Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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Kreitag, 18. December

^ Eine Blumenlefe von der Feier
des 18. Qclober.

Bk> der Octoberfcier auf dem Lcipzlger
Schlachtfelde wurde manches Wort gesprochen,
welches heute, w» uns wieder eine neue
Schmach von Sei'ten der deutschen Großmächte
droht, ei'ne doppelt ernste Bedeutung gewinnt;
und wir dürfen nicht säumen, uns Nlles in
das Gedächtni'ß zurückzurufen, was geeignet
ist, einen heiligen Zorn in uns zu entflammcn,
um uns gegen abermalige Deniüthigungen zu
waffneu. Dort än der Stätte, wo der Gruud.
stein zu dem Denkmale gelegt ward, soll ein
hochstehender Mann gesagt haben: „Jch möchte
gern glauben, daß die Fürsten nicht wiffen,
was sie thun, indem sie sich von dseser Feicr
ausschließen. Jst das ein wirklicher fester
Staat, ist das ein für die Zukunstgesichertes
Leben, wenn man Heer und Bolk in den höch-
sten vaierländischen Erinncrungcn trennt? Wo
ist da die vielgepriescne Einheit von Fürst u.
Volk? Di'c Söhne und Erben Derer, die am
Tagc der SHIacht dort auf dem Monarchen«
hügel knieten, hätten sie nicht hier vor allem
Volkc Eines Herzens mit ihm erschckien
müffen?" — Noch viel Schwereres und Här-
teres soll dieser Mann gesprochen, und seine
Lippe soll gebebt haben. Ein Anderer sagte:
„DaS Urtheil ist heute vvllzogen, das die
Fürsten selbst als Wahrspruch auf dem Für-
ßentage geschöpft: Der Bundestag ist Mchts
nutz! Er bietet dem deutschen Volke weder
Sicherhcit und Freiheit im Jnnern, nvch Schütz
nach Außen. Zeder von uns hat nun zu
schaffen und zu wirken, daß es anders werde.
Vor fünfzig Jahren hat Fichte das Wort ge-
sprochen: „Nur ein Träumcr kann die Hoff-
nung einer befferen Zukunft auf etwas An>
deres gründcn, denn auf cin Solches, daS er
selbst für die Eniwickelung derselben in der
Gegenwart zu legen vermag." — Und wieder
ein Anderer sprach: „Das solle für lange,
lailge Zeit das letzte Fest der Deutschen sesn!
Es ist so schön, s» spmphonisch verl aufen, ist
eiii Fest ver Vergangeiihcit uud Zukunft, wie
keiii zweiies mehr kommen kanu uiid kommen
soll, bis das Ziel erreicht. Zch hätle gerne
der großen Versammlung zugcrufen: Laßt unS
mit Hand und Mund geloben, kein Fest mehr
zu feiern, in keinerlei Weise, nirgends, biS
wir selbstEiwas vollbracht, das dcr
Erinnerung werth ist. Wir müffen ler»
nen enthaltsam scin, unsere Krafk nicht in
allerlei Jubeleien verpuffen oder beschwichtigen.
Der fünfzigfährige Gcdenktag der Leipziger

^ - Mufikalisches. s

Jm heutigen zweiten Abonncments-Conccrt dcS
Znstrnmentaloercins wird uns endlich einmal wic-
der eiue Haydn'sche Ssmphonie dargeboten. Die
angekündigte V-moII-S»mvhonie g-hört zwar zu ^
den kleinern, tst aber immerhin cine musikalische
Perlc und voll Anmnth und Grazie.

Jvseph Haydn hat bekanntlich 118 Symphonien
geschrieben, die sein schöpfertschcs Talent und seinc
Erstndungsgabe bcdeutsam genug beurkunden und
er ist g-wiffermaßen der Batcr unserer deutschen Zn- ^
strumentalmusik bczüglich der Symphonien. Wen»
nun Haydn von Mozart, wie letztcrcr bou Bcet-
hoven überflügelt wurde, so war die natiirliche
Folgc, dast auch dic schönsten Symphonien Haydn'S
von den Evncertprogrammcn verschwanden. Unrccht
bleibt es jedoch immer, von diesen ganz abzusthen,
'dcnn Mozart wäre vhne Haydu's Vorbild nicht
daS geworden, was er war, eben so wenig würde
Bcethoven auf den Höhepunkt gestiegen stin, wenn
er nicht so erhabene Vorbilder gehabt hättc. Dcr !
mufikalisch Gebildete ist aber weit davon entfernt, ^
eine meisterhast gearbcitete Symphonie Haydn'S >

Schlacht sei daS lctzte deutsche Fest. Vie
deutschc Fahne bleibe zusammcngcrollt, biS sie
eine Wayrheit uud nicht mehr blos eine
Forderung!"

Dcutsche! an Euch liegt es, daß der letzte
deutsche Festtag jcßt nach fünfzig Zahren wie-
dcr zu cinem Tage deutscher That werde!
DortinSchlcswig-Holsteinentrolletdie deutsche
Fahne, und der Traucrflor, womit fie um-
wunden, verwandle sich in ein Zeichen deS
SiegeS und der Freude!

* Politische Uuischau.

Der frühere Pfarrer im städtischen Hospital
zu Mainz, Hr. Michael Biron, ist crcom-
municirt wordeu.

Die bevorstehende Abgeordlletenversammluag
in Frankfurt, so berichlet die Berl. Volksztg.,
scheint in Regierungskrcisen große Befürch-
tungen zu erwecken. An unsere Eisenbahn-
Directionen sind bereits Anfragen ergangen
über die Mittel, rasch eine größere Menge
Truppen hier zu versammeln, und in der Stadt
stnd Gerüchte verbreitcl von einer beabsich-
tigten Aufhebung deS Bereinsrechtes Seitcns
deö Bundcs, von allgemeinen Verboten in den
vcrschievenen Ländern, die Versammlung zu
besuchcn u. s. w.

Die Partei des Friedens gewinnt jeden Tag
eiuen stärkeren Anhang im gesetzgebenden Kör-
per Frankrcichs, da man an die Gcsahr einer
Coalition zu glauben anfängt. Dagegen sind
die OppositionSinitglicder einstimmig für die
Abberufung der Lruppen aus Mcrico.

Ein Turiner Blatt versichert, es sei auf
dem Kriegsminl'sterium ein Decrel unterschrie-
ben worden, durch welcheS bie Soldaien aller
Altersclaffen, und zwar erster und zweitcr
Categoric, unter die Waffen gerufen werden.
Bestäiigt sich dicse Nachricht, so wäre der
Krieg unmitlelbar vor der Thüre. Die Rü-
stungen werden im koloffalsten Maßstabe be-
triebe».

Zur Schleswig-Holstein'schen
Sache.

Bei dem Geschäftsführer des Hülfökiüs-
schuffes des Nationalvereins für Schleswig-
Holstein Hrn. Miq uel in Götlingen sind biS
jctzt 11,386 Thlr. eingegangen.

Derselbc sordert zur raschen Abführung der
Gelver ab, weil in Hamburg mehrere hundcrt
S.-H. zu unterstützen seien, welche vor der
dänischen Conscription geflohen sinv, serner die

mit verächtlichen Blicken zu bctrachtcn, wiil fie
nicht den großartigen Anstrich einer Bcethovcn'schen
hat; denn die Symphonic liegt bei Haydn nicht
mehr in der Wiege einer „mustkalischen Kinderei".
Der wahre deutsche Künstler weiß sie noch immer
zu schätzen.

Jn der zweitcn Abthetlung deS Loncerts gelangt
Mendclsohn'S großartige Cantate „Lobgesang"
hierortS zum ersten Male zur Ausführung. Es ist
uns iuimer eine befondere Freude, wcnn die Mit-
wirkung dcs gemtschten Chors bei dcn Concerten
angckündigt wird, waS in der That allzu selten
der Fall ist. Der Chor hat fich diesmal etnc
schwere, aber dankbarc Aufgabe gestellt. DaS
Publikum, welchcS den bisherigen Letstungen des
LhorS mit so überauS großer Thcilnahme gefolgt
ist, wird.jedensallS cinen wirklichen, vollen nnd
wahren „Kunftgenuß" in diescm Lonccrte haben.

Die Wirthin »on Fifchbach.

Humoristische Erzählung vou Ch. v. Gravenreuth.

(Kortsetzung.)

Der Adjutant lachtc in fich htnein, er gönnte
dem Grimmbarte die Lection. Der Köntg aber,

„Borbereitungen zur Bildung ciner s.-h. Armee
im Augenblick bedentende Geldmkttel" er«
forderten.

Der englische außerordentliche Gesandte,
Lord Wodehouse soll (der liberalen Correspon-
denz zufolge) Hrn. v. Bismarck erklärt haben:
daß er bereit sei, alle Bedingungen, die Preu-
ßen an die Anerkennung Christian IX knüpfen
werde, innerhalb 24 Stunden in Kopenhagen
durchzusetzen, und daß er von seiner Regierung
die Vollmächten besitze, um einen angemeffenen
Druck in diesem Sinne auf das Kopenhagner
Cabinet aüszuüben. So drückt Einer auf den
Andern, alle aber drücken auf das deutsche
Volk und sein gutes Recht.

Der „Altonacr Merk." erfährt aus guter
Quelle FolgendeS über den Eininärsch der
Bundestcuppen: Am 20. und 21. d. rücken
zunächst 6000 Sachsen mit einem hannover-
schen Husarenregiment auf dem rechten Elbe-
ufer in die Herzogthümer ein. Gleichzeitig
erfolgt die Aufstellung von S000 Preüßen in
Lübeck und 5000 Oesterreichern in Hamburg,
sowie von 6000 Hannoveranern auf dcm linken
Elbeufcr als erste Reserve für den Fall eineS
Widerstandes. 20,000 Oesterreicher und cben
so viele Preußen — als zweite Reserve —
bleiben vorläufig in ihrer Heimath.

Jnnsbruck, 11. December. Die kräftl'ge
Theilnahme für Schleswig-Holstein ist auch
in Tprol im stcten Wachsen begrissen. Die
hiesigen Blätter bringen heute einen Aufruf
des Comite's, welches sich zur Unterstützung
der Schleswig-Holsteiner gebildct hät, und
welcher erfreulicher Weise von drei Priestern
unterzeichnet ist — ein BeweiS, daß sich hier
alle Parteien — mit Ausnahme einiger ver-
rannter Tproler Stimmler, vereinen, wenn
eS sich sim Deutschlands Recht und Ehre
handelt.

Hamburg, 12. Dec. Et'n Kopenhagener
Telegramm sagt, das Ministerium Hall stehe
wegen der Abtrünnigkeit des Siockholmer Ca-
binets in der scandinavischen Allianzfragc im
Begriff, für den Fall des EinmarscheS der in
Holstein crwarteten Bundesarmee den gänz-
lichen Riickzug der dänischen Armee bis jen-
seits der Eider zu beschließen, dagegen dic
dänisch-schleswig'sche Vcrfaffung vom 18. Nov.
d. Z. gleichwohl am 1. Jan. 1864 in Kraft
treten zu laffen und dem weitern Vorrücken
der deutschcn Armee Waffengewglt entgegen-
zustellen.

Bonn» 13-. Dec. Heute Abend fand wie-
der einc sehr zahlreich besuchte Bürgervcr-
> sammlung in Sachen Schleswig-Holsteins statt.

so geneigt er auch «ar, AlleS «vn der humoristt-
schen Scitc zu nehmen, wvllte eS dvch ein BiSchcn
gar zu stark findcn, daß die Frau ihn zu stch tn
die Küchc bcschciden ließ. AlS aber der General in
seiner Schildcrung bis zu seiner Vcrtreibung mtt-
telst KochlöffelS gekommen war, da übcrwog daS
komische Element und der Monarch fing herzlich
zu lachen an.

Zst gar nichtS zu lachen, Majcstät, metnte der
Gcneral, die Frau muß destraft werden.

O gnädigster H-rr König! flehte Midei, «elche
den Hergang mit wechselnden Empfindungen an-
gcsehen hatte.

Nur still, mein Kind, tröstete der König, eS
wird Deiner Mutter Leben nicht kosten.

Aber auf die Festung wird fie der Herr Gencral
schicken, nicht «ahr? O Herr General, thun Sie's
nicht; die Mutter mrint eS so böse nichf!

Jn diesem Moment riß HanS dte Thüre auf
und glotzte neugierig Heresti. Zhm folgte, etnen
großcn Präsentirteller auf beiden kräftigen Armen
tragend, die viel verlangte und erwartetc Wirthin,
mit den schönsten, gvldgelb gebackenen Hechten nnd
Karpfen, die fie auf dem Tische absetzte.
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