Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 1.1925-1926

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modischen Erscheinung handelt. Danehen schöne
echte Kleider des Rokoko, liebevoll gestickt, ge-
rafft und genäht in den weichen abgestuften Farb-
klängen dieser Zeit. Die neuen Kleidschöpfungen
sind lieblos und ohne Raffinement aufgestellt, es
handelt sich um besseren Durchschnitt, dem man
anmerkt, daß er von einem „Haus" zur Verfügung
gestellt wurde, um der Ausstellungsleitung einen
Gefallen zu tun, und daß man ängstlich bemüht
war, nichts zu zeigen, was ein anderer hätte ko-
pieren können. Am gefälligsten in der Aufstellung
zeigt sich das Seidenhaus Michels & Co. mit einer
geschmackvollen Drapierung. Das schlechteste ist
eine Vitrine mit Schmuck, in der ausgerechnet
Pforzheimer Massenware und die schlechtesten
Einzelstücke, die es auf diesem Gebiete gibt, ge-
zeigt werden. L.

Reklame als Lehrjach. An der Handelshochschule
Berlin wurde am 4. Oktober unter starker Beteili-
gung die erste „Werbeunterrichlliche Woche'' er-
öffnet, die der Verband Deutscher Reklamefach-
leute E. V. mit Unterstützung des Ministeriums
für Handel und GeSverbe veranstaltet. Zur Eröff-
nung waren erschienen Vertreter des Handelsmini-
steriums, des Provinzialschulkollegiums und der
Handelshochschule Berlin, die Grüße und Glück-
wünsche ihrer Behörden übermittelten. Auch der
Magistrat der Stadt Berlin war durch die Deputa-
tion für das Fachschulwesen vertreten. Die Ver-
anstaltungen der Woche, an denen Reklamefach-
leute und Handelsleiter aus allen Teilen des Rei-.
ches und aus dem Auslande teilnehmen, sollen
durch Ausbildung von Fach-Lehrkräften die
Grundlage zur Einführung des Werbc-Unterrichts
an Handels- und Fachschulen, Hochschulen usw.
schaffen. Neben einer Reihe von Vorträgen und
Übungen umfaßt das Programm verschiedene Be-
sichtigungen und Führungen, so durcli einen gro-
ßen Zeitungsbetrieb, der den Teilnehmern die
Wichtigkeit und die Bedeutung des Zeilungswesens
auch in der Reklame vor Augen führen wird.
Weitere Besichtigungen erstrecken sich auf die
Büromaschinen-Abteilung einer Großbank, auf das
Psycholechnische Institut der Technischen Hoch-
schule, die Werbeabteilung eines großen Spezial-
geschäftes, eine Annoncenexpedition und Reklame-
Agentur und das Osram-Lichthaus.

Handbuch des Kumtmarktes. Kunstadreßbuch
für das Deutsche Reich, Danzig und Deutsch-
Österreich. ArLtiqua-Verlagsgesellschaft Hermann
Kalkoff. Berlin 1926. Preis 25 Mark.
In dem etwa 800 Seiten umfassenden, dennoch
handlichen Buche in schlichtem, fein gezeichneten
Einband mit dem anspruchslosen Titel „Handbuch
des Kunstmarktes" vermutet man zunächst nur ein
ausführliches, ausschließlich dem Kunsthandel ge-
widmetes Anschrif tenverzeichnis. Aber dieser
Band, dessen gewissenhafte Bearbeitung unend-
liche Mühe gekostet und größte Sorgfalt erfordert

haben muß, ist mehr als ein solches Nachschlage-
werk. Vertieft man sich erst einmal in die über-
sichtlich und geschickt angeordneten Anschriften-
reihen, die über vierzigtausend Namen nennen und
in ihrer zweckmäßig-knappen Fassung anfangs so
nüchtern erscheinen, und versteht man auch ein
wenig zwischen den Zeilen zu lesen, so bekommt
man einen überwältigenden Eindruck vom weit-
verzweigten und vielseitigen Bereich deutscher bil-
dender- Kunst überhaupt, von ihrem bedeutungs-
vollen Einfluß im täglichen Leben, mit dem sie
durch ein vielmaschiges Netz zahlloser feinge-
sponnener Fäden tausendfach innig verknüpft ist.
Das von Dr. Max Osborn geschriebene Geleitwort
trägt zu nicht geringem Teil dazu bei, daß man
den Wert des Handbuches richtig einzuschätzen
und die gebotenen Möglichkeiten auszunutzen ver-
steht.

Das schnelle Auffinden von gesuchten Anschriften
wird durch ein alphabetisches Ortsregister am An-
fang des Buches und dadurch ermöglicht, daß eine
klare sachliche Gliederung in geographische und
berufliche Gebiete durchgeführt ist, zunächst nach
Ländern, in Preußen auch nach Provinzen, und
dann nach Städten. Innerhalb der Städte sind
zuerst verzeichnet: Verwaltungsstellen, Museen,
Archive, Bibliotheken, Hochschulen, Unterrichts-
anstallen, Vereine und Verbände. Dann folgen
in langen Beihen die in den Berufsgruppen alpha-
betisch geordneten Namen der Architekten, Gar-
tenarchitekten, Bildhauer, Maler, Graphiker,
Kunstgewerbler (auch der Kunstgewerbe-Werk-
stätten und -Handlungen), der Restauratoren,
Kunstgelehrten und -Schriftsteller. Ferner sind
genannt: die Kunstsammler, -Verleger, -Antiqua-
riate, -Ausstellungen und -Händler; die Industrien
und Fachmaterial-Vertriebsstellen. Außer diesen
unter den einzelnen Städten verzeichneten An-
schriften sind nochmals besonders und im Zu-
sammenhang angeführt die Denkmalpfleger im
Deutschen Reiche und im Freistaat Preußen und
die verschiedenen Vereins- und Verbands-Organi-
sationen, jeweils nach den betreffenden Landes-
oder Ortsgruppen zusammengestellt. Durch eine
Zeilschriflenschau am Schluß des vortrefflichen
Buches gewinnt man einen Überblick über die vor-
handenen Fachzeitschriften für die einzelnen Be-
rufe, für Kunst und Unterricht, Heimatkunde,
Sammelwesen und dergleichen mehr.

Für alle die Vielbeschäftigten, die häufig, schnell
und mit sicherer Aussicht auf genügend aufschluß-
reiche und gewissenhaft bearbeitete Angaben nach
Anschriften aus den genannten Gebieten suchen
müssen, ebenso für amtliche Stellen, öffentliche
und private Einrichtungen, Vereine und Verbände
wird das „Handbuch des Kunstmarktes" von größ-
tem Nutzen sein. Es wird wertvolle Dienste leisten
und zeitraubende, oftmals vergebliche Arbeit spa-
ren helfen, so daß man dem handlichen Werk
weiteste Verbreitung wünschen kann. J.M.W.

VERANTWORT LI CH FÜR DEN INHALT: DR. LÖTZ, BERLIN W 35, SCHÖN EBERGER UFER 36 A, 1
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