Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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N; 231

rrscheint, MontagS auSgmoinmen, taglich.
PreiS vierteliährlich 51 kr.

Freitag, 2. Oetober

ZasertionSgebübreä für die Sspaltige Petit-
zeile werden mit 3 kr. berechnec.

18«3.

Bestellungen auf die „Heidelberger
Zeitung" mebst Beilage „Heidelber-
ger Familieuvlätter" für -as mit 1.
Lctober 1863 begvnnene 4. Quartal
werden fortwährend angenomme».

- > Die Expedition.

* Politische Umschau.

Die Einladi;ngen zu der Müttchener Zoll-
conferenz sind jetzt von der baperischen Re-
gierung versandt. Die Conferenz wird am 5.
October zusammentreten.

Die Kerliner Volkszeitung sagt sehr richtig:
»Noch in unseren Lebtagen gab eö eine Zeit,
wo Deulsche, Lie solche Ueberzeugungen über
den deutschen Bund und die beutsche Ration,
über das beutsche Bolk und bie deutsche Volks-
perlretung auösprachen, wie es setzt von Sei-
tcn oer österreichischen, der prenßischen und
anderen Negierungen geschieht, den Gerichten
als Aufwiegler, Volksversührer überwiesen
wurden und bie Gerichte, die Bundesgerichte,
die Lanbesgerichte, die Sondergerichte haben
urlheilc wunderbarer Art darüber gefällt. Ge-
genwärtig beliebt .eS der Weltgeschichte, ben
officieüen Denkschristen solche Zdeen zu dic-
tiren."

Die Frist, die den neapolitanischen Banditen
zur Unlerwerfung gestellt worden, läuft mit
bem 1. October ab. Der Offervatöre Rymgno
bejchulbigt das Turiner Cabinet, es habc ver-
sprochen, verkleidete Karabiniers nach Rom
zu schicken um diese Stabl zu revolutioniren.

Der Lon, der in dcn Pariser osficiellen
Kreisen jetzt angeschlagen wird, ist piötzlich
ein sehr srieblicher, unv man versichert, der
Moniteur werbe unmittelbar nach der Rück-
kehr des Kaisers einen „Offencn Brief" bieses
letzleren an ben Staatsminister bringen, worin
erklärt werbe, daß Frankreich durchaus nicht
gehalten sei, bie polnische Frage zu einer per-
sönlichen zn machen, nachbem Oesterreich und
Englanb nicht weiler mil ihm zu gehen ent-
schloffen seien.

Nach eincr im Temps erschienen Mittheilnng
von Zoseph Grabowskt hat die polnische Natio-
nalregierung am 16. August Mieroslawski
zum „Generylorganisator" ber polnischen Trup-
pen ernannt.

Deutschtaud

Karlsruhe, 30. Seplbr. Ordensverleihungcn. Se.
Köntgl. Hohett ber Großherzog haben Sich unter dem
19. Äugust d. Z. gnädigst bewogcn gesuuden: dem k. k.
österrcichlschen Feldmarschalllieutenant Äugust Frhrn. von

Stillftted-Ratenicz, zweltem Jnhaber des k. k. 50. Ltnten-
JnfanterteregimentS Großherzog von Baden, das Comman-
denrkreuz mtt Stern, ond^ dem k. k. österreichtschen Oberst
Karl Schwatger, Commandant vbengenannten Regiments,
daS Commandeurkreuz deS Ordens vom Zährtnger Löwen
zu verlethen.

Erlaubntß zur Annahme etneS fremden OrdenS. Dem
Geh. Hofrath Dr. Karl Zell zu Fretburg für das thm
von Setner Hetltgkeit dem Papst Pius IX. verltehene
Commandeurkreuz deS St. GregortusordenS.

Dtenstnachrtchten. Der provtsortsch tn Ruhestand ver-
setzte Hüttenverwalter Gyser in Hausen wurde definttiv tn
Ruhestand versetzt; der. Prtvatdocent an der Untversität und
Adjunct am k. k. österretchtschen Naturaltencabtnet tn Wien,
Dr. Karl Ztttel, zum Profeffor der Mtneralogie und Geo-
gnosie an der Polytechnischen Schule ernannt.

Karlsruhe, 30. Sept. DaS heute erschienene Regbl.
Rr. 41 enthält (außer Personalnachrtchten):

I. Verfügungen und Bekanntmachungen der Mintsterien.
Bek.anntmachungen des großh. HandelsmtntstertumS: s) Dte
Errichtung einer Telegraphenstation zu Hockenheim betr.
b) Dte Organtsatton deS Etsenbahudienstes betr. (Dar-
nach wurden auf den Stationen Bammenthal, Helmftadt,
Grteßen und Bertngen Gütererpedtttonen errichtet, welche
mtt dem 1. Oct. l. Z., bezügltch der Station Beringen
jedoch mit der Beschränkung tn Wtrksamkeir treten werden,
daß daselbst nur Rohmatertälten, und zwar tn ganzen
Wagenladungen, zur Beförderung aufgegeben, beztehungs-
wetse von andern Stationen bezogen werden können.)
e) Die Organtsattnn der für Fortsetzung deS Etsenbahn-
baueS erforderlichen Stellen betreffend. (Darnach wurde
sür den Bau der Eisenbahn von Offenburg bis Hausach
etne Gtsenbahwbautnspectton mtt dem Sitze tn Gengenbach
errtchtct.) 'ä) Dte Aufhebung der Eisenbahn - Hochbau-
Znspectton Hetdelberg und dte Errichtung etner solcken zu
Mosbach betreffend.

II. Dtensterledtgungen. An dem Gymnasium und der
höheren Gürgerschule tn Lahr tst etne mtt dem zweiten
Diaconat daselbst verbundene Lehrstelle mtt etner jähr-
ltchen Besoldung von 800 fi. bts 1100 fl. tn Erledigung
gekommen.

— Mannheim, 30. Sept. Gcstern Abend
fa»d in dem Saale des Badner Hofes eine
Naiionalvereinsversammlung statt, welche vvn
8 bis 11 Uhr währte und einen sehr interes-
santen Verlauf hatte. Nach einer kürzeren
einleitenden Ansprache durch den Buchdruckerei-
besitzer I. Schneider, erstattete, zum ersten
Gegenstand der Tagesordnung übergehend, ber
hiestge Bürger unv Abgeordnete Moll cüien
umfaffenden und' metsterhaften Bericht über
die Haltung des jüngsten deutschen Abgeord-
netentagcö gegenüber der deutschen Bundes-
reformacte deö Fürstentages. Er machte darauf
aufmerksam, daß die Abgcordneten-Vcrsamm-
lung, welche glelchzeitig mit der Fürsten-Ver-
sammlung tagte, noch nicht in der Lage ge-
wesen sei, auf eine specielle Kritik der Neform-
vorschläge, die erst in ihrem Entwurfe vor-
lagen, eiiiziigehcn, sondern daß sie stch auf den
Boden der Thalsachen habe stellen müffen.
Von hier aus aber habe sie, so große Bedenken
sie auch damals schon gegen einzelne Postlio«
nen gehabt habe, eö doch für ihre Pflicht und

Aufgabe erachtet, sich nicht blos vcrneinend
gegen das Ganze dieser Vorschläge zu ver-
halten, damit man ihr nicht später den Bor-
wurs inachen könne, sie habe zu Demjentgen,
wornach Deutschlanv schon so lange vergebeuS
strebe, nur' auS dem Grunde ihre Hand nicht
geboten, weil sie »icht mit allen Einzelnheiten
einverstanden gewesen und weil die Jnitrative
hierzu von den Fürsten ausgegangen sei. Die
Abgeordnetenversammlung habe daher die Re-
formacte als cin Zeugniß sämmtlicher deutschcn
Fürsten, daß die deutsche Bundesverfaffung
einer Umgestaltung bedürfe, und als einen
Grundriß, der bei hinzutretender Verbefferung
uns dem Ziele näher bringen könne, willkom-
men geheißen, daber aber voraus es für un-
bedingt nvthwendig erklärt, daß als Grund-
lage für jedes Reformwerk die Reichsverfas-
sung vom Jahre 1849 festgehalten werde.
Herr Moll stelll hiernach den Antrag, daß die
NationalvereiiiS-Versainmlung dem Abgeord-
netentage, der als der Keim ciner künftigen
Natioiialvertretuug, ungeachtet er kcinen vfsi-
ciellen Charaktec habe, zu betrachten sei, ihre"
Anerkennung ausspreche. Die von ihm vor-
gelegteu Resolutionen wurden mit Stimmen-
einhelligkeit angenommen. Noch ist zu be-
mcrken, daß Herr Moll am Schluffe seines
Vortrags in begeisterter und ergreifcnder Weise
zu lebhafterer Theilnahme an den vaterländi-
schen Angelcgenheiten und zur Einigmig der
Parteien ermahnte.

Der zweite Gegenstand der Tagesordnung
war eine Kritik der fürstlichen Reformacte
burch Dr. Ladenburg. Rcdner bemerkte
gleich Anfangs, daß die Ergebnisse seiner Prü-
fung, welche die Gefährlichkeit und Unannehm-
barkeit dieser Atte darstellen werden, u. seine
darauf gegründeten Anträge anf Verwerfung
derjelben im Wiberfpriich mit dem soeben ge-
faßten Beschluffe zu stehen scheine». Allein
dies sei auch ein bloßer Schein; in der Wirk-
iichkeit aber vertrage sich sein Antrag ganz
gut mit jenem des Abg. Moll und sei sogar
einc nothwendige Ergänzung dksselben. Der
Abgeordnetentag habe nämlich nur die dama-
lige Sachlage in das Auge fassen und nicht
anders befchlicßen können, als er gethan habe;
zumal da er sich der Hvffnung hingegeben, daß
die Rcfvrmacte unter dem Beirath dcr Fürsten
eine beffere Gestalt annehmen werde. Jeßt
stehe die Sache anders; die Acte habe sogar
eine Verschlechterung erfahren, und nichtS könne
uns bbhallen, sie der strengsten Prüfung zu
unterwkrsen und in Folge derselben uns gegen
fle auSzusprechen, wie dies auch bereitS von

O Stadt-Theater m Heidrlberg.

Mittwoch, ben'36. Scplember. Erste Probc-
vorstcttung. üer Sonnwendhof. Schauspicl
in ö Aktcn von Moscnthal. — Was ^Lßt sich
nicht Allcs dcnkcn bci den viclen Woricn, wclchc
den Litel dicser iinsercr cigcnen crsten Probe-
vorstcllung bildcn, bei dcr wir glcichmäßig vor
das doppeüe Pubiiknm dicsseitS und jcnseitö des
SoujsteurkastenS trctcn, um den Einen zu erzäh-
len, was oa drübcn vorging, um dcn Andern zu
sagcn, was nach unscrer Ansicht hätte »orgchen
müffen. Zenun — sodann! läßt Mosenthat die
Eine sciner Heldinnen sagen, wenn ihm geradc
nichts Vernünstigcrcs einsällt, uno jcnnn — sodann
rufcn wir ihm nach, wenn uns dcr Sonnwcndhof
vorgeführt «ird, und jenun — sodann «ird vic!»
tcicht dcr Leser sagcn, wenn cr mit nns nicht ein-
vcrstandcn tst. Aber trotz alledcm und alledcm,
jenun — sodann! — Die Gcscllschast, mit wclcher
Hcrr Widmann dic Biihne cröffnctc, als cr vor
zwci Zahren die Leitung Lbcrnahm, ist noch in
Aller Erinnerung; daS beste Zeichcns, daß sic cs
verdiente. Die. Leistungcn dcS vorigcn Winters

sind in ein nicht weiter aufzuhellendes ZenseitS
hinübcrgegangen; stvren «ir sie nicht, auf daß ^
wir nicht gestört «erden. Für diesen Winter haben !
wir neuc AuSsichten, ncue Hoffnungen, und nach !
den Erfahrungen, welche wir in der erften Probe- !
vorstellung machten, find dicse Aussichten, gering !
gesagt, nicht ungünstig. Fräulein Widmann und
Herr Delcliseur werden es uns zu gut halten,
wenn «ir zuerst der neuen Kräftc er«ähnen, wclche
uns im Sonllwendhof frisch vorgestellt wurden.
Monika ist die Sonnwendbäuerin. Ste steht oben ^
an aus dem Theaterzettel. Aber wäre auch ihr
Name ganz zuletzt gedruckt, so müßtc die Krittk l
Frau Sobierry die erste Stelle einräumen. Wir ^
müßtcn selbst an unserem Nrtheil verzweifeln, wcnn
wir nicht schon nach diescr einen Rolle mit voller
Zuversicht dcn Ausspruch wagten, daß unserc Bühnc
zu diescr Acquisition sich entschicdcn Glück wünschen ^
barf. Eine volltönende, sympathischc Sttmmc, die
Fähigkeit, svwohl über Töne der Strenge als der
wetchen Empstndung zu gebieten, Anmuth und
Würdc der Bewegung versprechen uns von dtesem
neuen Mitgliede ficherltch eine Reitz« vortrefsiicher
Lkistungkn, deren Gebiet wir dahin präcisiren .

möchten, daß wir im Voraus unS auf die Grästn
Orfina, dte Lady MUfort, dic Köntgin Eltsabettz
in Laube's Effer freuen. Von der Sennerin zur
Bäuerin ift ein großer Schritt, aber FrLulein
Meyer scheint Talcnt zu besitzen, so viel man bci
einer so unbedeuteiiden Episode bemerken konnte,
und dcr Beisall dcS PublikumS mag ihr als Stütze
dienen, diescn großen Schrüt zu ttzun. Fräulein
Hcuberger tfr nur halb neu, wenn unser Ge-
dächtniß nicht trügt. Wir glauben sie frühcr schon
eine kurze Zeit hier als Schausptelerin beseffen zu
haben. Fiir komische Rollcn scheint sie am Platze
zu sein, die Crcsccns hätten wir uns jedoch ernstcr
und gemüthreichcr gedacht. Von den Herren nen-
nen «tr in Bezug auf dic eine Vorstellung, von
der hter die Rede ist, zuerst Herrn Giegold, der
scineii Pfarrer warm und edcl sprach. Das smd
Rollen, welche stltcn dcn lautm Beifall hervor-
locken, wenn ste gelingen, aber im entgegengesttztcn
Fallc cine ganze Scenc ruiniren können. Herr
Gicgold wußte mchr als bloß das Letztere zu
vermeiden. Herrn Pvdesta wte Herrn Frey möch-
ten wir erst nach »ndern Rollen beurtheilen. Beiden
waren offenbar diese Charaktere «icht recht paffcnd,
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