Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 1.1925-1926

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Am 27. Januar veranstaltete der Münchner Bund
für den nach Köln berufenen Geheimrat Rie-
merschmid einen Abschiedsabend, an dem in
humorvoller Weise der Scheidende als Hoch-
zeiter zwischen zwei Bräuten, der Monachia,
die er im Stich ließ, und der zukünftigen Co-
lonia, mit einem Polterabend gefeiert wurde.
Die Auftretenden in dem vom Hochzeitslader
angesagten Festspiel waren im ersten, dem
Münchner Teil, natürlich die neun Musen und
die Isar-Athene. Vier brave Feuerwehrleute (im
Hauptberuf Professoren) sangen das Abschieds-
lied, worauf Monachia (die ebenso wie Colonia
als Puppe neben dem Bräutigam figurierte) in
Ohnmacht fiel und von Sanitätern herausgetra-
gen werden mußte.

Der zweite Teil spielte am Bhein. In Köln er-
warteten den Hochzeiter sangesfrohe Studenten,
die Loreley, der Vater Rhein, die im Kölner
Dom ruhenden heiligen drei Könige und die
elftausend Jungfrauen (die in lustigster Weise
stilisiert waren). Das Münchner Kindl mit Maß-
krug und Radi ließ am Ende noch von seinen
Gesellen das künftige Denkmal im Modell dem
Verdienstvollen überreichen. Vater Rhein sprach
das letzte Wort, ließ den Hochzeiter, Colonia
und sich selbst hochleben.

Eine tüchtige Kapelle von Schülern der Kunst-
gewerbeschule begleitete die Vorführungen und
später auch den Tanz.

In Offenbach haben die Stadtverordneten 6 Ate-
liers für junge Künstler und Kunsthandwerker
in städtischen Neubauten vorgesehen und diese
zur kostenlosen Benutzung jungen Kunsthand-
werkern auf drei Jahre zur Verfügung gestellt.
Dieses Vorgehen der Stadtverwaltung Offenbach
verdient Beachtung und Nachahmung.

Professor C. Lennartz, der Direktor der Hand-
werker- und Kunstgewerbeschule in Kiel, ist
zum Direktor der Handwerker- und Kunstgewer-
beschule in Krefeld gewählt worden.

Architekt Karl Wiehl, Donaueschingen, ist als
Lehrer an die Kunstgewerbeschule in Frank-
furt a. M. berufen worden, wo er als Assistent
von Baudirektor Professor Elsaesser die Innen-
architekturabteilung und den Werkstättenbetrieb
leitet.

An die Kölner Werkschulen ist unser Mitglied,
Architekt Dominicus Böhm, berufen worden, der
früher Hauptlehrer an den Technischen Staats-
lehranstalten in Offenbach war. Es soll dort
seine Aufgabe sein, auf dem Gebiete der christ-
lichen Kunst eine fruchtbare Zusammenarbeit
mit dem von Professor Fritz Witte geleiteten In-
stitut für religiöse Kunst anzubahnen.

Unser Mitglied, Frau Eramy Zweybrück-Pro-
chaska, Kunstgewerbliche Werkstätte, Wien, hat

auf der Internationalen Kunstgewerbeausstellung
in Paris 1925 für die von ihr ausgestellten Ar-
beiten von der Jury die goldene Medaille („Me-
daille d'or") erhalten.

Bei einem Wettbewerb zur Erlangung eines
Entwurfs zu einem Neubau einer Kirche mit
zwei Pfarrhäusern, Küsterhaus, Gemeindehaus
und Konfirmandensälen für die evangelische Kir-
chengemeinde in Völklingen/Saar, der für die
Architekten des Saargebiets, des Rheinlands und
ganz Süddeutschlands freigegeben war, erhielt
unter 16/I eingegangenen Entwürfen unser Mit-
glied Herr Architekt L. Nobis in Saarbrücken
den 2. Preis.

Aus Mitgliederkreisen liegt bei uns die An-
frage nach Angabe geeigneter Firmen nach-
stehender Wirtschaftszweige vor:

1. Hersteller von Gas- oder Elektrizitätsherden,
die automatisch auf einen bestimmten Wärme-
grad eingestellt werden können,

2. Firmen für Geschirrabwasch- und Kältema-
schinen.

Von der im Jahre 1922 im Verlag Recken-
dorf erschienenen Zeitschrift „Die Form" fehlt
uns Heft 1. Wir bitten diejenigen Mitglieder,
die von dieser Nummer noch Exemplare übrig
haben, uns einige Stücke für unser Archiv gegen
Erstattung der Kosten zu überlassen.

Bücherbesprechungen

F. H. Ehmcke. hat bei der C. H. Beckschen
Verlagsbuchhandlung in München eine Samm-
lung von 160 seiner Kennbilder (wie er das
Wort Signet übersetzt) herausgegeben. Sie sind
nach der Zeit ihrer Entstehung geordnet und
umfassen eine Auslese seines Schaffens auf die-
sem Gebiet aus der Zeilspanne von vierundzwan-
zig Jahren. Hier spiegelt sich die Entwicklung
seines graphischen Schaffens auf einem Ge-
biet, das eine der stärksten Seilen seines Kön-
nens bedeutet. Während bei den Marken nach
1900 das Dekorative und Bildhafte hervortritt,
schält sich dann immer mehr das Gegenständ-
liche als formbestimmend heraus. Der Gegen-
stand bestimmt die Form, aber es entstehen
nicht Stilisierungen, Reduktionen vom Bildein-
druck, sondern das Wesen des Dargestellten
bestimmt die knappe klare Form und schafft
sie. Ebenso geht die Führung vom Bild der
Buchstabengruppe zum Einzßlbuchstabeh über,
der sich seine Form bestimmt.
Es braucht kaum gesagt zu werden, daß das
Bändelten einen wichtigen Beitrag zur Entwick-
lung der neuzeitlichen Gebrauchsgraphik bildet;
es gestattet auch Durchblick in das Wesen der
neuzeitlichen Formgestaltung, was sich aus der
Bedeutung Ehmckes ergibt. Man wird gern darin
blättern, alte gute Bekannte treffen und sich
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