Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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Amertka

New-Uork, 15. Aug. Mcade hat einen
Besuch in Washington gemacht. Die Secessio-
nisten haben die Bundesstation bei Warrenton
genommen. Farrout ist durch Bell ersctzt.

New-Aork, 15. August, Abends. Der
Municipalrath von Newyvrk hat drei Miüio-
nen DollarS votirt, um für die Conscribirten
Einsteher zu erwerbcn. Die FondS gehcn in
die Höhe. Goldagio 25'/s-

A s i e n.

Nach einem Bcrichtc aus Manilla vom 22.
Juni beläuft sich die Zahl der bis dahin auf-
gefundencn Opfer des Erdbebens auf 350.
Verwundcte kennt man etwa 450. Es sind
46 öffentliche und 570 Privatgebäude einge-
stürzt, 26 öffentliche und 528 Privatgebäude
drohcn den Einsturz. Aüe übrigen Gebäude
können aber kaum nach einer gründlichen Aus-
besscrung mit einiger Sicherheit wiedcr be«
wohnt werden.

Nachrichten über Polen

Warschau. Nach dem „Czas" wird eine
Menge Häuser !n Warschau, sofern sie an
strategisch günstigen Punkten liegen, für das
Militär in Anspruch genommen werden. Man
erkennt hieraus, daß die Ruffen noch immer
den Ausbruch cines Aufstandsversuchs in dcr
polnischen Hauptstadt fürchten. — Jn die Ci-
tadelle hat kein Privatmann mehr Eintritt;
während es blsher noch geftattet war, bei
Ablicferung von Lebensniltteln für die Ge-
fangenen eine Empfangsbescheintgung von den-
selben zu erwarten, wird fetzt über das Ab-
gelieferte nur vom wachhabenden Ofsiciere
quittirt, und bekommt Niemand mehr seine ge-
fangen Ängehörigen zu sehen.

Nach der rusfischen Academiczeitung haben
dic in den Gefängniffen zu Wilna gefangen
gehaltcncn und zur Depvrtation verurtheilten
polnischen Jnsurgenten in dcr Nacht vom 12.
zum 13. August einen Meutereiversuch gegen
die Gefängnißwache gcmacht. Die in der
Nachbarschaft stationirten Kosaken eilten fedoch
rasch herbei und stellten die „Ordnung" wie-
der her. Am folgenden Tage wurde mit der
Transportirung der Gefangenen auf der Eisen-
bahn nach Rußland begonnen.

Bon der polnischen Grenze, 20. Aug.
Am 17. d. sind in Wilna die Edelleute Jo-
seph und Alerander Rewkowski gehängt wor-
den. Der officielle Wilnaer „Courier", dcr
diese Mittheiluiig enthält, sagt: daß dieselben
vom Kriegsgericht für schuldig befuuden wor-
den seien, als geheime Spione und Polizeileute
der Stadt Wilna im Dienste des sogenanntcn
RevvlutionScomite's gestanden und demselben
geschworen zu haben, die Urtheile dieses Co-
mite's in Ausführung zu bringen; daß sie um
das Attentat gewußt hätlen, welches vor eini-
gen Tagen auf das Leben des AdelSmarschalls
Domcjko ausgeführt werden sollte, Leffen Um-
bringung ihnen empfohlen worden sei. Auch
sei bei dcm verurtheilken Alcrander Rcwkowski
ein Dolch und eine Pistole gefunden worden.
Für dies Verbrechen seien gedachte beide Edel-
leute vom Kriegsgericht zum Tode verurtheilt
und nach Bestätigung dieseS Urtheils am 17.
August, Vormittags um 11 Uhr auf dem Markt-
platz in Wilna gehängt worden. —Dasselbe
Blatt enthält in einer besonderen Beilage eine
lange Liste derjenigen, deren Güter in Folge
der Vcrordnung Murawieffs im Gouverne«
ment Wilna — also in demselben Gvuverne-
ment, deffen Adel erst kürzlich eine warme
Ergcbenheitsadreffe an den Kaiser aus frciem
Antrieb unterschrieben haben soü — consiscirt
worden sind. Es sind in diesem Verzeichniß
als von der Confiscation betroffen namentlich
aufgeführt 88 Edclleute, 80 Bürger, 71
Bauern, 7 Frauen, 7 Beamte, 11 Geistliche
und 5 MilitärS, zusammen 269 Personcn.

Neueste Nachrichteu

Wie«, 27. August. Der „Botschafter"
veröffentlicht die Analpse eines Promemorias,
welches der Kaiser am 3. d. M. dem König
vou Preußen -ei Gelkgenheit der Einladung

zum Fürstencongreß in Gastein übergeben habe.
Diese Dcnkschrift beruft sich auf die europäi-
sche Lage, welche fordere, daß die deutschen
Fürstcn sich rechtzeitig einer haltbaren Stcllung
versichern. Der Kaiser erkennt an, daß auch
die deutschc Nation mit Recht eine Neuge-
staltung ihrer politischen Berfaffung erwarte;
ebenso unumwunden erkcnnt aber auch die
Denkschrift an, daß es ohne Preußens Mit-
wirkung für die Reorganisation des Bunves
keinen definitiven Abschluß gebe, sowie daß
Preußens Wille die Reform rechtlich u. factisch
hindern könne. Die Dinge in Deutschland
scien aber so weit gcdiehen, daß ein absoluter
Stillstand der Reformbewegung nicht mehr
möglich sei, und daß die Regierungen, welche
dies crkenncn, fich zuletzt gezwungen sehen
werden, Hand an ein Werk der Noth zu legen,
indem sie stch zur partt'ellen Ausführung der
beabsichtt'gten Bundcsreform im Bereiche der
eigenen Staaten entschließen, und zu dicsem
Zwecke unter Wahrung des BundeSverhält-
niffes ihrem freien Bündnißrechte möglichst
ausgedehnte Anwendung geben. Von Preu-
ßens Entschließung werde eS abhängcn, «b
der dcutsche Bund wieder auf die Höhe seiner
sür dic Nation und ihre Fürsten, sowie für
den Frieden Europa's so wichkigen Bestimmung
zu beben sei.

Wien» 27. Aug. Dem „Botschafter" wird
aus Frankfurt mitgetheilt, es sei alle Ausficht
vorhanden, daß die angedrohte Erecution gcgen
Dänemark und die Besetzung Holstcins sin
Vollzug gesetzt werde. Oesterreich u. Preußen
würden die Reserve bilden, das Hauptcrpe-
ditionscorps aber aus Truppencontingenten
der Mittel- und Kleinstaaten bestehen. Die
aufzustellende Truppenmacht werde hinreichen,
die Erperitionsmaßregel unter allcn Umständen
durchzuführln.

Vermischte Nachrichten.

Frankfurt, 24. Augllsi. Der Kllrjürft von Heffe»
wurde bet setner Ankunft gletch den anderen Fürsten von
etnem Senator empfangen, der etne kletne Anrede an ihn
htelt. Statt der Antwort soll der Kurfürst dem etwas
verdutzten Senatyr dte Frage entgegengeworfen haben:
„Nicht wahr, heute macht's warm?-

WiMpfen (Großh. Heffen), 20. Aug. Etn schwereS
Verbrechen tst gestern hter verübt worden. Der bekannte
und vielbesuchte Bterbrauer Grötzinger, auS Würtemberg
gebürttg, hattL vor iVr Jahren etn erst um dtese Zett ge-
kauftes WohnhauS zu Wimpfen tm Thal an den dahter
angestellten würtembergischen Salzcontroleur Stegwart wte->
der verkauft. Stegwart schuldete noch den Restkaufschtlltng
mtt betläüfig 100 fl., welcher schon über etn Zahr ver-
fallen war, und wurde deßhalb von Grötztnger durch ein
kurzeS Billet ganz freundltch ermahnt. Stegwart, hterüber
aufgebracht, steckte einen Dolch zu fich, nahm daS Geld
und etlte tn Grötztnger's Wohnung, um das Geld »auSzu-
zahlen. Dabei schtmpfte er über die Forderung und machte
nach kurzem Wortwechsel von setnem Dolch Gebrauch, tn-
dem er den Grötztnger tn dte Brust stach; dteser sank augen-
bltckltch todt nteder.

_L_^_

Aus Baden. Bet unsern Verkehrsanstalten soll eine
Aenderung etntreten, indem der Betrteb der Etsenbahnen
und der Posten etne getrennte Oberleitung erhalten soll.
— Nach der Bad. Ldztg. hat am Montage Hr. StaatS-
rath L amey etne mehrwöchentltche UrlaubSretse angetreten
und wird nach etnem karzen Aufenthalte in Mannhetm fich
in das bayertsche Hochgebtrge begeben. — Dte B. Ldztg.
thetlt auS zuvcrläsfiger Quelle mtt, daß der seiner Zett
auf dem katholtschen Congreß zu Aachen gemachte.Vorschlag
BetreffS Errichtung etncr katholtschen Untversität
Deutschlands aus einem leicht begretfltchen Grunde zu
Waffer geworden ist — wegen deS Geldpunktes.

* Locales.

Heidelberg, 25. August. Wir glauben vtelsetttgeu
Wünschen zu degegnen, wenn wir hter etnige den westltchen
Stadtthetl mehr oder wentger berührende Bedürfntffe zür
Sprache brtngen. Zunächst begreifen wtr darunter den
Mangel an öffentltcken Röhrbrunnen, denn nur der Ge-
fälltgkett der HH. Th. Gätschenberger, Künzle, sowte der
Schulfondsverwaltung verdankt eS etne Menge von HauS-
frauen, daß sie daS für verschtedene Verrtchtungen so be-
ltebte Röhrwaffer ntcht mit Opfe.n von Geld und Zett
aus größerer Entfernung herbeischaffen laffen müffen. Sollte
diesem Mangel ntcht abgeholfen werden können? (Dieser
Mtßstand tst schon sett lange fühlbar, und könnte wahrschetn-
ltch nur durch Gründung einer Gesellschaft, welche sich zur
Aufgabe macht, etae geetgnete Wafferleitung herzustellen,
beseitigt werden. Dazu wäre etn bedeutendes Kapttal
und genügendes Waffer Haupterforderntß.)

Jn zwctter Reihe würde fich dte Errtchtung eineS Ka-
nals von der Hauptstraße durch die Brunnengaffe nach dem
Neckar alS sehr zweckmäßtg erweisen, indem das Abwaffer
der tn der Nähe dieser Gaffe bcfindlichen Brauereten am
raschen Abfiteßen verhlndert, bet eintretender Kälte fich
nach und nach über dcn Wcg verbreitet, gefrtcrt und so
denselben unficher macht, oder nach erfolgtem Thauwetter den
Verkehr sehr belästigt. — Auch dte Sbenung und beffere !

Herstelluug, wenn nicht Pflasterung der zwischen den Han-
sern von Stauß und Th. Bootz längs dem Neckar hin-
ztehenden Straße möchte sehr ru empfehlen setn, indem
dieselbe bei andauerndem Regen kaum begangen werden
kann, waS namentlich auf Fremde und Einheimtsche, welche
fich etwa an dem Neckarufed zu ergehen beabfichtigen, einen
unangenehmen Etndruck machen muß.

An die unabhangige deutfche Preffe!

Obwohl unS dte Zustände der unterdrückten deutschkatho-
ltschen und freien reltgtösen Gemetnden tn Bayern btsher
im Allgemetnen bekanyt waren, so find wir doch erst jetzt
durch mttgethetlte authentische Urkunden zur vollen Kenntntß
jener Zustände gelangt.

Diese Gemeinden btldeten fich tm Jahre 1848 nach
Wahrung aller gesetzltchen Erfordernisse und erhtelten dte
Allerhöchste Genehmtgung; alletn 1851 gelang cs ihren
altiktrchlichen Gegnern dteselben als politische Veretne z«
verdächttgen, und unter diesem Vorwande und ohne alle
wettere Untersuchung wurde thnen dte Bestätigung entzogen,
fie wurdrn gewaltsam unterdrückt. Ste leben heute noch,
aber jhr Zustand tst jammervoll; so in Rhetnbaiern, wte
tn Altbatern. Beraubt find sie Lm letzteren deS RechteS
eines gemetnsamen Gottesdtenstes, ohne welches jede Zu-
fichersng von ReltgtonS- und GewtffeySftetheit eine Täu-
schung ist; beraubt deS Elternrechtes Ver- Bestimmung der
Reltgion threr Ktnder; beraubt des büryerltchen RechteS
der Vereheltchung und der Ansäsfigmachung 1n threm Vater-
lande; beraubt aller bürgerltchen Wahlrechte; beraubt deS
Rechtes, thre Todten nach 'ibrem Gesübl beerdigen und am
Grabe ein Gebet oder etn Wort deS Trostes sprechen zu
können. Jeder derartige Versuch wird durch die Polizet
unterdrückt. AlleS was fie nach wtederholten, ausführltch
begründeten ond ehrerbtettgen Bttten tn allen Znstanzen
erlangen konnten, war, daß man die Kinder endltch von
dem zwangSwetsen Besuche des ReltgtonSunterrtchtcs anderer
Confesfionen befreiete, ohne ihnen jedoch die Genehmigung
eineS eigenen ReligionSunterrichteS zu ertheilen. so daß fie
nun gezwungen find, fich heuchlerisch anderen Confesfionen
anzuschließen, oder vollständig religionSlos zu bleiben. Ge-
nug, dtesc Leute find bürgerlich und religios vollstäudtg
rechtlos.

Sollte man glauben, daß so etwas tn einem gebildeten
deutschen Staate des 19. Zahrhunderts möglich sei?!

Zn Spanten bestraft man protestantisirende Bibelleser
mtt der Galeere, tn Jtalien tauft man die Zndenkinder
und entreißt fie den Eltern gewaltsam; allein in diesen
Staaten ist dteS wentgstenS eine althergebrachte Uebung;
dte batertsche Verfassung aber verheißt jedem Baier voll-
kommene Gewtffensfretheit, und § 1 und 2 der zweiten
Verfaffungsbetlage wtederholt: daß „in Gegenständen des
GlaubenS und deS GewiffenS kein Baier etnem Zwang
unterworfen werden" könne. Für jene spanischen und tta-
lientschen LetdenSgenoffen hat man Worte ünd Thaten deS
MttgefühlS, habt thr für dtese unterdrückten und getsttg
getödteten deutschen Mitbürger in Baiern ketn Wort und
ketnen Trost? AlS man dte Ketzer in früherer Zeit lebendig
verbrannte, da war das grausam; aber doch etntgermaßen
mit Wahrhett und Ehrltchkett veretnbar; eS war, wir möch-
ten sagen, Anstand dartn; daS Verfahren in Baiern aber
tst der Art, daß uns jedeS Wort fehlt.

Da unS ketn anderes Mittel zu Gebote steht, unseren
unterdrückten ond getsttg getödteten Brüdern jn Batern zu
helfen, so wenden wtr unS an die Presse, und durch dtese
an dte. Gerechtigkeit, an dte Religion unserer Zeitgenossen
aller Eonfessionen. Zene Rechtlosen und Gequälten sollen
wentgstens ntcht mehr lautlos und tm Dunkeln abgethan
werden; dte Welt soll es wtssen, waS in Batern mögltch
tst. Dagegen danke« wtr der großh. badischen und hessi-
schen, selbst noch der kurhesfischen Regierung, welche un-
seren Gemeinden dte nothwendtgsten Menschen- und Bürger-
rechte gewährt und dadurch der Rechtsordnung ihrer Staaten
einen Dienst geleistet haben, den sie nie bereuen werden.

Wtr ersuchen alle unabhängtgen deutschen Blätter, welche
den Muth haben, der heiltgen Pflicht der Preffe zn ge-
nügen und den Bedrängten der letzte Rechtsschutz zu setn,
wtr ersuchen sie, dteser unserer Klage und unserm Proteste
in thren Spalten etnen Platz zu gewähren.

Osthofen, den 18. August 1863.

Dte aüf der Synode versammelten Vertreter der
deutschkatholtschen und ftetreligtösen Gemetnde deS
südwestltchen Deutschlauds.

Dörsenbericht.

FranVfurt, 27. Aug. Dte Börse war wenig belebt
und in den Coursen nicht wesentltch verändert. Von
Wien warcn Creditactien 190. 90, Valuta 111. 65 be-
kannt. -

Um2Ubr: Oesterr. Credttactien 199^2« Nat. 72Vie.
1860er Loose 90^2-

6V» Uhr. (Schlußcourse.) Credtt 1985/8-199 —
1985/8 bez., Loose 90^ bez., Nattonal 71"/^ bez., Amert-
kaner 795/g Geld. Matt.

Gottesdienst in Heidelberg.

Sonntag, den 30. August, Vormtttags 9 Uhr, predigeu:
tn der Heiliggetstktrche: Herr Stadtpfarrer Schelle-n-
berg; tn der Provtdenzktrche: Hr. Decan Sabel.

Nachmittags 2 Uhr,

tn der St. Peterskirche: Hr. Stadtvtcar Hönig.
WochengotteSdienste: in ver St. PetcrSktrchc :
Mtttwoch, 8 Uhr: Hr. Stadtvicar Hönig.

Samstag, NachmtttagS 2 Uhr, Vorbereitnng; tn
der Hetltggeistktrche: Hr. Stadtpfr. Schellenbcrg; tn
der Providenzkirche: Hr. Decan Sabel.

Deutschkatholische Gemeinde.
Sonntaq, den 30. Anqnst, früh 9 Uhr,
Gottcftdicftst in unscrem Betsaale dlirch Hcrrn
Dr. Brugger.
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