Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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geordnrtkn-Bersammlung in ErwLgung. Sie
faßt die endgiltigen Beschlüsse übrr diefenigen
Anträge der Versammlnng der Bundesabge»
vrdneten, welche nicht der Ziistimmuiig der
Vertretungskörper in den einzelncn Staaten
bedürfen. ' Sie läßt die mit ihrer Eanction
Versehen BundeSgefetze sowohl durch daS Direc-
torium als in den einzelnen Stagten verkün.
digen. Sie pflegt Berathung wegen thun.
lichster Förderung der Ausführung über die-
fenigen Anträge dcr Versammlung der Bnndes-
abgcordneten, über welche der endgiltige Be.
schluß den verfaffungsmäßigcn Gewalten der
einzelnen Staaten zusteht. (Art. 11 u. 2l.)
Sie prüft die Borstellungen und Beschwerden
dcr Versämmlung der Abgeordneten in allge-
meinen Bundesangclegenheiten, und läßt dem
D.irectoriüm die betreffenden Enkschließungen
zugehcn. Sie kann.alle für das Gesammt.
Vaterland wichtige Angelegeiiheiteii in dcn KreiS
ihrer Berathung ziehen. Ueber/folgende Ge-
genstände: Aufnahme neuer Mitglieder in den
Bund, Aenderung dcs Siimmverhältniffcs im
Bunde bci verändertem Befltzstande der Bun-
desglieder, — steht dic Schlußfaffung aus-
schließlich der Fürstenversammlung zu.

Abschnitt V. Das Bundesgericht.
Artikel. 26. Doppelte Eigenschaft des Buii-
resgerichtks. DaS BundeSgcricht entscheidet,
im Namen des deutschen Bundes, theils in
richterlicher, theilS in schiedsrichterlichkr Eigen-
schaft.

Artikel. 27. Richterliche Wirksamkeit deö
BundesgerichteS. Das Bundesgericht in seiner
richterlichen Eigenschaft kann angerufen wer-
den: 1) von BundeSregierungen »der von
P.rivatpersonen gegen den deutschen Bund,
wenn erstere gegen letztcren Ansprüche aus
privatrechtlichen Titeln crheben, und ein be-
sondcrer GeriLtsstand hierwegen nichk begrün-
det ist; 2) von Privatpersoncn gegen mehrere
Bundcsglieder, wenn bestritten ist, welche der
letzteren eine Fordcrung der ersteren zu be-
friedigen haben; 3) von Pri'vatpersonen gegen
den Souverü», die Civiüiste vder dcn Staats-
fiskus eines einzelnen Bundesstaates, wcnn
wegen der bchaupteten, aus privatrechtlichen
Titel» beruhenden Forderung in der Verfassung
oder Gesetzgebung deS betreffenden Staates
kein Gerichtsstand begründet ist; 4) von Pri-
vatpersonen behusS der Lröffnung des Rechts'-
wegeS gegen eine einzelne Buiidesregierung,
wenn ersterc auj Grund der Verfassung und
der bestehenden Gesetze des Landes und nach
Erschöpfung der landesgesetzlichen Mittel der
Abhülse, über Verweigeruiig oder Hemmung
der Rechtspflege Beschwcrdc sühren; 5) von
BundeSregierungen gegen andere Bundesre-
gierungen, wenn der klagende Theil Befrie-
digung einer Geldforderung oder Ersüllung
eines, privatrechtliche Leistnngen betreffenden
Vertrages oder «Lchadloshaltuiig wegen Nicht-
erfüllung eineS jolchkii Vertrages verlangt;
6) in denjenigen Fäüen, für wclche dem Bun-
desgerichte, mil Zustimmung dcö Directoriums
und des BundesratheS, durch die Verfassnng
oder Gesetzgebung eines Ei'nzelstaateS eine
richterliche Gewalt besonders übertragen wer-
dcn sollte; endlich tritt 7) in Fällen, wo es !
flch zwischen zwei oder nehreren Mitgliedern !
deS Bundes um den vorläufigen Schutz dcs !
jüngsten Besitzstandes handelt, das BundcS- !
gericht an die Stelle des nach Art. 20 der
Wiencr Schlußacte zu bezeihnenden obersten
GerichtShofs.

Artikel 28. Schiedsrichterliche Wirksämkeit
deS Bundesgerichtes. Der schiessrichterlichen
Entscheidung des Bundesgcrichtes werden vom
Directoriuni nach vergeblich versuchter Ver-
miltlung, auf Äerlangen des einen oder des !
anderen der streitenden Theile überwiesen: 1)
alle nicht zu der im Art. 27 unter 5 erwähn- ^
ten Kategorie gehörigen Strcitigkeiien zwischen >
Mitgliedern des BundeS; 2) Streitigkeiten ^
zwischen Mi'tgliedern regicrender deutscher Fa- z
milien übcr Thronfolge, Regentschaft, Regie- ^
rllngSfähigkeit, Vormundschaft, sowie über An- '
sprüche an das Hausfideicommiß, insoferne
nicht über das Verfahren in dergleichen Strei«
tigkeiten ugd deren Entschksdung durch die Ver-
faffung deS betreffenden LandeS, Hausgesetze
oder Verträge besonderc Bestiininung getroffen
istz 3) Streitigkeiten zwischen der Regierung

eknes Bundesstaates und ei'nzekney Bercchtig-
ten, Corporationen oder ganzen Klaffen, wenn
dieselben wegen Verleßung der ihnen durch die
Bundesvrrfaffung (Art. 13 biS 18 der Bun-
desacte) gewährleisteten Rechte Klagc führen;
4) Streitigkeitcn zwischen der Regierung und
der Landesvertretung eines BundesstaateS über
AuSlegung oder Anwcndung der LandeSver-
faffung, sofirne zur Austragung solcher Strci-
tigkeiten nicht schon anderweitig Mittel und
Wege gesexlich vorgeschrieben sind, oder die-
seiben nicht zur Anwendung gebracht werden
können.

(Schluß folgt.)

Deutscher Abgeordnxtentag.

tFortsetzung )

BeSer uod Welcker haben gimeinschallltch solgendeii
Anlrag formnlirt: ,Dic znm zwcttin deutschcn «bgeord-
netentage «ersammellen deulschen «bgeoidnelen sprechen daS
drtngende Bertangen auS: 1) daß die deulsche Retchooer-
saffnng, wclche tn den Zahren 1848 und I84g »on der
gesetzmäßtg bernfenen, oerfassungSgebenden Naltonalver-
sammlnng berathen, beschloffen und «ertündet wurdc, bal-
dtgft tn's ieben trele; 2) daß deßhalb daS dentschc Parla-
ment schleuntgft etnberufcu werde; und Z) daß diesem
Parlamente alle Anlräge, wclche anf etnc z-ltgrmäßc Lr-
gänznng der Rclchsocrsaffung und der Vornahme ctwa noth-
wendlgcr Abändcrnngen ztilcn, namenlltch allc Abände-
illngSvorschtägc tcr Rcgieiungen, zur Beschlußnahmc oor«
gclegt werten."

Hr. Dr. Karl Grün sprtcht sür scinen Autrag. Com-
petent zur Entschetdüng der dcutschen Verfaffungsfragc tft
nur das Partament. DteskS müffe beiufcn werdcn. Jm
'letztcn Absatz deS AntragS deS Rrdncrs sct dtc Abscudung
etnrr Dcputation ln den Schooß dcS FüiftcncongriffcS be-
antragt, um dcmselbea dte Beschluffc deS AbgeordnetentageS
zu übergeben.

Hi. Ammermüller von Stuttgart: Dte AnSschuß-
anträge bchandeln den österrcichischcn Enlwurf ,mit Sammt-
hantschllhin". Dle Bcrsammlnng solle ftch unverholen auS-
sprechcn und namrntltch betonen, daß dte Fürstcn ntcht daS
Recht haden, etnscittg über da» dcutschc VersajsungSwerl
zu »erfügen und daß dtc RetchSverfaffung daS poftttve Recht
sct. Rcdner behält ftch »or setnen Antrag zurückzuzlehen,
falls er stch mll Welcker uzrd v. Sybel über ctne gcmeln-
saMc Fassung etntgen lönne.

Hr. Ftscher von BreSlau sprtcht sür etnc Starkuug
dcr Centralgiwalt, dte nur tn der Hand eincs Etnzigen
setn kann, »tcht etuem Directortum anhclmgegebcn wcrden
dürse. Man solle bct der Retchsvcrsaffung stehen bletbcn.
Redncr beantragt schltcßltch, dte Fürften und Prcußen um
dtc Annahme der Rrtchsvcrfaffung zu bttten. Es set fret-
ltch nur ein Versuch. Wcr dt- Centralgewalt überntmmt,
der soll der deutsche äkaiser setn.

Hr. Schulzc-Delttzsch. Da« österretchtsche Rcsorm-
project führt nlcht znr Besiicdtgung deS nattonalen Bc-
dürfniffcS, sondern nur zur Abwelchnng von dem nationalen
Rcch». Dt- Vorlagen sctcn trotzdcm etn Zetche», daß auch
tn den Kretscn dcr deulschen Fürsten das nationate Gc-
wiffcn -rw-cht. Fretltch wollc man ntcht dtc alte Schnld
an daS Volk bezahlen, fondern dcrselben auswetchen. Etue
Durchsührung des öfterretchtschen ProjectS würdi den bundcS-
tägltchen Zammer »erewtgen. Daffelbe etnfach annehme»
wollc Ntcmand. Abcr eS frage ftch, ob <S abzulehnen sci,
wte Wclcker und Bccker wolleu, odcr ob man, wie der
AnSschnß, dtc Bedtngungcn sür etnc Btfferung wolle. Auf
dem Wege d<S bloßen AblehnenS wcrde man zu einem
Parlamcnt schwerer gelangen. Habe man erst ctn Parla-
mcnt a«s frcien VolkSwahlen, so werde daffclbe dtc Rcchtc
dc« dentschen VolleS wahrcn, eS wtrd dte «ctteren Bahncu
fiuden. Elne unbedingte Ablehnung wcrde den Fürstcu aus
etner schwercn Vcrlegenheit helscn. Mau solle dtc Fürftin
festhalten bet thrcm Wort, ftc werden sich selbft Concurrcnz
machcn, Geistcr rufcn, die sie später ntcht banncn könncn.
R-dncr spricht nur gcgen dtc außcr dcm AuSschußantrag
»orltcgcndcn Anträgc. Etnc Depulatton an dte Fürften
abzusenden habc Ictnen Sinn, und der Köntg von Prcußen
set unmögllch als Vertrctcr der Spttzc Deutschlands. Einc
preußtsche Spttze set jctzt in Dcutschtand unmögltch. DaS
set ein beschämendcs Geständntß für ctnen Prcußen, abcr
turch tle Vcrhältniffe gcboten. Man sollc die iftltchen
Piostnzin PreußenS tu dcn Bund ausnehme», um Prcußcn
den GroßmachtSiitzrl gründltch zu veitrctben und cr zu
ctner rcin deutsche» Macht ,u machcn. Wclcker; ES sci
etn Mtßverstäudntß, daß er dte Pryjecte dcr Fürftcn ohue
WcttcrcS ablehne, cr habe vtilmchr tn sctnem Antrag auS-
drückltch gesagt, daß ftc angcmesscn .berücksichttgt" werdcn
solltcn.

Trabcrt von Hanau. Der Antrag dcr Commtssion
sct zu dtplomatlsch, dtc Gegenanträgc ntcht poltllsch gcnng.
Man solle dcm östcrretchischcn Project ketn andcreS ent-
gegenstellcn, wenn man hinter daffelbc kclnc Macht stelleu
kaun. Uül eS durchzusetzcn, gchört dtc Gcwalt dcr Rcvo-
lution; abcr dte haben wtr nicht, köonen sie anch ntcht
wachrnfen. Gcgen dtc Ihatsächitchen BundcSverhältniffc
s-Ien dtc österrctchtschen Vorschläge -tn Fortschritt. DaS
mögc man anerkcnncn, aber auch dtc Brdingnng stellcn,
daß zur Rattsicatton deiselben eine Nattonalversammlung
berufcn werde. Zn dieser Rtchtung stellt dcr Redner ctnen
Antrag, welcher mtl eincr Anmahnung an das dcntschc Volk,
da« Rccht »°n 1848 und 1849 hcrzustellcn, schllcßt.

Es tst 1>/, llhr. Dcr Präsidcnt «crtagt dte Sitzung
btk 2>/r Uhr.

(Fortsetzung solgt.)

N-chd-m sämmtliche »on Mitglt-d-rn d-r V-rs-mmlung
gestellte Anträge zmückgezogen, wurden schlt-ßltch nachstehende
5 Rcfolutlonen mkt fotgenden Zusatzanträgen der Commts» >
sion, sast elnsttmmtg -»genomm-n: , f

,DIc ständige Eommtsfton wird beauftragt, dem
wittcren Verlaus dcr vruesten Rcfoimbestrcbungcn thre

bcsondere Aufmcrlsamkett zuzuwenteu, «nd wenn Er>
rigntffc «tntriten oder vcränderte Vorlageu ersolgen,
welchc etae Thätigk-tt dc« Abgeordnctentage« noth-
weudtg machcn, sosort die erfordcrlichen Schritte zu
thnn, namentltch etue auß-rord-ntltch- Bcrsammlung
des Abgcoidnetentage» zu veranlaffen, auch t» geeig-
ncten Fälle» »orläusig, Eiklärungen auf d-r Grund-
lage der Beschlüffe des AbgeordnctentagS tu Bertre-
tnng deffelbe» abzugcbcn."

I. Der d-utsche «bg-ordnetcnt-g -rbltckt i» der felbst-
Ihätig-n Zoittattve d-S KatjerS »»n Oesterretch, zur An<
bahuung -Incr dcutschcn BnndeSicform, nnd tn dcr berett-
«tlltgcn Thetlnahme s-ft allcr Fülstcn und der srcten Stadtc
DeutschlandS an dtoscm Wcrke, ctn erfrcultcheS Zengnlß
der allciwärtS flegietchen U-berzeugung »on d-r Unzuläng-
ltchk-tt der bestehcnden BuudrSformen und »on d-r drtngcn-
dcn Nothweudigkcit ihrcr N-ugcstaltung. Ob er in dtcscr
Thatsachc zuglctch dte Bürgschaft schen dars, d-ß da« gnte
R-cht dc« d-utschen VolkS auf -inc sciner würdtgen Vcr-
faffung, nach wiiderhotlcn unsruchlbarcn B-ibctßungen, end-
ltch zur Ersüllung komme, da« wtrd zunächst »on dem wci-
tercn Eutgcgcnkommcn ter deulschen Fürsten nnd Rcgke-
rungen abhängen.

II. Zwar kann d-r Abgeordnetentag auch jctzt NUI voa
eincr bundesstaatlichcn Einheit, wlc sic tn der dcutschen
Relchsversaffung »om 28. März 1849 thrm rechlllchcn
Ausdrnck gefuaden h-t, dtc vollc Bcfrtcdtgung der Bedürf-
ntffe erhvffen, wclche dic Frcthett wic dtc Etaheit, dtc
Sicherhctt wte die Macht d-r deutschen Natton gebietct;
tndcffen uuter den g-gebenea V-rhältntffcn, zumal der tu-
ncren Krctscn und der sortdancrnden äußercn Bcdrohnug
gcgenübcr, tst der Abgcordnctcntag ntcht tn der Lage, zn
dem österretchtschcn Entwnrfe, wekcher den Staalenbund
mit ctner engerrn collegtalen Er-eutt« nnd mit etner
Vertretung zu reorgantftreu sucht, ßch lcdigllch v-rnetn-ad
zu verhaltcn.

ttt Wohl aber muß er cinc Rethe »on einzelnen Be-
sitnnnungen der „Reformaete" für höchst bedeäkltch erachten
und vcrmag insbcsondcre tn der Art und Besugntß der
Vertrelung, wte sic durch D-lcgtrt- tcr -tnzeln-n Stände-
versammlungcn zusammcngcsetzt wcrdcn soll, wcdcr dte für
dte Frcthett noch dte für dlc Etnheit nolhwendigen Bürg-
schaften zu s-hen, vtclmehr muß cr dte Btldung etner turch
dic Natton fret uud unmittelbar crwählten Rcpräseutatton
als dtc uncrläßltche Vorbedingung jedeS Gclingen« be-
zcichncn.

IV. Dcr deutsche Abgeordnetentag betrachtet scrner die
Ancrkennung vollständtger Glctchbeicchttguug der betdea
Großmächtc tm Staatendunde als etn Gcbot dcr Gerechttg-
l-tt wie der Polilik, nnd hält den Ausschluß d-r. vor dem
Jahrc 1848 nicht tn den deutscheu Bund ansgenommcnen,
prcußlschen Provinzen sür unvcrctnbar mit den Foidcrungen
dcr sestcrc» Etatgung und Stärkung dentscher Kraft, aus
wclchc ctnc jcde Rcform dcs Bundes htnstreben muß.

V, Unter allc» Umständcn sicht ftch der deutschc Abge-
ordnetcntag zu der Eikliinng g-druug-n, daß e> »oa dcm
clnsetttgen Borgehen der deutschen R-gieillngen etne ge-
dethltchc iösung der nationalen Rcform ntcht zu crwarten
»ermag, »telmehr die Bcrufung etner dcntschen National-
versammlnng anf Grundlagc der Rormen, wclche dte dentschc
BundcSvcrsammlnng selbst ta thren Bcschlüssen vvm 30.
März und 7. Aprtl 1848 ausgrstcstt hat, und dtc Zustim-
mung dtcscr Nattonalversammlung als uanmgängltch- Er-
gänzung bczetchncn muß. Zu tcr so bcrufcncn V-rtritung
wird dcr Wtlle der gcsammten Natton zu setncm bcrech-
ttgten AuSdruck gelaugen; ihr wtrd I» znkouimin, dcn ihr
»orzulcgendrn Eatwurf sowohl tm Ganzcn alS im Ein-
zelnen zu prüfen nnd dte Abinderungcn zu erwägcn, untcr
welchen fie thre Zusttmmung geben kann, auf daß ntcht
aus dem begonncncn Werke, statt etncr Erhcbung und lkräf-
tlgung zum nattonalcn Leben, etge Schädtgung dcr scho»
erworbencn R-chte und Frethettcu erwachsc.

Vermischte Nachrichtrn.

Frankfurt, 22. Aug. Hcuic wurde, trotz Verbot des
PolizetamtS, folgendeS Placat an den Straßenecken ange-
schlagen: „WaS können wir ntcht brauchen? Eine Dele-
gtrtenversammlung. WaS verlangen wtr? Ein deutscheS
Parlament. (I. Knorr von München, K. Crämer von
Doos, G. Strauß von Franksurt.)"

Aus Baden. Hr. Geh.-Rath Nüßltn, der würdige
Nestor der badtschen Schulmäuner, tst tn Mannhe^m am
22. gestorben. — JnMannhetw erscheint mtt dem 1.
October unter dem Titel: ^Zettgetst" wöchentltch dretmal
etne neue Zeitung, herausgegeben von Schatt und Rats-
berger. Der Verfaffer tst Dr. v. Hoff. Der Zweck derselde»
tst nicht nur zuverlässige Kcnntntffe der außereuropätschcir
Verhältnisse zu verbretten, sondrrn auch AuSwanderern,
Kaufleuten. GeschäftSmännern jeder Art mit Belehrung aG
dte Hand zu gchen. — Von Prof. v. Weech tn Frei-
hurg ist etne Schrtft: „Baden uuter den Großherzogen
Karl Frtedrich, Karl, Ludwtg — 1738 bkS 1830 —" er-
schtenen, welche vielen Anklang finder. — Eardinal Retsach
verweilt sett dem 20. Aug. zu Fretburg, wofelbst setne
Anwesenheit mit der Ernennung cines CoadjutorS in Ver-
btndung gcbracht wtrd; deffen Aufstellung nun selbst von
dem Erzbischof gewünscht werde. Dcr Cardtna! soll vor-
her aus dem Stifte Neuburg bet Heidelberg mit mehreren
anderen höheren Würdenträgekn der kath. Kirche zur Be-
sprechung der Kirchenzustände ,tn Süddeutschland verwetlt
baben. — Zu den vielfach in etburg beftehenden Ge-
sellschaften und Vereinen soll eine neue, eine „Gesellschast
für öffentltche Jnteressen", kommen. DLe Einladung zum
Beitritt . auSgehend von den HH. Bürgermeister Faulcr.
Hofger.-Rath Gtmer, Prof. v. Mangoldt, Hofgcr.-Advocat
Näf und Privatdocent Dr. v. Wekch, ist im Umlauf und
scheint mehrfachen Anklang zu flnden. Dcr Zweck dteser
Veretntgung foll sein: „die Verbreitung volkswtrtbfchast-
lichcr, polittscher und historischer Kenntntffe zu befördern,
den Sinn für cine lebendtge und thattgc Theilllahme an
den Angekegcnheiten deS nähern und weitern VaterlandeS
in nationaler und freiheitlicher Richtung zu b>!ibin , und
Fragen von allgemeinem und öffentltchem Jntereffe aufzu-
nchmen und deren Lösung zu besördern."
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