte über
das Ausstellungsgelände der drei Städle Köln, Düs-
seldorf und Berlin entgegen. Nach lebhafter Dis-
kussion wurde folgender Antrag angenommen:
„Der Vorsitzende nimmt von den im Vorstand und
Ausschuß zum Ausdruck gebrachten Auffassungen
Kenntnis. Der Vorsitzende wird ermächtigt, ge-
meinsam mit einem Ausschuß die Verhandlungen
weiterzuführen und sofern die Bedingungen des
Deutschen Werkbundes erfüllt werden, selbstän-
dig bindend abzuschließen.'' In diesen Ausschuß
werden folgende Mitglieder gewählt: Bruckmann,
Mies van der Rohe, Riemerschmid, Riezler, von
Pechmann, Poelzig und Fischer-Essen. Am Nach-
mittag berichtet Stolz über die Vorarbeiten zu der
Ausstellung „Neues Wohnen" in Stuttgart und
teilt mit, daß von der Stadt folgende Architekten
mit Bauaufträgen im Rahmen der Ausstellung be-
traut werden sollen: Oud-Rolterdam, Frank-Wien,
Döcker-Sluttgart, Schneck-Stuttgart, Gropius-Des-
sau, Häring-Berlin, Hilberseimer-Berlin, Mies van
der Rone-Berlin, Rading-Breslau, Taut-Berlin,
Tessenow-Dresden, Corbusier-Genf, Stam-Haag,
Mendelsohn-Berlin.

Als Tagungsort für die Jahresversammlung 1927
wird Mannheim- gewählt; dort sollen die Sitzun-
gen abgehallen werden und am dritten Tage soll
sich ein Besuch der Stuttgarter Ausstellung an-
schließen. Auf Anregung Wienbecks sollen auf
der nächsten Tagung die Probleme des Handwerks
erörtert werden. Die Vorschläge Wienbecks sol-
len von einer Kommission weiter bearbeitet
werden.

*

Im Anschluß an die Vorstandssitzung hat die aus
sieben Mitgliedern bestehende Kommission ein
vorläufiges Programm für die Ausstellung auf-
gestellt, welches der Reichsregierung und der
Stadt Berlin vorgelegt wurde. Obwohl die Ver-
treter der Stadt Berlin bereit schienen, dieses
Programm anzunehmen, machte sich sehr bald in
zahlreichen Presseartikeln und Äußerungen das
Bestreben bemerkbar, den Ausstellungsgedanken
im Sinne der Interessen einzelner Personen und
Verbände abzubiegen, wodurch eine allgemeine

Verwirrung in die Öffentlichkeil getragen wurde.
Der Deutsche Werkbund hat nicht die Absicht,
von dem aufgestellten Programm irgendwie abzu-
weichen und findet dabei die Unterstützung der
maßgebenden Kreise. Ehe der Ausbau der Orga-
nisation und die Aufstellung eines endgültigen
Programms festgelegt werden, wird der 7er-Aus-
schuß das Ergebnis seiner Verhandlungen dem
Vorstand vortragen und dann wird eine größere
Kommission für die Bearbeitung der einzelnen
Fragen eingesetzt werden.

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Am 13. Oktober wurde in Köln eine Arbeitsge-
meinschaft des Deutschen Werkbundes für Köln
und die Rheinlande gegründet. Zum 1. Vorsitzen-
den wurde Josef Feinhals und in den geschäfts-
führenden Ausschuß Geheimrat Professor Richard
Riemerschmid, Dr. Karl With und Paul Jan. Mäu-
rer gewählt. Dem engeren Arbeitsausschuß ge-
hören an Stadtbaudireklor Abel, Architekt F. Fuß,
Architekt Riphahn, Museumsdirektor Schäfer und
Dr. Wachsberger. Jedoch soll der Arbeitsausschuß
in den nächsten Wochen wesentlich erweitert
werden.

*

Dr.-Ing. W. C. Behrendt, bisher Oberregierungsrat
im Wohlfahrtsministerium, ist zum Ministerialrat
in der Hochbauableilung des Finanzministeriums
ernannt worden.

Der Werbegraphiker Max Burcharlz, Bochum, hat
einen Lehrauftrag an der Essener Kunstgewerbe-
schule erhallen.

Wir beklagen den Tod unseres Mitgliedes Archi-
tekt Ernst Weinschenk, Mainz.

*

In der im nächsten Sommer stattfindenden 3. In-
ternationalen Kunstgewerbe-Ausstellung im Kö-
nigspalast zu Monza wird Deutschland, wie im
letzten Jahre, amilich vertreten sein. Die Lei-
tung der deutschen Ausstellung, die wiederum
neun gutgelegene Räume angewiesen bekommt, ist
Professor Bruno Paul, Berlin, übertragen worden.
*

Im Spätherbst findet in Tokio in dem neuerrich-
teten Ausstellungsgebäude im Cenopark eine deut-
sche Kunstausstellung stall, die Werke der Malerei
und Plastik sowie eine Anzahl moderner kunst-
gewerblicher Erzeugnisse umfaßt. Die Zusammen-
stellung des Materials für die kunstgewerbliche
Abteilung haben Dr. Riezler, Stettin, und Archi-
tekt Otto Baur, Berlin, besorgt.
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