Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 1.1925-1926

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Herrmann Gerson, Berlin Herrmann Gerson, Berlin

Abendcape aus geblümtem Brokat Abendmantel aus lila Samt mit Chinchillakragen

auf himbeerfarbener Seide

J'hot. Krnst Sandau, Berlii

allein die zu sein, auf ihrem Gebiel die rastlos tälige
Phantasie des Menschen zum Ausdruck zu brin-
gen, auf der Grundlage animalischer Unverdor-
benheilen, die uns nicht immer bewußt sind.

REQUISITEN DER MODE:

Die Requisiten der Mode sind zahlreich und ihre
jeweilige Erfindung geht, wie wir noch besonders
feststellen werden, in die Jahrtausende zurück. Sie
stellen Ergänzungen der menschlichen Bekleidung
dar und haben wie diese sich aus dem angebore-
nen Schmuckbedürfnis des Menschen heraus zu
Attributen und Symbolen der menschlichen Da-
seinsäußerungen entwickelt. Als solche begleiten
sie den Menschen durch alle Zeiten seiner Ge-
schichte und sind immer, wie die Kleidung, der
vollendete Ausdruck seiner inneren Erlebnisse und
sichtbare Äußerungen seiner jeweiligen sozialen
Stellung. Ihre Herstellung hat zu allen Zeiten und
bei allen Völkern die besten Künstler und Kunst-
handwerker beschäftigt, und nicht zuletzt waren
sie schon immer Gegenslände des Tausches und des
Handels der Völker untereinander, ja man kann
behaupten, daß jeglicher Handel überhaupt von

Gegcnsländen des Schmuckes und den Materialien
zu ihrer Herstellung seinen Ausgang genommen
hat. Waren die Hersteller dieser Dinge in frühe-
sten Zeiten wertvolle Sklaven und Leibeigene, so
waren sie später hochgeachtete Handwerker, deren
besondere Leistungen für ein Land von größter
Bedeutung waren. Heute sind Industrien an die
Stelle von Handwerkern getreten und die Ma-
schine ist zu einem Werkzeug vervollkommnet
worden, das imstande ist, Handarbeit zu er-
setzen und damit auf unsere Art die Dinge um
uns'zu gestalten. Bei dieser Gestaltung handelt es
sich, bei Requisiten der Mode, nicht um eine Neu-
gestaltung, denn die Urformen von Hut, Schuh,
Handschuh, Fächer, Schirm oder Muff sind als
gegeben zu betrachten, sondern es handelt sich
vielmehr darum, diesen Dingen, hei ihrer heutigen
Herstellung, den Ausdruck zu verleihen, der die
heulige Zeit ebenso kennzeichnet wie die uns über-
lieferten Gestaltungen den Menschen und den Geist
früherer Zeiten. Das Studium der Vergangenheit
ist, nur wertvoll, wenn es den tätigen Menschen in
dieser Absicht bestärkt. Es lehrt ihn aber auch,
daß gerade in der Mode ein ,,1'art pour l'art"

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